Schleuse und Labor

Opelvillen: Wegweisende Räume für junge Kunst

Drei spannende Wege zur Kunst stehen in den Opelvillen offen: Neben den Haupträumen, die jeweils außergewöhnliche Aspekte renommierter Kunst der Moderne nahebringen, sind Schleuse und Labor faszinierende Räume für Nachwuchskunst.

„Hier soll Kunst Platz finden?“ Zweifel am Gelingen des Konzepts zur Förderung junger Kunst in der architektonisch schmalen Schleuse hatte die Kuratorin der Opelvillen, Beate Kemfert, 2005 rasch ausgeräumt: Seit zwölf Jahren ist der Ort ein renommierter Platz für Nachwuchskünstler.

Damals nämlich entstand Kemferts Konzept zur Nutzung jenes Zwischenraums, der die Haupträume der Opelvillen mit der angrenzenden Gastronomie wie eine Brücke verbindet. Ein gläserner Quader, der schmal aufragt, sorgt für markanten Lichteinfall. Manchem mochte dieser korridorartige Raum zunächst sperrig und wenig attraktiv erscheinen.

Doch Kemfert, seit 2003 Kuratorin, erkannte schnell die Möglichkeit, ihn durch Kunst zu beseelen. Sie sagt: „Die Schleuse hieß damals Spielraum und wurde von der Kinderkunstwerkstatt genutzt.“ Workshops für junge Besucher, geleitet von Kunststudenten, gibt es noch heute, und sie sind zunehmend gefragt.

Zugleich aber wurde der Spielraum als Ausstellungsplattform für Kunststudenten und Künstler am Anfang ihres Wegs, die hier die Chance einer ersten Einzelausstellung haben, großartig aufgewertet.

„Andrei Koschmieder, Förderstipendiat der Stadt 2006, war impulsgebend. Er ist der Namensgeber der Schleuse, stellte als erster Künstler 2005 aus“, so Kemfert. Heute lebe er in der Megametropole New York und präsentiere seine Werke in großen Galerien.

„Viele junge, studierende Künstler, die den spannenden, aber nicht leicht zu belebenden Raum als Forum nutzten, nehmen jetzt am internationalen Kunstgeschehen teil – Anne Imhoff etwa, die 2012 hier war, oder die Bildhauerin Lena Henke, die 2008 ausstellte“, so Kemfert mit stolzer Freude. Die Schleuse als Verbindung zwischen Hauptausstellung und Nachwuchskunst stelle auch ideell eine Verbindung zwischen Hochschule und freier Künstlerschaft dar.

Kuratiert werden die Ausstellungen der Schleuse von Studenten der Kunstgeschichte, die im Austausch mit Kemfert jeweils eine oder mehrere Installationen begleiten und dem Publikum vermitteln. „Diese Vermittlung, die an unseren roten Faden anknüpft, nämlich Kunst von der klassischen Moderne bis heute mit Schwerpunkt Fotografie faszinierend und verständlich zu präsentieren, ist zentrales Anliegen des jeweiligen Teams“, so Kemfert.

Die Zahl der Bewerbungen für die Schleuse sei groß. Die Auswahl trifft sie zusammen mit den Schleusen-Kuratoren, Vertretern von Kultur 123, Vorsitzenden des Stiftungsrats Opelvillen sowie der Künstlervereinigung Malkasten. Susanne Schmitt, Kunststudentin aus Berlin mit Schwerpunkt Bildhauerei, stellt aktuell erstmalig in der Schleuse aus, richtet die Installation aus Teppichen, Keramiken und Fotografien passgenau auf den Raum aus.

Neben dem Hauptportal der Opelvillen gibt es noch einen weiteren Weg zur Kunst, der so bescheiden wirkt, dass er leicht für den Abstieg in Kellerräume gehalten werden könnte. Über steinerne Stufen geht es ins Labor. Beate Kemfert schließt die Tür zum spartanischen Raum auf, der indes abenteuerlichen Freiraum des Experimentierens bietet. „2009 wurde das Labor auf Initiative unserer Gastkuratorin Jutta Stocksiefen als unabhängig vom Haupthaus zu nutzender Raum für Studierende initiiert“, erzählt sie.

Städelschüler Max Brand war der erste Künstler, der für Wochen oder Monate hier arbeitete. „Teils zeigen sie Arbeiten in einer Ausstellung, teils suchen sie die Ruhe, um Neues auszuprobieren“, so Kemfert. Zuletzt war es Verena Erfle, die hier arbeitete, von Juni bis August folgt ihr Rachel von Morgenstern. Von vielen Kunsthäusern gibt es lobende Rückmeldung für die Bereiche der Kunstförderung in den Opelvillen: Hier passiere Wegweisendes, heißt es.

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