Rundgang über den Alten Friedhof

Opel-Mausoleum: Hier wurden Pest-Opfer bestattet

Besonders viele Grabsteine sind auf dem Alten Friedhof in Rüsselsheim nicht mehr zu finden. Die noch vorhandenen Grabmäler aber geben Zeugnis der vergangenen Zeit.

Kunsthistorikerin Cordula Steffen-Hammes führte über die Grünanlage, die auch das Opel-Mausoleum rahmt. Den Teilnehmern der Führung über den Alten Friedhof war sogar ein Blick ins sonst verschlossene Mausoleum der Opel-Familie versprochen.

1941 war die letzte Urnenbestattung auf dem Alten Friedhof. Rüsselsheimer waren früher nicht innerhalb der eigenen Stadtmauern beigesetzt worden, denn sie gehörten wie auch die Haßlocher zur Gemeinde Seilfurth, wo es einen Kirchhof auch für die Rüsselsheimer Verstorbenen gab. 1476 brannte Seilfurth ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Die Bewohner siedelten nach Rüsselsheim. Nur die Kirche des Ortes wurde weiterhin genutzt. Der Seilfurther Torbogen erinnerte auf dem Alten Friedhof bis heute an die einstige Verbindung zum Nachbarort.

Mit dem Ausbruch der Pest während des Dreißigjährigen Krieges wurden ein vom Ort abseits gelegenes Grundstück zur Beisetzung der Pesttoten gesucht. Ein Mörfelder Schäfer hatte in seinem Pesttestament verfügt, dass sein Acker (das Gelände des Alten Friedhofes) zur Beisetzung der Toten genutzt werden könne. Der Schäfer fand sodann auch als erster Pesttoter auf dem Gelände seine letzte Ruhe.

Umgebettet

1919 wurde beschlossen, dass auf dem Friedhof keine neuen Bestattungen mehr vorgenommen werden. Lediglich Zubestattungen in vorhandene Gräber waren noch erlaubt. 1918 war bereits der Generalplan für den Rüsselsheimer Waldfriedhof geschaffen worden. 1939 erging dann der Erlass, die Grabstätten zu räumen. Zahlreiche Familie ließen ihre Verstorbenen auf den Waldfriedhof umbetten. Metallene Einfriedungen kamen damals in die Eisenverwertung.

Steffen-Hammes erklärte die Symbolik der Grabmäler, wies auf Eichen- und Efeublätter als Zeichen der Ewigkeit hin. Zu manchem Überrest eines Grabmales zeigte sie Fotografien, um einen Eindruck von den heute fehlenden Kreuzen, Urnen und Amphoren zu geben. Einige umgefallene Grabsteine würden im Lapidarium des Stadt- und Industriemuseums aufbewahrt.

Der Friedhof war in seiner Geschichte mehrfach erweitert und in den 1950er Jahren zur Grünanlage erhoben worden. In den 1970er Jahren wurde ein Spielplatz auf der ehemaligen Grabstätte errichtet, was Diskussionen über die Achtung der Grabstätte aufkommen ließ.

Zum 100. Todestages von Adam Opel war der Versuch unternommen worden, den Alten Friedhof in seiner Relevanz noch einmal aufzuwerten. Die Planungen wurden niemals umgesetzt. Lediglich die Wege seien vor einiger Zeit noch einmal erneuert worden. So findet sich mancher Grabstein heute auch nur noch ganz verdeckt unter einer großen Eibe. „Auf diesem Friedhof finden Sie alle Grabmalformen des 19. Jahrhunderts“, erklärte Steffen-Hammes, welche die Besucher zu Stelen- und Pfeiler-, Platten- und Naturgrabmälern führte. Louise Hessemer, die Gründerin des ersten Kindergartens im Gebiet Hessen-Darmstadt, ist ebenso auf dem Alten Friedhof begraben wie auch ihr Vater und Bürgermeister Georg Hessemer.

Steffen-Hammes zeigte Grabstätten von Gastwirten und Industriellen wie dem Gründer der Zichorienfabrik Engelhardt, Johann Christian Volbrecht. Auch das mittig aufgestellte Kriegerdenkmal fand Beachtung beim Friedhofsrundgang.

Büste zieht mit um

Im Jahr 1924 ließ die Opel-Familie das Mausoleum als Familiengrabstätte errichten. Adam Opel war zu dem Zeitpunkt schon fast 30 Jahre tot, doch wurde er mit Fertigstellung der Familiengrabstätte umgebettet. Auch die das alte Grab schmückende Büste zog ins Mausoleum um.

Nach Aufschluss der Pforte traten die Führungsteilnehmer in die Andachtshalle ein und bekamen einen Eindruck von der monumentalen Grabstätte. Im Mausoleum wurden neben Adam und Sophie Opel, ihre fünf Söhne und deren Ehefrauen, sowie die neun Enkel und zwei Urenkel beigesetzt. Die letzte Urne wurde 2014 in die Familiengruft unterhalb der Andachtshalle gebracht.

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