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Geben sich optimistisch: Udo Bekker (links), Personalchef von Segula, und Martin Lange, der Deutschland-Chef des Unternehmens.

Französische Ingenieurdienstleister

Opel: Segula wirbt jetzt erst recht um Mitarbeiter an seinem neuen Standort

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Tag eins nach der Einigung zwischen Opel und der Arbeitnehmervertretung: Der Deutschland-Chef von Segula beschwört den Reiz des Neuen für künftige Mitarbeiter. Sein Personalchef lässt hingegen bei einem Ortstermin das magische Wort fallen: Flächentarifvertrag.

Rüsselsheim - Lange ging es unter anderem darum: Welche Bedingungen wird das französische Unternehmen Segula, das in Deutschland Fuß fassen möchte, beim Übergang von Opel-Mitarbeitern stellen? Den Flächentarifvertrag wird es geben, legte sich gestern Segula-Personalchef Udo Bekker fest. Möglichst schnell wolle man sich mit der Gewerkschaft der hessischen Metall- und Elektroindustrie einigen. Bekker betonte gestern bei einem Pressegespräch in Rüsselsheim auch noch einmal, dass selbstverständlich auch Kündigungsschutz und Arbeitsplatzsicherung bis 2023 gelten würden.

Wird Segula am Ende aber überhaupt genügend Mitarbeiter haben, um das Geschäft von Rüsselsheim aus aufzubauen, lautet eher die Frage seit Mittwoch. Das französische Familienunternehmen will mit den Opel-Ingenieuren zu einem „Generalentwickler für Fahrzeuge aufsteigen“. Deutschland-Chef Martin Lange gab sich gestern demonstrativ optimistisch: „Eindeutig ja“, sagte er.

Option Abfindung

Nach der Einigung von Opel mit dem Betriebsrat am Mittwoch können Beschäftigte wählen, ob sie zu Segula wechseln oder die Firma komplett verlassen. Dafür hat Opel auch neue Programme für Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit aufgelegt. Der ursprüngliche Plan, 2000 Leute an Segula abzugeben, war damit gescheitert.

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Das Vorruhestands- und Altersteilzeitangebot richtet sich an die Jahrgänge bis 1963. Rein rechnerisch könnten nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Unternehmenskreisen mehr als 1200 der noch rund 6400 verbliebenen Opelaner im Entwicklungszentrum davon Gebrauch machen. Hinzu kommt vor allem für jüngere Beschäftigte die Option, eine Abfindung anzunehmen. „Warum nicht gemeinsam eine Zukunft gestalten, als einfach eine Abfindung anzunehmen“, entgegnete Martin Lange gestern, der wie Personalchef Bekker schon viel früher mit dem Aufbau des „Engineering-Campus“ in Rüsselsheim begonnen hätte.

Langsame Mühlen

Doch die Mühlen mahlen hier etwas langsamer, mussten sie feststellen. Obwohl das Unternehmen einen „langen Atem“ mitbringe und sich drei Jahre für den Aufbau und zwei weitere Jahre für eine weitere „Entwicklunsphase“ Zeit nehme. Immerhin gebe es schon ein Rekrutierungsbüro, das Unternehmen sei mittlerweile auf 40 Mitarbeiter angewachsen. Es gebe externe Bewerber. Viele weitere Gespräche seien mit Opel-Ingenieuren geführt worden, darunter auch lockere Einzelgespräche, sogenannte Coffee-Talks. Mit einigen Mitgliedern aus der Führungsebene habe man Vorvereinbarungen treffen können. „Es läuft sehr gut“, sagt Bekker. „Keineswegs ablehnend“, wie Martin Lange ergänzt, der damit auf die IG-Metall-Plakate anspielt. Segula? Nein danke!, steht da drauf. Für ihn müsste es heißen: Segula? Ja bitte! Die Grundbedenken seien ausgeräumt, die Zeit der Ungewissheit vorbei. Eine Entscheidung dürfte jetzt nicht mehr so schwierig sein.

Ein großer Vorteil

Einen großen Vorteil sieht Segula darin, dass das Unternehmen in Rüsselsheim die Infrastruktur gleich mitübernehmen werde. Eine Fläche von 70 000 Quadratmetern auf dem Opel-Gelände wird Segula kaufen, darunter mehr als 20 Gebäude mit Büros, aber auch Labors. Die künftigen Kollegen würden so in ihrem gewohnten Umfeld arbeiten. Dazu fungiert Segula auch als Betreiber des Testzentrums in Dudenhofen, das aber im Besitz von Opel bleibe. Den Kunden könne man so ein ganzes Paket der Entwicklung vom Reißbrett bis zur Zulassung anbieten. Namhafte Hersteller aus Deutschland und auch Asien hätten Interesse bekundet. Erste Testfahrten werden derzeit in Dudenhofen schon für Segula-Aufträge durchgeführt.

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