+
Im Sommer vergangenen Jahres begannen 174 Schulabgänger ihre Ausbildung bei Opel, dieses Jahr plant man nur noch mit 80.

Sparmaßnahmen

Opel halbiert die Ausbildungsplätze

Dieses Jahr plant der Autobauer nur noch mit 80 statt 172 Ausbildungsplätzen, die im letzten Jahr noch vergeben wurden. Fast wäre es noch drastischer gewesen. Doch die Opel-Jugendvertretung und die IG Metall konnten Schlimmeres verhindern.

Nach der Übernahme durch PSA schreibt der Rüsselsheimer Autobauer Opel erstmals wieder schwarze Zahlen. Wird nun auch wieder in den Nachwuchs investiert?

Das Unternehmen teilte mit, dass in diesem Jahr 153 Auszubildende ihren Abschluss feierten und gemäß Tarifvertrag für ein Jahr unbefristet übernommen wurden. Im Sommer vergangenen Jahres begannen 174 Schulabgänger ihre Ausbildung im Unternehmen, dieses Jahr allerdings plane man nur mit knapp 80 neuen Auszubildenden.

Diesen Rückgang erklärte Opel mit einem Verweis auf das im Mai diesen Jahres vereinbarte Eckpunktepapier. Darin einigten sich Betriebsrat und Gewerkschaften auf ein zukünftiges Beschäftigungsniveau für die deutschen Standorte. Die Zahl der Auszubildenden sei dementsprechend für 2018 angepasst worden.

Starke Kritik an diesen Maßnahmen übt vor allem die Linke/Liste Solidarität. Sie bemängelt, dass der Konzern die gewerkschaftlich geforderte Ausbildungsquote von sieben Prozent weit verfehle. Diese Quote gibt den Anteil der Auszubildenden eines Betriebs im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Beschäftigten wider.

Außerdem werde nicht einmal die Durchschnittsquote erreicht, die in Deutschland bei knapp fünf Prozent liegt. Die Partei wies auf die vielen Bewerber hin, die noch keine Ausbildungsstelle für dieses Ausbildungsjahr gefunden haben. Gerade Opel sei für die Region als Ausbilder nicht zu unterschätzen.

Nicht nur die Linken weisen auf dieses Problem hin. Ein Sprecher der Jugendvertretung der IG Metall kritisierte zudem, dass trotz weit verbreiteter Klagen über den Fachkräftemangel im vergangenen Jahr knapp zehn der angebotenen Ausbildungsplätze in Rüsselsheim nicht besetzt wurden. Bereits da hätten sich erste Anzeichen für einen Wandel mit der Übernahme durch PSA gezeigt.

Als besonders gravierend wurde zudem die Forderung seitens PSA angesehen, die Ausbildungsplätze im gesamten Konzern komplett zu streichen: Man habe sich daher mit der Opel-Jugend zusammengetan und entsprechende Forderungen gestellt, auf die letztlich zumindest in Teilen eingegangen worden sei.

So seien zwar nun knapp 80 Plätze geschaffen worden, allerdings sehe man es seitens der IG Metall fraglich, ob diese bis September wirklich alle besetzt werden können. Es sei bereits zu viel Zeit ins Land gegangen und somit Chancen vertan worden, geeigneten Bewerber einen Ausbildungsplatz anzubieten.

Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit teilte mit, dass es in Hessen rund 1000 Bewerber ohne passenden Ausbildungsplatz gebe. Dem stünden etwa 12 000 unbesetzte Stellen gegenüber (Stand Juli 2018). Sie betonte dabei auch, dass diese Zahlen nicht einfach gegeneinander aufgerechnet werden dürften, da Arbeitgeber- und Bewerbervorstellungen nicht immer zueinander passten.

In Beratungen werde den Jugendlichen Alternativen aufgezeigt. Gerade bei den männlichen Bewerbern stehen aber Ausbildungen als KfZ-Mechatroniker hoch im Kurs – ein Berufsfeld, das bisher auch von Opel abgedeckt wurde und nun deutlich weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen kann. Opel betonte, dass die Berufsausbildung im Unternehmen eine große Tradition habe, die weitergeführt werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare