Ein Haus mit Strahlkraft: Die Opelvillen beherbergen Kunst, Kultur und Kulinarik gleichermaßen.
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Ein Haus mit Strahlkraft: Die Opelvillen beherbergen Kunst, Kultur und Kulinarik gleichermaßen.

Kultur

„Opel schert sich einen Dreck um Rüsselsheim“

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Opel hat sich aus der Förderung der Opelvillen komplett zurückgezogen. Jetzt fordert die Linke: Der Autokonzern soll aus dem Namen Opelvillen verschwinden.

  • Rüsselsheim (Kreis Groß-Gerau) hadert mit dem Opel-Konzern.
  • Opel fördert die Opelvillen nicht mehr, die Linken wollen deshalb eine Namensänderung.
  • Neuer Name für Opelvillen? Es gibt viel Gegenwind für den Vorschlag.

Rüsselsheim – Eigentlich sollte es eine relativ klare Abstimmung zu einer wichtigen Magistratsvorlage im Kulturausschuss am vergangenen Mittwochabend werden: Nach der Zahlungseinstellung der Adam Opel AG an die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen im Jahr 2018 will die Stadt der historischen und mittlerweile über die Regions-, wenn nicht sogar Landesgrenzen hinaus bekannten Institution langfristig unter die Arme greifen und einen sich jährlich an die Preis- und Personalkostenentwicklungen anpassenden Zuschuss gewähren.

Kuratorin und Opelvillen-Vorstand Beate Kemfert hielt einen Vortrag, der noch einmal die Relevanz der Arbeit der Stiftung und generell der Opelvillen für die Stadt untermauerte, und auch die Ausschussmitglieder äußerten allesamt ihr Wohlwollen der Vorlage gegenüber.

Rüsselsheim: Profitiert Opel vom Namen der Opelvillen?

Als großer Diskussionsanlass erwies sich allerdings ein Änderungsantrag, den die Linke/Liste Solidarität am Mittwochmittag vorgelegt hatte. Darin plädiert die Linke für eine Änderung des Namens „Opelvillen“ zu „Rüsselsheimer Villen am Main“. In der Begründung dazu verwies die Fraktion auf die Strahlkraft der Arbeit der Opelvillen, aufgrund deren Namen aber auch die Firma Opel davon profitierte. „Das ist eine Unverschämtheit“, so Karl-Heinz Schneckenberger (Linke/Liste Solidarität). Der Imagegewinn sei der Firma gut genug, finanziell wollte sie sich aber nicht beteiligen.

Opel hatte sich im vergangenen Jahr aus der finanziellen Förderung für die Stiftung Opelvillen gänzlich zurückgezogen. Während das Unternehmen im Jahr 2002 noch rund 128 000 Euro zugezahlt hatte, betrug der Zuschuss zuletzt nur noch 40 000 Euro, bevor er ab 2019 ganz entfallen war. Diese Lücke will die Stadt, die verpflichtet ist, für das Gebäude und das kulturelle Angebot aufzukommen, mit einem höheren Zuschuss schließen.

Rüsselsheim: Opelvillen als Teil der „Lokalgeschichte“

Grundsätzlich stimmten viele Ausschussmitglieder der Tatsache zu, dass die Opel-Angelegenheit bedauerlich sei. „Das ist schon traurig“, sagte Wilfried Hauf (SPD). Auch Jo Dreiseitel (Grüne) sprach von einem „skandalösen Vorgehen“, Matthias Metz (CDU) von „enttäuschendem Verhalten“. Die Namensänderung allerdings empfanden die meisten als nicht zielführend. „Die Opelvillen gehören zur Lokalgeschichte“, sagte Christian Torsten Otto (FDP). Außerdem sei der Begriff bei den Bürgern und natürlich in der Kunstszene verankert, sagten Hauf und Metz. Olaf Kleinböhl (SPD) sprach von einer identitätsstiftenden Bezeichnung, der die Stadtgeschichte dokumentiere. Opel, argumentierte Ullrich Biedert (Unabhängige Liste), gehöre zudem einfach zu Rüsselsheim. Christian Vogt meinte: „Die Opelvillen sind ein Sinnbild für die gute Arbeit der Stiftung.“ Der Name sei ein wichtiges, nicht austauschbares Moment.

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Neuzugang im LABOR 🎨 Wir heißen Max Geisler @max.geisler_ herzlich im LABOR willkommen! Der Künstler ist vor Kurzem im Gastatelier der Opelvillen eingezogen und wird es bis Mitte Oktober als Arbeitsraum nutzen. Der 1990 in Frankfurt am Main geborene Max Geisler hat von 2009 bis 2018 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert und dort sein Diplom im Fachbereich Kunst bei Prof. Gunter Reski und Prof. Dr. Christian Janecke gemacht. Werke des Künstlers waren bereits in mehreren Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Türkei zu sehen. Er plant, das LABOR aktiv als Atelier zu nutzen und möchte zum Ende seines Aufenthaltes die dort entstandenen Arbeiten in einer Ausstellung in Form einer »installativen Mischform an ortsspezifischen Raumarbeiten und Malereien« präsentieren. Der Termin hierfür wird noch bekanntgegeben. Bildnachweis: © Max Geisler #opelvillen#labor#laboropelvillenr#rheinmain#frankfurt#förderung#junger#künstler#upcomingartist#youngartist#contemporaryart#maxgeisler

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Otto gab weiterhin zu bedenken, dass eine Namensänderung erhebliche bürokratische Aufwände mit sich bringe. Auch der Name der Stiftung müsse geändert werden.

Für Schneckenberger änderte dies alles nichts: „Opel schert sich einen Dreck um Rüsselsheim“, sagte er. Die Idee, einen anderen Sponsor zu finden, dessen Namen gegebenenfalls verwendet werden könnte, stieß auf wenig Zuspruch. In einigen Jahren stünde man im schlimmsten Fall dann wieder vor dem gleichen Problem.

Rüsselsheim: Bürgermeister spricht sich gegen Namensänderung der Opelvillen aus

Über Diskussionsumfang und -tiefe zeigte sich Beate Kemfert verwundert. "Ich bin ehrlich gesagt geschockt, dass der Antrag das Verfahren so aufhält." Zuvor hatte die WsR-Fraktion Beratungsbedarf ob des Änderungsantrages angemeldet, der eine Abstimmung über die gesamte Vorlage am Abend unmöglich machte.

Kemfert selbst habe von dem Änderungsvorschlag erst direkt vor der Sitzung erfahren. "Wir müssten das auch erst mal im Stiftungsrat diskutieren", sagte sie sichtlich außer Fassung. Kulturdezernent Grieser (Grüne), der ebenfalls Stiftungsratsmitglied ist, sprach sich direkt dagegen aus. "Ich empfehle keine Namensänderung", so der Bürgermeister. (Von Stella Lorenz)

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