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Oberbürgermeister Bausch wehrt sich gegen Kritik an seinem Plan, Kita-Mitarbeiter auf Corona-Streife durch die Stadt zu schicken. archivfoto: alexander seipp

Ordnung

OB Bausch ist verärgert: "Wir spionieren niemanden aus"

  • vonAlexander Seipp
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Kita-Mitarbeiterinnen auf Corona-Streife? Die Stadt widerspricht dem Vorwurf von Verdi, man wolle damit Bürger bespitzeln.

Rüsselsheim -Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) ist normalerweise niemand, der sich schnell aus der Ruhe bringen lässt. Doch auf den am Donnerstag in dieser Zeitung von der Verdi geäußerten Vorwurf, die Stadtverwaltung plane, Mitarbeiter die derzeit nicht eingesetzt werden können, als Spitzel einzusetzen, reagierte der OB sofort.

"Ich sage ganz deutlich; In Rüsselsheim hat und wird es keine Bespitzelung der Bürger geben und dass uns dies von der Verdi unterstellt wird, finde ich ein starkes Stück", stellt Bausch klar. Ihn ärgere besonders, dass das Ansehen der überaus wichtigen und anstrengenden Arbeit des Verwaltungsstabes Corona damit in Verruf geraten wäre.

"Die Pandemie hat uns vor Herausforderungen gestellt, auf die niemand vorbereitet sein konnte", so Bausch. "Trotzdem wurde das Rathaus zu keinem Zeitpunkt für die Bürger gesperrt." Darauf sei man sehr stolz.

Mitarbeiter sinnvoll einsetzen

Überlegungen, Mitarbeiter die derzeit nicht an ihren normalen Stellen eingesetzt werden könnten, an anderer Stelle einzusetzen, gab es aber durchaus, wie Trudi Hartung, Leiterin des Verwaltungsstabes Corona im Rathaus bestätigt.

"Zu Beginn der Pandemie mussten wir 150 Mitarbeiter vom Dienst freistellen, weil es aus gesundheitlichen Gründen für sie zu gefährlich war, sie an ihrem normalen Einsatzort einzusetzen." Innerhalb der letzten Monate sei es gelungen, für alle bis auf zwölf Mitarbeiter neue Einsatzorte zu finden oder die Arbeitsumstände so zu modifizieren, dass die Arbeit wieder möglich war. "Verwaltungsangestelle benutzen etwa andere Wege oder Kita-Betreuer bereiten zu Hause Bastel-Sets vor, die dann in die Kita gebracht werden."

Bei den übrig gebliebenen zwölf Personen sei dies nicht möglich gewesen. "Der Ärztliche Rat war, dass man diese Personen sehr gut im Außenbereich einsetzen könne", so Hartung. Und da die Corona-Zahlen wieder am Steigen gewesen seien, sei man auf die Idee gekommen, ob man diese Mitarbeiter nicht zur Identifizierung von Problempunkten einsetzen könne. Es sei aber zu keinem Zeitpunkt angedacht gewesen, die Bürger zu überwachen oder Bußgelder auszustellen.

"Die Aufgaben wäre gewesen, durch die Stadt zu laufen und einfach zu beobachten", so der Oberbürgermeister.

Wenn sich etwa immer wieder an der gleichen Bushaltestelle nicht an Abstandsregeln oder das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes gehalten werde, dann könne die Stadt entsprechende Maßnahmen einleiten. Etwa durch das Aufstellen zusätzlicher Schilder.

"Wir bemühen uns, für alle eine Aufgabe zu finden", erklärt Hartung. Bei dem Treffen am 2. Dezember seien intensive Gespräche mit allen neun anwesenden Personen geführt worden. Vier hätten die Tätigkeit abgelehnt, drei hatten zugestimmt und zwei wollten es sich überlegen.

"Niemand wird gezwungen", stellt Hartung klar. Ganz im Gegenteil: Durch die Gespräche seien für drei der vier Personen, die abgelehnt hatten, inzwischen individuelle angepasste Lösungen gefunden worden, etwa durch spezielle Hygienemaßnahmen vor Ort oder andere Anpassungen. Sie stellte auch klar, dass es sich bei keinem der zwölf Personen um "Drückeberger" handele. "Jeder einzelne will arbeiten, doch aufgrund der gesundheitlichen Maßnahmen war es einfach nicht möglich." Das Rathaus habe enorme Anstrengungen unternommen, um die Angestellten zu schützen. Man habe Home-Office ermöglicht, neue Aufgaben gefunden und Räume so neu zugewiesen, dass Kollegen mit höheren gesundheitlichen Risiken Einzelbüros zugewiesen bekommen. Nun überlege man sogar, ob man bauliche Veränderungen durchführen solle, um noch mehr Kollegen die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen.

Hinweise weitergeben

Die Beobachtungsgänge hätten bisher noch nicht stattgefunden, da die entsprechenden Kollegen noch bis Ende des Jahres im Urlaub wären.

Der Oberbürgermeister stellte jedoch klar, dass es sich dabei um nichts Besonderes handele: "Wenn ich in der Stadt unterwegs bin und mir auffällt, dass an einer Stelle immer wieder gegen die Hygienemaßnahmen verstoßen wird, dann melde ich dies doch auch den entsprechenden Kollegen." Dies würden viele Kollegen der Verwaltung so machen. Hartung bestätigt dies. "Und nicht nur die Kollegen", sagt sie. "Per E-Mail, Telefon oder Post bekommen wir ständig Hinweise von Bürgern auf "Problemstellen" Das ist doch nichts Verwerfliches!" Die Pandemie verlange allen enorme Anstrengungen ab. Und nun komme mit der Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr noch eine weitere Aufgabe für die Stadtpolizei hinzu. "Als Kommune müssen wir alles dafür tun, dass unsere Zahlen nach unten gehen", sagt Oberbürgermeister Bausch. Denn nur gemeinsam könne man es schaffen, das Virus einzudämmen. Von Alexander Seipp

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