Natürlich gibt es noch etwas zu hören und zu sehen: Nach dem eher förmlichen Teil der Urkundenübergabe zeigten die Königstädter Hofkonzerte mit einer kleinen Szene, welches Anliegen sie mit ihrer Arbeit anstreben. FOTO: susanne rapp
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Natürlich gibt es noch etwas zu hören und zu sehen: Nach dem eher förmlichen Teil der Urkundenübergabe zeigten die Königstädter Hofkonzerte mit einer kleinen Szene, welches Anliegen sie mit ihrer Arbeit anstreben.

Auszeichnung

"Ortsgeschichte lebendig erzählt"

  • VonDr. Susanne Rapp
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Kulturpreis der Stadt für die Königstädter Hofkonzerte

Königstädten -Keine Kostümierung, keine Requisiten, kein hessisches Gebabbel. Nein, die Königstädter Hofkonzerte können auch seriös und Hochdeutsch, wenn es drauf ankommt. So etwa, wenn es darum geht, den Kulturpreis der Stadt Rüsselsheim 2020 überreicht zu bekommen.

So geschehen am Samstag im Kaisersaal der Gaststätte "Zur Krone". Ein wenig beschwingten Jazz gab es gleich beim Reinkommen durch die Kombo "hot four" und die Wände des Saals waren mit vielen farbenfrohen Plakaten geschmückt, die eine ungefähre Vorstellung davon gaben, was der Verein schon alles auf die Beine gestellt hat. Alle im typischen Stil eines Bengt Fosshag illustriert.

Zahlreich waren Vereinsmitglieder erschienen und auch die Politik zeigte sich, wie das nun einmal bei solchen Festivitäten der Fall ist. Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) hielt eine Laudatio, in der er berichtete, dass der Verein sich die Verwurzelung von Kunst, Kultur und Brauchtum in seinem Ortsteil auf die Fahne geschrieben hat.

Nudelsingen und Weinabende

Grieser sprach von dem großen Einfallsreichtum des Vereins, wenn es darum gehe, neue Formate zu entwickeln, und nannte als Beispiel das Nudelsingen oder die Weinabende am Wiegehäuschen. Grieser lobte die Theaterstücke, für die zunächst Ilse David und später Judith Kähler-Wehrum Regie führte. Er sprach von gemeinsamem Engagement und hoher Qualität, mit der die Hofkonzerte den Bürgern ihre Heimat und ihre Geschichte näher bringen. Ortsgeschichte lebendig erzählt. Dann bekam der Vorsitzende Andreas Beckhaus die Urkunde überreicht. War es das schon? Keine kleine, aber feine Aufführung?

Weit gefehlt. Natürlich gab es noch etwas zu hören und zu sehen, das einmal mehr den niveauvollen Witz und die Nähe des Vereins zu seinem Ort bewies. Helga Schug, die ehemalige Ortsvorsteherin Königstädtens berichtete geradeheraus und ganz ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wie es mit den Hofkonzerten damals vor mehr als 20 Jahren angefangen habe.

Der erste Kultursommer, bei dem alle Veranstaltungen nur in der Rüsselsheimer Innenstadt ausgerichtet wurden und Ortsteile vollkommen ignoriert wurden. Dann startete die UKL (Unabhängige Königstädter Liste) eine Vortragsreihe als kulturelles Angebot. "Rüsselsheim sah dies mit Argwohn", so Schug.

Es gab sogar Versuche, dem Ortsbeirat als Ausrichter die Vorträge zu untersagen. Dies führte schließlich zur Gründung der Königstädter Hofkonzerte. Dass der Plan, kulturelle Angebote im Ort anzubieten und das sehr erfolgreich, aufgegangen sei, habe sich, so Schug, sogar schon bis ins Rüsselsheimer Rathaus herumgesprochen.

Thomas Siegenthaler, der ehemalige Pfarrer des Ortes und Akteur in manch einer Theateraufführung der Hofkonzerte, schien noch einmal eine Art Predigt zu halten, als er mit viel Gestik und lauter Stimme den Verein als einen Ort bezeichnete, an dem Begegnungen auch über Generationen hinweg stattfänden.

"Sie bringen Menschen zusammen aus ganz verschiedenen Lebenssituationen", so Siegenthaler. Jung und Alt finden einen spielerisch lebendigen Bezug zur Geschichte, die durch die Theaterstücke konkret und erlebbar werde.

Die Theaterstücke hätten dabei geholfen, Dinge zu verarbeiten, über die oft nie gesprochen wurde, so der Pfarrer im Ruhestand.

In breitem Hessisch

Wohl am treffendsten formulierte Ilse David mit ihren unverwechselbaren Reimen und selbstverständlich in breitestem Hessisch das, was die Theateraufführungen der Hofkonzerte tun, wenn sie in die Vergangenheit zurückkehren und mit dem Wissen der "Alten" der nächsten Generation ihre Geschichte nahebringen. "Wir nennen Namen, die Keiner mehr nennt, und erinnern an Menschen, die niemand mehr kennt, die die Bäume gepflanzt haben unter Schwitzen, in deren Schatten wir heute sitzen." Bengt Fosshag begann seine Grußworte mit dem Satz "Ich bin kein Mann des Wortes" und erzählte, wie es dazu kam, dass er die Plakate für die Theaterstücke illustrierte. Eigentlich seien ja immer schon die Karten für die Stücke ausverkauft, noch bevor es zur Plakatierung käme, berichtete er weiter. Aber immerhin würden alle, die mitmachten, ein Plakat zur Erinnerung bekommen. Und da ein wenig Theater einfach dazugehört, führten am Ende Andreas Beckhaus und Alex König noch einmal eine Episode aus dem im Sommer aufgeführten Theaterspaziergang auf, bei dem es um den weltberühmten Königstädter Philipp Völker ging, der auf der ganzen Welt Brücken baute und den Kaisersaal, in dem die Hofkonzertler feierten. susanne rapp

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