Hier kommt das Schild hin: 

Sportkreisvorsitzender Wolfgang Glotzbach, Klaus Franz, ehemaliger Opel-Gesamtbetriebratsvorsitzender und Freund des Vereins sowie Jürgen Gelis, erster Vorsitzender SC Opel, (von links) schrauben es fest.
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Hier kommt das Schild hin: Sportkreisvorsitzender Wolfgang Glotzbach, Klaus Franz, ehemaliger Opel-Gesamtbetriebratsvorsitzender und Freund des Vereins sowie Jürgen Gelis, erster Vorsitzender SC Opel, (von links) schrauben es fest.

Vereinsleben

Der SC Opel setzt ein Zeichen

Beim Sportclub Opel Rüsselsheim ist „Kein Platz für Rassismus“. Eine Tafel mit dieser Aufschrift wurde am Mittwoch am Clubhaus angebracht. Zugleich feierte der Verein seinen 109. Geburtstag.

Von DIRK WINTER

„Ich weiß nicht, ob am 12. August 1906 auch so ein sonniges Wetter war wie heute“, sagte Jürgen Gelis: „Aber ich weiß, dass an diesem Tag der Sportclub Opel gegründet wurde.“ Der SCO-Vorsitzende sprach gleich in seinen einleitenden Sätzen zwei der Themen an, die seine Zuhörer auf der Clubhaus-Terrasse bewegten: Der laue Sommerabend und der 109. Geburtstag des Vereins, der am Mittwoch in gemütlicher Runde gefeiert wurde.

Aber es gab noch einen weiteren Anlass für diese Zusammenkunft: Vor vier Jahren entschied sich der SCO-Vorstand, der Initiative „Kein Platz für Rassismus“ beizutreten. Ein Schild mit dieser Aufschrift wurde am früheren Vereinsheim am Ostpark aufgehängt. Nun, nachdem der SC Opel auf das ehemalige Stadionbad-Gelände umgezogen ist, erneuerte der Club sein Bekenntnis zu Respekt und Toleranz. Der Vorsitzende des Sportkreises Groß-Gerau, Wolfgang Glotzbach, hatte ein neues Anti-Rassismus-Schild mitgebracht, das feierlich am Clubhaus angebracht wurde.

Die Anfänge noch als „Borussia“

Nach dem offiziellen Teil blieb viel Zeit, über alte und neue Zeiten zu plaudern. Der SC Opel, der erst seit April 1928 so heißt, ist schließlich der viertälteste Fußballklub im Kreis Groß-Gerau. Gelis zitierte aus der Vereinschronik, wonach der Verein einst in der Gaststätte „Hänschens Peter“ (die heute „Zur Linde“ heißt) als Sport Club Borussia 06 Rüsselsheim gegründet worden sei.

Als Gast der Geburtstagsfeier zollte Klaus Franz, früherer Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Adam-Opel-AG, dem SCO Respekt für seine Haltung, sich klar für Toleranz und Freundschaft unter Menschen unterschiedlicher Nationalität, Kultur und Herkunft zu bekennen. Für Gelis eignet sich der Sport, insbesondere das weltweite Massenphänomen Fußball, in geradezu idealer Weise, um Menschen zusammenzubringen.

Klaus Franz stimmte zu: Während seiner Zeit bei der Adam-Opel-AG habe er beobachtet, dass am Arbeitsplatz, ebenso wie beim gemeinsamen Sporttreiben, die kulturelle Identität des Einzelnen kaum eine Rolle spiele. Die Mitglieder der Gruppe müssten zusammenwirken, jeder müsse sich auf den anderen verlassen können. „Da wird sogar von solchen Arbeitskollegen Solidarität gelebt, die vielleicht am Stammtisch ganz andere Sprüche drauf haben“, sagte der 63-Jährige. Und so sei es eben auch beim Sport, den Franz „einen der wesentlichen Hebel für die Integration“ nannte.

120 Nationen in einer Stadt

In Rüsselsheim gelinge das Zusammenleben der Menschen aus mehr als 120 Nationen, weil es ein Verständnis dafür gebe, dass Integration nicht Assimilation bedeute. Dass niemand also seine kulturelle Identität aufgeben müsse. Integration bedeutet nach Franz’ Verständnis, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen. „Aber auf der anderen Seite dürfen wir die Migranten auch nicht idealisieren“, sagte Franz.

Ausgerechnet dort, wo der Ausländeranteil sehr gering ist, seien Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zum Teil besonders stark verbreitet. Klaus Franz denkt dabei an Regionen im Osten Deutschlands. Dass das in Rüsselsheim anders sei, dazu trägt nach Franz’ Verständnis auch die Anti-Rassismus-Aktion des SC Opel bei. Wolfgang Glotzbach betonte aber, das jetzt angebrachte Schild sei lediglich ein Symbol. Toleranz müsse Tag für Tag gelebt werden. Und dies geschehe beim SC Opel.

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