Abgestorbene Bäume sind kein schöner Anblick. Damit der Wald erhalten bleibt, wollen die Waldbesitzer an das Klima angepasste Baumarten pflanzen. FOTO: Markus Jordan
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Abgestorbene Bäume sind kein schöner Anblick. Damit der Wald erhalten bleibt, wollen die Waldbesitzer an das Klima angepasste Baumarten pflanzen.

Aus dem Ortsbeirat Bauschheim

Privatwaldbesitzer sind auf sich gestellt

  • Dorothea Ittmann
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Kampf gegen Waldsterben: Fördertöpfe für Forstwirtschaft schwer zugänglich

Bauschheim - Der Wald stirbt. Das ist bekannt. Hitze und Dürre machen auch vor dem etwa 60 Hektar großen Bauschheimer Wald nicht halt. Dies erläuterte Reinhard Ebert, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhein-Main, im Ortsbeirat Bauschheim am Donnerstagabend. Sein Sorgenkind ist die Kiefer. Fast der gesamte Bestand sei abgängig. Aber auch die Baumkronen der Eichen würden lichter, warnte Ebert vor den Folgen weiterer trockener Jahre. "Wir haben in unseren Breiten ein mäßig trockenes Tieflandklima, der Boden besteht aus Sand und Kies", so Ebert. Dies seien keine guten Voraussetzungen, sollte die Durchschnittstemperatur des Jahres um weitere zwei Grad ansteigen und die Niederschlagmenge zurückgehen. "Schon die vergangenen drei Jahre haben dem Wald den Garaus gemacht."

Der Wald ist den Bauschheimern wichtig. "Er hat in Bauschheim große Bedeutung für den Lärmschutz, ist aber auch ein beliebtes Erholungsgebiet", strich der FBG-Geschäftsführer heraus. Nun sei der Bauschheimer Wald kein rein kommunaler Wald, sondern bestehe aus etwa 300 Parzellen, die in Privatbesitz sind. Eine davon gehört Klaus Gimbel. Er sprach an dem Abend als Vertreter der Privatwaldbesitzer, die sich unter dem Dach der FBG befinden und beraten lassen. Eine Parzelle sei im Durchschnitt 1300 Quadratmeter groß - zu klein, als dass sie von einer Vielzahl der Fördertöpfe, die Bund und Land zum Erhalt der Wälder gefüllt haben, profitieren könnten.

Kaum ein Privatwaldbesitzer habe das Know-how, um Fördermittel zu beantragen. Und ist diese bürokratische Hürde mit Unterstützung der FBG überwunden, stelle sich heraus, dass ein Kriterium nicht erfüllt werde. "Wir haben noch nicht ein Bäumchen mit Fördermitteln in den Boden gebracht", sagt Gimbel frustriert. Dabei seien gerade die Privatwaldbesitzer auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Neuanpflanzungen kosteten tausende Euro.

Förderverein in der Gründungsphase

Deshalb versuche man, einen Förderverein zu gründen; die Papiere lägen jedoch seit einiger Zeit bei der Behörde, berichtet Gimbel.

Damit das Geld der Privatleute nicht sprichwörtlich in den Sand gesetzt wird, berät Reinhard Ebert die Bauschheimer Waldbesitzer, welche Baumarten für die zukünftigen klimatischen Verhältnisse im Rhein-Main-Gebiet geeignet sind. Die Forstliche Versuchsanstalt empfehle, eine Waldgesellschaft aus Eichen und Birken oder Birken und Kiefern zu bilden. Dass Kiefern ungeeignet sind, hätten aber die vergangenen Jahre gezeigt, ist Ebert von der Expertenmeinung nicht überzeugt.

Um herauszufinden, welche Baumarten sich rund um Bauschheim am wohlsten fühlen, startet die FBG gemeinsam mit den Privatwaldbesitzern im Herbst einen weiteren Feldversuch. Eichen, Buchen, Hasel und Feldbäume werden auf jeweils 150 Quadratmeter großen Flächen gepflanzt. Dabei handle es sich bewusst um heimische Baumarten, die winterhart und klimaangepasst sind. Angepflanzt werde per Hand und nicht maschinell. Die erste Versuchsgruppe bleibe sich selbst überlassen, die zweite Gruppe werde in den Hitzemonaten mit Wasser versorgt und die dritte Gruppe werde intensiv gepflegt. Die Entwicklungen im "Freilandlabor", wie Ebert es nennt, würden von der FBG aufmerksam beobachtet. Auch mit Hochschulen habe man schon zusammengearbeitet.

Ebert und Gimbel appellieren an die Mitglieder des Ortsbeirats: "Bitte schaffen Sie für uns die Voraussetzungen, dass wir lokal handeln können." Die FBG und die Bauschheimer Waldbesitzer wollen als nächstes das Bundeslandwirtschaftsministerium auf die unbefriedigende Fördersituation aufmerksam machen. Die vom Bund initiierte Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" weise ebenfalls Schwachstellen auf, die abgestellt werden müssten. Dorothea Ittmann

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