Kameraauge, sei wachsam. Auch am Bahnhofsvorplatz in Rüsselsheim?
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Kameraauge, sei wachsam. Auch am Bahnhofsvorplatz in Rüsselsheim?

Rüsselsheim

Bald Kameras am Bahnhofsvorplatz? Polizeichef empfiehlt Videoüberwachung

  • Olaf Kern
    VonOlaf Kern
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Laut dem Polizeichef könnte sich das Sicherheitsgefühl am Bahnhofsvorplatz in Rüsselsheim durch Kameras verbessern. Der Ausschuss hat geteilte Meinungen dazu.

Rüsselsheim - Der Leiter der Polizeidirektion Groß-Gerau hat sich im Haupt- und Finanzausschuss für eine dauerhafte Videoüberwachung am Bahnhofsvorplatz in Rüsselsheim ausgesprochen. „Die Videoüberwachung wäre ein probates Mittel, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken und in Teilbereichen Straftaten aufzuklären“, sagte Tim Heinen.

Der Leiter der Polizeidirektion mit Sitz in Rüsselsheim war auf Einladung des Ausschusses am Dienstagabend in den Ratssaal gekommen. Heinen sollten seine Einschätzung über Sinn und Zweck der Sicherheitstechnik am Bahnhof abgeben, nachdem die Polizei dort 2019 temporär eine Videoüberwachung installiert hatte. Anlass war damals eine Schießerei in der Innenstadt gewesen.

Ein früherer Termin mit dem Polizeidirektor war im vergangenen Jahr wegen Corona ausgefallen. Heinen bilanzierte, dass in den rund vier Monaten der Videoüberwachung die „ein oder andere“ Straftat festgestellt und aufgeklärt werden konnte. Darunter auch ein schwerwiegendes Delikt, wie ein Messerangriff. Es sei mit weiteren Fällen zu rechnen, allein schon durch den Umstand, dass im Bahnhofsbereich mehr Menschen aufeinander träfen, als anderswo in der Stadt.

Video-Überwachung in Rüsselsheim: Zahlen geben es nicht her

Heinen betonte jedoch explizit den Konjunktiv: „Die Videoüberwachung könnte ein Baustein in der Sicherheitsstrategie unter vielen anderen sein.“ Ausführlich ging der Polizeichef darauf ein, dass er die These, wonach es in Rüsselsheim in Sachen Kriminalität ganz besonders schlimm sei, „so nicht unterschreiben“ könne. Mit Zahlen ließe sich das nicht belegen. Rüsselsheim sei im Vergleich zu anderen ähnlich großen Städten, wie Wetzlar, Fulda oder Gießen, „besser aufgestellt“. Dennoch habe die Stadt ein Problem: Ein gewisses Image, das Rüsselsheim schon sehr lange begleite. Die Videoüberwachung hätte einen positiven Effekt auf das Sicherheitsgefühl der Bürger. Rückmeldungen aus anderen Städten mit Videoüberwachung seien fast ausnahmslos positiv.

Heinen sagte, dass es nicht darum gehe, die Bürger einer Totalüberwachung zu unterziehen. Es sei der Polizei bewusst, dass es sich bei der Videoüberwachung um ein sensibles Thema mit hohen rechtlichen Hürden handele. Der These, dass sich dadurch das Kriminalitätsgeschehen in andere Bereiche der Stadt verlagere, widersprach Heinen. Es sei jetzt an der Politik, sich Gedanken zu machen, ob die Videoüberwachung am Bahnhofsvorplatz dauerhaft eingeführt werden solle.

Sicherheit am Bahnhof Rüsselsheim: Nicht lieber umgestalten?

Abdullah Sert (FDP) fragte, ob es nicht sinnvoller sei, den „unsäglichen Plattenbauplatz“ von der Stadt umgestalten zu lassen, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, statt eine Videoüberwachung („Ultima Ratio“) einzuführen. Das könne eine flankierende Maßnahme sein, entgegnete der Polizeidirektor. Das viele Kommen und Gehen an einem Bahnhofsplatz ändere sich aber durch einen Umbau nicht. Für Birgit Steinborn (Grüne) kommt eine dauerhafte Videoüberwachung nach wie vor nicht infrage. Aus guten Gründen gebe es das Recht auf informelle Selbstbestimmung. Das Beste sei die Belebung des Opel-Altwerks.

Mathias Flörsheimer (WsR) wollte aus erster Hand wissen, ob es in Rüsselsheim eine regelrechte Clan-Kriminalität gebe. „Dem ist nicht so“, sagte Heinen. Es gebe Familienstrukturen mit Personen, die immer wieder sehr auffällig würden. Die Polizei gehe diesen Fällen nach. Konkret könnte sogar demnächst mit weiteren Ermittlungsergebnissen gerechnet werden. Von einem Clan, der eine Stadt „im Würgegriff“ halte, könne aber nicht die Rede sein.

Bahnhof Rüsselsheim: Sicherheitskonferenz angekündigt

Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) kündigte für den 27. September eine Sicherheitskonferenz an. Zudem liege bald die Auswertung einer Sicherheitsbefragung unter Bürgern vor.

Im letzten Jahr kündigte bereits die Deutsche Bahn an, die Videoüberwachung im Hauptbahnhof Frankfurt auszuweiten. (Olaf Kern)

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