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Keine Durchfahrt: Magdalena, Laila, Polizistin G. Niemeyer, Elias, Johanna, Lehrerin Jule Schenkel und Mutter Anke Bergner (von links) versperren die Straße. Foto: Rüdiger Koslow

Schule

Protest gegen Elterntaxis

Die Schillerschule will Mütter und Väter zum Umdenken bringen. Mit einer großangelegten Aktion. Die ganze Woche über standen Schüler, Eltern, Lehrer und Polizei mit Bannern und Plakaten an der Straße.

Rüsselsheim -Immer wieder das leidige Thema Elterntaxis. Immer wieder die Bemühungen der Schulen, die Eltern davon abzubringen, ihre Kinder mit dem Auto zu bringen, das Chaos vor der Schule zu verhindern oder zumindest zu bändigen.

Uneinsichtige Eltern gibt es aber in jedem Schuljahr aufs Neue. Die Angst, ihren Kleinen könnte auf dem Schulweg etwas passieren, sie könnten sich bei schlechtem Wetter einen Schnupfen holen oder ihre Kinder nicht zu spät in den Unterricht kommen zu lassen: Die Gründe sind immer die gleichen.

Schulverwaltung, Elternbeiräte und Polizei sind bereits froh, wenn sie bei Aktionen, die sich gegen diese Elterntaxis richten, schon zwei bis drei Mütter oder Väter erreichen, wie jetzt an der Rüsselsheimer Schillerschule zu erfahren war.

"Zu Fuß zur Schule gehen", nennt sich die Aktion des Deutschen Kinderhilfswerks und des ökologischen Verkehrsclubs VCD, an dem sich die Grundschule bereits seit mehr als zehn Jahren beteilige, wie Schulleiterin Friederike Rott am Freitagmorgen informiert.

Wirkung hält sich in Grenzen

Schon seit so vielen Jahren? Um so mehr stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit, die Frage danach, ob die Ratschläge in den Köpfen der Eltern hängenbleiben. "Wir werden nie alle erreichen", räumt Rott ein. Aber dennoch mache die Aktion Sinn. Denn es kämen doch jedes Jahr neue Kinder an die Schulen, betont sie.

Zumindest in dieser Woche - die Aktion hatte am Montag begonnen und lief bis gestern - wurde der Zuspruch immer größer und damit auch das Aufkommen der Elterntaxis immer geringer. "Bei einigen bleibt das hängen", unterstreicht Rott.

Anke Bergner vom Schulelternbeirat bläst ins gleiche Horn. "Wenn wir pro Jahr drei Eltern erreichen, sind wir darüber froh", versichert sie. Wie auch Polizeikommissarin G. Niemeyer, die ihren Vornamen nicht in der Zeitung publik machen will. Die Wirkung solcher Aktionen halte zwar nicht lange an. "Aber wird sind froh, dass es ein bis zwei Eltern gibt, die das einsehen", sagt sie und schildert dramatische Szenen, die sich mitunter vor der Schule abspielten.

Sie ist seit Kurzem Schulbeauftragte der Grundschule und bemüht sich bei ihrem Tagdienst, morgens in der Nackenheimer Straße präsent zu sein. Zu ihren Beobachtungen zählten Eltern, die ihr Fahrzeug sogar auf dem Bürgersteig direkt vor der Schule zum Stehen brächten, nur damit ihr Kind nicht zu weit laufen müsse. Auf ihr Verhalten angesprochen, reagierten Eltern auch mit pampigen Antworten.

Mit Bannern und Plakaten

Kinder, die in dieser Woche den Schulweg zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Roller zurücklegten, durften auf einem Blatt Fußstapfen farbig ausmalen. Die Klasse mit den meisten markierten Flächen erhielt nicht nur einen goldenen Schuh, sondern auch noch ein Bewegungsspiel, berichtet Rott.

Die ganze Woche über standen Schüler, Eltern, Lehrer und Polizei mit Bannern und Plakaten bestückt an der Ecke Bischofsheimer Straße und Nackenheimer Straße, um bloß keine Elterntaxis vor die Schule fahren zu lassen. "Diese Woche haben wir viele Eltern erreicht", zieht Rott erfreut Bilanz.

Die Schillerschule habe sich beim Mobilitätsmanagement der Stadt Rüsselsheim angemeldet, berichtet die Schulleiterin. Im Gespräch sei, die Verkehrsführung zu ändern, so dass erst gar kein Auto in die Straße hineinfahren könne.

Mutter Nesin P., ihren Nachnamen wollte sie nicht nennen, muss nicht mehr überzeugt werden. Sie läuft jeden Morgen mit ihren Kindern 1,8 Kilometer zur Schule. Alle anderen Eltern um ihr Haus herum führen ihre Kinder mit dem Auto, erzählt sie. "Meine Kinder sollen gesund bleiben", fügt sie hinzu.

Die beiden Viertklässler Elias und Johanna halten unterdessen eifrig ihr Banner in die Höhe. Beide finden die Aktion in Ordnung. "Weil man sonst nicht durch die Straße durchkommt und die Anwohner sich beschweren", sagt Elias. Johanna wohnt um die Ecke und beobachtet häufig, dass durch die Elterntaxis Staus entstehen. Die beiden Kinder laufen regelmäßig zur Schule, bei Wind und Wetter. Elias muss schon ein bisschen weiter gehen als Johanna, aber ihn hält auch der Regen von dem täglichen Fußweg nicht ab. Von Rüdiger Koslwoski

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