Bauprojekt

Parken auf Holz

In der Robert-Bunsen-Straße baut die Gewobau ein neues Parkdeck. Ungewöhnliche Materialien und innovative Konzepte steigern die Energieeffizienz der Immobilie.

Mitten Wohngebiet des Dicken Buschs zeigen ein Berg von ausgehobener Erde und ein riesiger Kran, umringt von Hochhäusern eine Baustelle an. Zwischen Hausnummer 29 und 31 der Robert-Bunsen-Straße entsteht derzeit ein Parkdeck mit zwei Ebenen. Der in den siebziger Jahren aus Beton gebaute Vorgänger wies starke Schäden durch defekte Abdichtungen und Tausalze auf, die so gravierend waren, dass ein Abriss nötig wurde.

Nun entsteht hier das erste von vier Parkdecks in der Straße. Nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht die Entscheidung, ein besonderes Material zu verwenden. Träger aus Stahl bilden die Basis. Alles andere wie die Fassade, der Boden des oberen Geschosses und das Dach werden aus Holz gebaut. Genauer gesagt, es handelt sich um „Brettschichtholz“, einer Mischung aus verschiedenen Holzarten wie Fichte und Tanne. Das mehrere Zentimeter dicke Holz ist mit einem „konstruktiven Holzschutz“ imprägniert, da es nicht direkt „beregnet“ wird.

Alles Fachbegriffe der Branche, die aber noch keine Erklärung für die wichtigste Fragestellung geben. Warum Holz? Und ist das Material nicht eher für Hütten in den Wäldern Kanadas geeignet als für eine Parkanlage mitten in Rüsselsheim?

Bauleiterin Olga Lang erklärt die Sache pragmatisch. Beton hält etwa 20 Jahre. Holz 50 und mehr Jahre. Viele Betonklötze, wie sie in den 70er Jahren entstanden, sind mehr oder weniger baufällig. Der Bau mit Holz ist eine auf Energieeffizienz zielende Lösung. Die Immobilie fand auch besondere Aufmerksamkeit bei „Immonetzwerk“, einem Zusammenschluss von Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Energiewende voranzutreiben.

Neben dem regenerativen Baustoff Holz wird LED-Technik in der Beleuchtung eingesetzt und die Breite der Parkplätze, die in alten Parkanlagen noch bei 2,30 Metern lag und für heutige Autoabmessungen viel zu schmal ist, wird auf 2,50 Meter erweitert. Das bewirkt, dass statt bislang 120 Parkplätze nur noch 93 Stellplätze in Parkdeck Nummer vier vorhanden sein werden. Die fehlenden Stellplätze werden beim Bau von Parkdeck sechs, das als Nächstes gebaut wird, wieder kompensiert.

Eine weitere Innovation ist die Schaffung der technischen Voraussetzungen für vier E-Ladestationen in Parkdeck vier. Zwei Anfragen wegen E-Mobilität habe es schon gegeben, sagt Torsten Regenstein, Geschäftsführer der Gewobau. Er sehe nicht, dass die Nachfrage explodieren werde. „Doch wollen wir vorbereitet sein.“ Bis Mitte des Jahres wird das erste Parkdeck, für das die Holzmodule noch vor Ostern geliefert und teils verbaut wurden, fertig sein.

Rund zwei Millionen Euro kosteten Abriss und Neubau des Parkdecks. Mit inbegriffen ist auch die Verschönerung der Außenanlage. Für den Abriss musste vieles gerodet werden. Das Parkdeck wird eine neue Einfahrt bekommen, mehr Fahrradabstellplätze, Sitzbänke und ein Bodentrampolin als Spielgelegenheit sind geplant. Die Begrünung der Dächer und teilweise auch der Fassaden soll dazu beitragen, das Mikroklima im Quartier zu verbessern.

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