Am Puls der Zeit im Stadttheater

Gewerbeverein

Der Neujahrsempfang steht ganz im Zeichen der Digitalisierung

Das Thema Digitalisierung prägte den Neujahrsempfang des Gewerbevereins. Politische Themen kamen am Sonntag im Stadttheater vor rund 700 Besuchern so gut wie gar nicht vor. Für den angekündigten Festredner, SAP-Manager Rolf Schumann, sprang kurzfristig Ibrahim Evsan ein – ebenfalls ein ausgewiesener Kenner des Themas.

Schöne, neue Welt: Eine Plastikdose namens Alexa gibt vor, wie der Alltag aussieht. Beim Einstieg in den Neujahrsempfang des Gewerbevereins musste sich dessen Präsident Dirk Schäfer zumindest von seiner Alexa einiges gefallen lassen: Der digitale Ratgeber hat beispielsweise einfach entschieden, dass Schäfers Auto autonom und alleine nach Hause fährt. Ein Spaziergang täte ihm nämlich gut, musste sich Schäfer belehren lassen, schließlich habe sein Handy einen erhöhten Pulsschlag vermeldet.

Diese Einstiegsszene zum Neujahrsempfang des Gewerbevereins war selbstverständlich gestellt, kann aber symbolhaft für die digitale Welt gesehen werden. US-Präsident Donald Trump fühlt sich in dieser wohl und kassierte für seine berühmt-berüchtigte Mitteilungswut von Schäfer zur Belustigung der rund 700 Besucher die Bezeichnung „Twitter-Lausbub“. In diesem Zusammenhang bekannte Schäfer, dass er vor künstlicher Intelligenz keine Angst habe, wohl aber vor der Dummheit Trumps.

Die seit geraumer Zeit geltende Datenschutzverordnung wertete der Präsident des Gewerbevereins als überzogen. Doch es gebe ja auch Vorteile: Das Smartphone könne etwa dazu beitragen, eine Person im Notfall zu orten.

Politik bleibt außen vor

Schäfer verzichtete in diesem Jahr in seiner Rede auf und mahnende Worte in Richtung Politik, die vom frisch gekürten hessischen Staatssekretär für Digitales, Patrick Burghardt, bis hin zu den Stadtverordneten zahlreich vertreten vor ihm in den ersten Reihen saß.

Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) konstatierte in seiner Rede, dass zahlreiche innovative Unternehmen dafür sorgten, dass die Zukunft von Rüsselsheim mehr Chancen als Risiken beinhalte. Rüsselsheim sei und bleibe ein Zentrum für automobile Kompetenz. Der Automobilbau stehe allerdings vor einem Wandel, besonders was die Elektrifizierung und die Digitalisierung angehe. Rüsselsheim sei bestens vorbereitet mit 1300 Ladestellen für E-Fahrzeuge bis Ende 2020. „Rüsselsheim wird damit zur Electric-City“, unterstrich Bausch.

Wichtige Partner dabei seien Opel, die Gewobau und die Hochschule Rhein-Main. Motor der allgemeinen Digitalisierung seien die Stadtwerke. Rüsselsheim sei zudem ein attraktiver Standort, was Wohnen und die Kinderbetreuung angehe. 37 Hektar würden für neue Wohnungen bereitgehalten.

Aus dem eigenen Haus

Christian Müller, Geschäftsführer des Bereichs Engineering bei Opel griff in seiner Rede das Thema Elektroladestationen auf: „Opel wird elektrisch“, sagte er. Das erleichtere auch der Belegschaft, E-Fahrzeuge aus dem eigenen Hause zu fahren. „Und dank der Hochschule wird die Stadt Rüsselsheim zu einem einmaligen Labor in Sachen Elektromobilität.“

Müller kündigte an, dass auf der IAA der neue Corsa vorgestellt werde. 2020 soll die E-Version folgen. Auch die Zugehörigkeit zu PSA trage dazu bei, dass Opel zukunftssicher sei. Müller verschwieg nicht, dass in Rüsselsheim hochqualifizierte Arbeitsplätze im Opel-Entwicklungszentrum wegen zurückgehender Aufträge in Gefahr seien. Doch die Partnerschaft mit Segula werde dazu beitragen, dass die Betroffenen berufliche Sicherheit und Perspektive bekommen.

In einer Talkrunde wurde die Digitalisierung ebenfalls aufgegriffen. Dabei appellierten die Beteiligten, darunter Hochschul-Professor Thomas Heimer und GPR-Geschäftsführer Achim Neyer, sich den Innovationen nicht zu verschließen, dabei aber Recht und Gesetz nicht zu vergessen. Wichtiges Thema sei die elektronische Gesundheitsakte, so Neyer. In diesem Zusammenhang sei der Datenschutz ein besonders wichtig. „Keiner will, dass seine Kontoauszüge veröffentlicht werden, das gilt erst recht für Krankendaten.“

von RALPH KEIM

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