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Auf der Eselswiese sollen Unterkünfte für 4000 Menschen entstehen. Wie viele davon werden Sozialwohnungen?

Eselswiese

Professoren sind für Sozialwohnungen

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Wie viele Sozialwohnungen sollen im Baugebiet Eselswiese entstehen? Diese Frage beschäftigt zurzeit die Stadtpolitik. Zwei Professoren betonen jetzt die Bedeutung der staatlich bezuschussten Unterkünfte.

Auf der Eselswiese sollen rund 4000 Menschen ein neues Zuhause finden. Geht es nach der SPD, werden ein Viertel der Unterkünfte in dem Baugebiet Sozialwohnungen. Die Linke / Liste Solidarität sieht sogar noch einen größeren Bedarf angesichts von 700 Wohnungen, die in den nächsten Jahren aus der Sozialbindung fielen.

Die WsR um ihren Vorsitzenden Joachim Walczuch, im Hauptberuf Geschäftsführer eines Immobilienmakler-Büros, will mit der Erschließung der Eselswiese hingegen „Fachkräften der Hochschule, Facharbeitern, Ingenieuren, Akademikern und dem aus Frankfurt durch extrem hohe Mieten verdrängtem Mittelstand ein adäquates Angebot an Bauplätzen machen.“ Den für die WsR mit einer Quote möglichen „massiven Zuzug von ,Transferempfängern’ aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet“ könne die Stadt Walczuch zufolge nicht bewältigen.

WsR-Fraktionsgeschäftsführer Rainer Wagner ist überzeugt, dass das schnelle und unbürokratische Bauen von Häusern und Wohnungen, die Nachfrage nach Immobilien befriedigen und so zu fallenden Mietpreisen für alle führen würde.

Doch ist das wirklich die Lösung? Wissenschaftler sind jedenfalls skeptisch. „Das Argument ,der Markt regelt das’ kann man angesichts der Realitäten als widerlegt ansehen. Es ist an der Praxis gescheitert“, sagt Harald Kegler, Professor für Städtebau- und Planungsgeschichte an der Universität Kassel. Dafür brauche man nur nach Berlin zu schauen, wo der soziale Wohnungsbau zum vollständigen Erliegen gekommen sei.

Kritisch sieht Kegler auch die Vorbehalte der WsR gegen Menschen, die finanzielle Unterstützung vom Staat beziehen. „Dass quasi dafür eingetreten wird, Gated-Communities, Communities, also Areale für Einwohner mit etwa gleichem Einkommen, zu schaffen, ist bedenklich“, warnt er. Der Zusammenhalt einer Stadtgesellschaft hänge von Vielfalt ab.

Susanne Heeg, Professorin für geographische Stadtforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt, gibt zu bedenken, dass nicht nur Leistungsempfänger auf Sozialwohnungen angewiesen seien, sondern beispielsweise Angestellte von Sicherheitsdiensten oder Reinigungskräfte.

Auch sie hätten das Recht, in einer Stadt zu leben. „Wie kommt man denn auf die Idee, dass es angemessen ist, besonders viel für das Wohnen zu zahlen? Ich verstehe das nicht“, echauffiert Heeg sich. In vielen Sozialwohnungen wohnten Familien mit Kindern, in denen nur ein Elternteil arbeite. Das könnten dann auch Polizeibeamte oder Erzieherinnen sein. Selbst wissenschaftliche Mitarbeiter an Universitäten könnten betroffen sein, wenn sie Kinder haben.

Laut der Rüsselsheimer Linken sind es in der Opel-Stadt etwa 800 Haushalte, die mit Berechtigungsschein auf der Suche nach einer Sozialwohnung sind. In Frankfurt sind es Heeg zufolge annähernd die Hälfte aller Haushalte. „Für diese Haushalte muss auch gebaut werden“, fordert sie. Wenn der Staat nicht interveniere, werde im Augenblick nur für den „dicken Geldbeutel“ gebaut. Sozialwohnungen zu dämonisieren, sei Unsinn. Wer das tue, rede eine Ghettobildung wissentlich herbei.

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