Parteien bedauern Ende des Ausländerbeirats

Es gibt keinen Ausländerbeirat mehr. Nach 22 Jahren löste sich das Gremium bei seiner letzten Sitzung auf. Vorsitzender Adil Papak bedauerte das Scheitern an formaler Hürde.

Groß-Gerau. Sieben Bewerber wies die Liste zur Ausländerbeiratswahl für die nächste, fünfjährige Legislaturperiode aus, die Vorsitzender Adil Papak fristgerecht bei der Stadt eingereicht hatte. „Ich hätte auch 15 Leute gefunden, doch ich war sicher, dass noch andere sich bewerben würden, um in unserem Gremium mitzumachen“, sagte Papak. Bei der letzten Ausländerbeiratssitzung 2015 aber wurde der Ausländerbeirat der Kreisstadt aufgelöst, denn letztlich hatte Papak sich geirrt.

Unerwartet für ihn lief die Frist ab, ohne dass andere Bürger seinem Beispiel durch Einreichung ihrer Kandidatur gefolgt wären.

Neun Namen mindestens hätten vorliegen müssen, um das Weiterbestehen des Ausländerbeirats durch eine neue Wahl zu gewährleisten. Es folgte das Ende eines Zusammenschlusses, der mit Bürgersprechstunden, individueller Hilfe sowie Teilhabe an Stadtparlamentssitzungen und Großveranstaltungen Zeichen setzte.

Zeichen zumal für all die Bürger anderer Kulturen, für Migranten und Flüchtlinge. „Wir waren Ansprechpartner. Wie oft klingelte mein Telefon und ich wurde um Hilfe gebeten – sei es bei Behördengängen, bei Schlichtungen und vielem mehr. Das meiste taucht nirgendwo in den Protokollen auf“, sagte Papak. Fünf Jahre war er Vorsitzender des Gremiums, hatte davor die Stellvertretung inne und war auch vor 22 Jahren dabei, als der Ausländerbeirat gegründet wurde.

Er und seine Kollegen zogen traurige, aber positive Schlussbilanz. „Die Arbeit im Ausländerbeirat ist Teil von mir geworden. Wer aktiv war, wird es auch weiterhin bleiben – vielleicht in anderer Form“, so Papak. Er dankte dem Magistrat sowie Bürgermeister Stefan Sauer (CDU) und seinen beiden Amtsvorgängern in Abwesenheit für die Unterstützung. „Wären wir besser organisiert gewesen, hätten wir es auch jetzt wieder geschafft“, merkte indes ein Ausländerbeiratsmitglied kritisch an. Insgesamt aber seien es auch für ihn „schöne und lehrreiche Jahre gewesen“. Der Mann fügte hinzu: „Manchmal muss man etwas beenden, um Neues wahrzunehmen.“

Neben Bürgermeister Sauer dankten Stadtverordnetenvorsteher Christian Wieser (CDU), sein Stellvertreter Klaus Meinke (SPD) und der Ehrenamtliche Stadtrat Albert Weiß (CDU) dem Ausländerbeirat. „Sie stehen beispielhaft für gelungene Integration. Sie kennen sich aus in den Strukturen der Stadt, kennen die maßgeblichen Anlaufstellen für Bürger und Migranten. Ich bin sicher, Sie werden sich auch weiter einbringen. Die geknüpften Kontakte bestehen“, sagte Sauer. Und Albert Weiß meinte resolut, aber herzlich: „Ihr seid ja nicht aus der Welt. Meckert nicht, blickt nach vorn. Wie schnell sind fünf Jahre rum. Dann könnte es weitergehen.“ cma

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