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Beschäftigte von Opel nehmen an einer Demonstration am Stammsitz Rüsselsheim teil und halten dabei ein Transparent mit der Aufschrift "Segula - Nein Danke! Wir bleiben Opel!".

Demonstration in Rüsselsheim

Opel-Mitarbeiter protestieren gegen Teil-Schließung 

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Teile des Opel-Entwicklungszentrums sollen verkauft werden. 2000 Mitarbeiter wären betroffen. Um dagegen zu protestieren, sind sie nun abermals auf die Straße gegangen.

Erst ist nur der schrille Ton der Trillerpfeifen zu hören. Doch schon bald kommen laute Rufe dazu. Zunächst noch etwas undeutlich, dann immer klarer. „Segula, au revoir“, skandieren hunderte Opel-Mitarbeiter im Chor, als sie bei Tor 20 das Rüsselsheimer Werksgelände verlassen und auf die Mainzer Straße abbiegen. Die gelben Westen der Opelaner und das Blaulicht des Polizeiwagens, der ihnen den Weg freimacht, erhellen die noch halb in der Dämmerung liegende Umgebung.

Ziel des Demontrationszugs ist die Halle K48, wo am Dienstagmorgen eine Betriebsversammlung beginnt. Drängendstes Thema ist die Zukunft des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums (ITEZ). Das soll bis zum nächsten Sommer an den Dienstleister Segula gehen, der wie der neue Opel-Mutterkonzern PSA aus Frankreich kommt. Rund 2000 Ingenieure wären davon betroffen. Ihrem Ärger darüber wollen die Opelaner mit der Demo zum Jahresende noch einmal Luft machen. Die Geschäftsleitung argumentiert, es gebe nicht mehr genügend Aufträge, um alle 7000 Angestellten des Entwicklungszentrums weiter selbst zu beschäftigen.

Lohscheller fehlt

Während die Demonstranten sich dem Ziel nähern, stoßen immer mehr Mitarbeiter dazu. Auf Transparenten, die sie in die Luft recken, steht: „Wir bleiben bei Opel“ und „keine Zerschlagung des ITEZ“. Bei Tor 60 kehren sie aufs Werksgelände zurück, wo sie von jubelnden Kollegen empfangen werden.

In Halle K48 nehmen ungefähr 8000 Menschen an der Betriebsversammlung teil. Nicht dabei: Opels Vorstandsvorsitzender Michael Lohscheller. Stattdessen vertritt Personaldirektor Ralph Wangemann die Geschäftsleitung. Wie Mitarbeiter später berichten, verteidigt er die Pläne, einen Teil des Entwicklungszentrums an Segula zu verkaufen. An den Vorbehalten der Betroffenen ändert das wenig.

Recht auf Rückkehr

Ein seit mehr als zwei Jahrzehnten bei Opel tätiger Designingenieur spricht von einem negativen Gefühl, mit dem er und seine Kollegen aus der Versammlung gegangen seien. „Es kommen nicht alle Fakten auf den Tisch“, beklagt er. Es gebe die Angst, dass das Entwicklungszentrum unter Segula nach ein paar Jahren „an die Wand gefahren“ werde und weniger Geld gezahlt werde. Ein bei Segula garantierter Kündigungsschutz sei nichts wert, wenn es dem Unternehmen nicht gut geht. Daher fordere die Belegschaft das Recht auf eine Rückkehr zu Opel, für den Fall, dass das Entwicklungszentrum bei dem Dienstleister in Schieflage geraten sollte. „Wenn die Geschäftsleitung daran glaubt, dass das Zentrum unter Segula eine Zukunft hat, könnte sie dies zusagen“, sagt der Ingenieur.

So oder so spreche gegen den Verkauf allerdings, dass ein Zweiklassengesellschaft entstehen würde, wenn ein Teil der Ingenieure zu einem Dienstleister ausgelagert wird. „Damit machen wir uns vor der eigenen Haustür Konkurrenz, die als Druckmittel verwendet werden kann“, gibt der Ingenieur zu bedenken. Grundsätzlich sieht er die bereits im Sommer 2017 über die Bühne gegangene Übernahme Opels durch den französischen PSA-Konzern positiv, auch angesichts des aktuellen „Schrumpfkurses“ beim ehemaligen Eigentümer General Motors. Allerdings sollte PSA fair mit seinen Mitarbeitern umgehen. „Das vermissen wir“, sagt er.

Der Betriebsrat, der zur Versammlung eingeladen hatte, will sich selbst nicht äußern. Eine Sprecherin verweist auf Jochen Homburg, bei der Gewerkschaft IG Metall für den Autobauer zuständig. Auch er appelliert an Opel, mit offenen Karten zu spielen. „Wir wollen den Verkauf des Entwicklungszentrums nicht. Wenn es aber dazu kommt, müssen die Rahmenbedingungen passen“, sagt er.

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