Pfingstgottesdienst in mehreren Sprachen: Die Gesangseinlagen für den Pfingstgottesdienst wurden vorher aufgezeichnet, die Gespräche sind live und digital.
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Pfingstgottesdienst in mehreren Sprachen: Die Gesangseinlagen für den Pfingstgottesdienst wurden vorher aufgezeichnet, die Gespräche sind live und digital.

Kirche

Pfingsten verbindet Christen in Rüsselsheim mit der ganzen Welt

  • VonDr. Susanne Rapp
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Rüsselsheim: Partnerschaftskomitee Gwangju und Korea-Ausschuss feiern gemeinsamen Gottesdienst zu Pfingsten.

Rüsselsheim -Seit vielen Jahren gibt es Kontakte zwischen evangelischen Christen in Deutschland und Südkorea. Vergangenen Sonntag trafen sich Mitglieder der Korea-Partnerschaft der Dekanate Dreieich-Rodgau und Groß-Gerau-Rüsselsheim mit Freunden der Presbyterianischen Kirche in Korea (PROK) zu einem digitalen Pfingstgottesdienst.

Die im Süden des Landes gelegene Propstei Gwangju und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) verbindet seit mehr als 30 Jahren eine Partnerschaft. Der Austausch ist rege, die Kirchenmitglieder besuchen sich regelmäßig gegenseitig. Nicht nur der Glaube verbindet. Korea ist wie einst Deutschland ein getrenntes Land, dessen Menschen sich nach Wiedervereinigung sehnen. Zuletzt gedachten die Kirchengemeinden 2020 mit einem Video-Gottesdienst dem sich zum 40. Mal jährenden Aufstands gegen die Militärregierung in Gwangju.

1986 entstand diese Kirchenpartnerschaft, die das Streben nach Demokratie unterstützen sollte. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Wunsch, sich kennen zu lernen und sich darüber auszutauschen, wie der Glaube das eigene Leben und das Miteinander prägt. Auch wollen sich die Partner gemeinsam für Frieden und Menschenrechte einsetzen.

Eigentlich sollte im vergangenen Jahr eine Delegation der Dekanate nach Gwangju reisen, doch die Pandemie verhinderte dies. Dass das Coronavirus auch in Gwangju seine Spuren hinterlassen hat, wurde bei dem digitalen Gottesdienst deutlich. Rund 20 Teilnehmer hatten sich zugeschaltet, darunter die Kirchengemeinde in Gwangju mit einer Zeitverschiebung von sieben Stunden. Kleinere Pannen bei der Übertragung trugen dazu bei, die anfangs etwas angespannte Atmosphäre aufzulockern. Der Gottesdienst wurde dreisprachig auf Koreanisch, Deutsch und Englisch abgehalten. Thema des Pfingstgottesdienstes war der Turmbau zu Babel und das Pfingstwunder. In beiden biblischen Texten geht es um Verständigung und Frieden über kulturelle und religiöse Grenzen hinaus. Gerade in Zeiten der Digitalisierung und der Corona-Krise werde die zunehmende Globalisierung deutlich, sagte Ökumene-Pfarrer und Vorsitzender des Korea-Partnerschaftsausschusses Wolfgang Prawitz.

Falls sich im kommenden Jahr wieder ein Normalzustand etabliert hat, hoffen die Teilnehmer des Gottesdienstes, ihren Besuch in Südkorea nachholen zu können. Nach der aktuellen Lage befragt, erklärten die Pfarrer aus Gwangju, es gebe sonntags regelmäßig Präsenzgottesdienste. Die seien jedoch durch die Hygienevorschriften stark eingeschränkt. Aber Gwangju mit rund acht Millionen Einwohnern sei im Augenblick der sicherste Ort in Südkorea.

Drei Pfarrer der Dekanate erzählen von ihren einprägsamen Erlebnissen in Gwangju. Beeindruckend sei vor allem das Verhältnis zu Kirche in Südkorea. Abhängig von Herkunft und Tradition habe die Gemeinde einen familiäreren Charakter. Dies werde dadurch deutlich, dass sehr oft nach dem Gottesdienst gemeinsam gegessen wird.

Für Wolfgang Prawitz war es ein unvergessliches Erlebnis, als er mit seinen Gastgebern eine traditionelle Wäscherei besuchte, wo die Wäsche mit Schlegeln ausgeklopft wurde. Hierfür stehen sich zwei Menschen gegenüber, das Wäschestück zwischen sich aufgespannt. "Damit es funktioniert, muss ein gemeinsamer Rhythmus beim Ausklopfen gefunden werden." Der theologische Referent Martin Franke berichtete, dass er an verschiedenen Demonstrationen in Südkorea teilgenommen hat. Die Aktionen hätten ihm vor Augen geführt, dass die Partnerschaft auch eine politische ist.

Frieden und Wiedervereinigung seien bei den Treffen die wichtigsten Themen, sagt Prawitz. Er habe mal einen Mann aus Gwangju gefragt, was er sich wünsche. Dieser sagte, sein Traum sei es, mit dem Zug von Gwangju nach Berlin zu fahren. Für Prawitz ein Symbol dafür, dass Korea und Deutschland, so weit sie auch entfernt sind, Teil einer großen Weltgemeinschaft sind. Von Susanne Rapp

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