Lesung

Paul Maar zieht die Kinder mit Stift und Papier in seinen Bann

Der Erfinder des Sams, Paul Maar, war am Montagvormittag in der Immanuel-Kant-Schule zu Gast. Der erfolgreiche Kinderbuchautor bot den Schülern der fünften Klassen eine unterhaltsame Lesung mit Illustrationen, Gedichten und Texten.

Die Schüler der fünften Klassen der Immanuel-Kant-Schule sind ganz aufgeregt, als sie nach der großen Pause in die Aula laufen. Die meisten von ihnen kennen den berühmten Kinderbuchautor, der ihnen heute in ihrem Gymnasium aus seinen Büchern vorlesen wird. „Eigentlich muss man unseren heutigen Gast gar nicht vorstellen“, meint auch Schulleiter Rainer Guss zur Begrüßung. „Ich hätte fast Herr Sams gesagt“, stellt Guss lachend fest. „Ihr habt ja alle schon einmal von Paul Maar und seinem Sams gehört.“

Von der ersten Sekunde seiner interaktiven Lesung an stellt Paul Maar eine enge Verbindung mit seinem jungen Publikum her. Im Vorgespräch gibt der Autor zu, dass er ohnehin lieber vor Kindern als vor Erwachsenen lese, denn Kinder forderten ihn mehr und es sei viel schwerer, die Aufmerksamkeit der Kinder zu behalten. „Die Kinder zeigen mir sofort, wenn ihnen langweilig wird, deshalb muss ich mit ihnen die ganze Zeit über in Kontakt bleiben.“

Und das tut Paul Maar. Es mache ihm sogar richtig viel Spaß, sagt der Autor. Er erzählt den Schülern, dass er zwei Berufe habe. Den des Autors und den des Illustrators. „Und jetzt stelle ich mich euch mit zwölf Bildern vor“, kündigt er an und beginnt damit, eine Maus auf ein Flipchart zu zeichnen.

Dann malt er einen Elefanten, einen Igel, ein Nashorn, ein Nilpferd, einen Affen, einen Maulwurf, einen Esel, einen Pilz, ein Auto, eine Uhr und einen Löwen. Zu einigen der Tiere und Objekte sagt der Autor, während er zeichnet, ein Gedicht auf: „Das Tier, das wäre doppelt nett, wenn es doch keine Stacheln hätt’.“ Schnell erraten die Kinder jedes Mal, was Maar gerade zeichnet. Oder er dichtet: „Steht ein Nilpferd nachts am Nil, sieht es von dem Nil nicht viel.“

„Meine Zeichnungen sind auch eine Geheimschrift“, verrät Paul Maar dann. „Er hat gesagt, das ist eine Geheimschrift“, raunt es aufgeregt durch die Reihen der Kinder. Paul Maar hat ihre volle Aufmerksamkeit. „Erkennt ihr, was ich geschrieben habe“, fragt der Autor in die Runde. „Man muss immer den ersten Buchstaben des Tieres nehmen“, weiß ein Schüler in der vierten Reihe. „Maus beginnt mit einem M. Elefant mit einem E und so weiter“, erklärt der Junge stolz. „Genau“, lobt Paul Maar. „Also habe ich in meiner Geheimschrift gezeichnet: M-E-I-N N-A-M-E P-A-U-L.“ Um den Satz zu vervollständigen fügt der 80 Jahre alte Kinderbuchautor ein „ist“ und seinen Nachnamen „Maar“ hinzu. Die Kinder sind begeistert.

Paul Maar liest auch aus zwei seiner Bücher vor. Dabei wählt er Gedichte und Geschichten aus. „Das große Buch des Paul Maar“ und „Schiefe Märchen, schräge Geschichten“ aus. Er trägt unter dem Gelächter der Kinder das Gedicht „Affen“ und einen Vers über deutsche Städte vor, das zum Erstaunen der Fünftklässler mit der Kleinstadt „Katzenellenbogen“ endet. „Die Stadt gibt’s wirklich“, stellt Maar fest. „Die habe ich im Atlas gefunden.“

Auch die Geschichte von Herrn Lambert und Herrn Lobesang nehmen die Kinder interessiert zur Kenntnis. Als Paul Maar die Erzählung von den großen Männern vorliest, die in Rüsselsheim geboren wurden und sein Protagonist feststellt, dass in Rüsselsheim keine großen Männer geboren wurden, „weil sie alle ganz klein auf die Welt gekommen sind“, klatschen die Schüler begeistert in die Hände.

Für Paul Maar ist die Lesung an der Immanuel-Kant-Schule nicht der einzige Auftritt an diesem Tag in der Region. Am Abend liest er in der Villa Herrmann in Gustavsburg Erwachsenen aus seinem Buch „Das fliegende Kamel“ vor. Dabei wird er von den türkischstämmigen Musikern Fatma und Matin Yildiz unterstützt.

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