Quartier am Ostpark wird zum Streitfall

WsR, Grüne, Linke / Liste Solidarität und SPD ernten Kritik für ihren Vorschlag, den Bau von Einfamilienhäusern im neuen Quartier am Ostpark auszuschließen. Ein Bauherr wendet sich mit einem emotionalen Schreiben an die Fraktionen.

Rüsselsheim. Der Rüsselsheimer Angelo Fiore träumt den Traum vom Eigenheim. Im Quartier am Ostpark – also auf den ehemaligen Flächen des SC Opel – soll es entstehen. „Wir haben unsere Planungen darauf ausgerichtet, auch mit der Bank ist schon alles geklärt“, berichtet er. Nun allerdings gerät der Traum ins Wanken.

Der Grund ist ein Antrag des Vierer-Bündnisses von SPD, Grünen, WsR und Linke / Liste Solidarität. Das hatte jüngst angekündigt, mit einem umfangreichen Antrag für klare Vorgaben hinsichtlich der Aufstellung des Bebauungsplans für das Neubaugebiet sorgen zu wollen (wir berichteten). Der wohl markanteste Punkt: „Freistehende Einfamilienhäuser sind ausgeschlossen.“

Angelo Fiore ärgert das gewaltig. „Die Stimmung bei uns ist natürlich gedrückt momentan. Wir warten seit zwei Jahren auf den Bauplatz, haben immer wieder nachgefragt, und am Ende kann man sich auf nichts verlassen“, sagt er. Seine Bedenken und auch seinen Ärger hat Angelo Fiore in Worte gegossen und an die Fraktionen im Stadtparlament geschickt. „Mit dem Vorhaben, nur verdichtete Bebauung unter Ausschluss von Einfamilienhäusern zu realisieren, zerstören Sie auch Familienplanungen“, heißt es in dem emotionalen Schreiben.

Für die CDU zeige dieser Fall, „was es für den Bürger bedeutet, wenn in großer Verantwortungslosigkeit ein einstimmiger Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Dezember ein halbes Jahr später durch die neue Vierer-Koalition verworfen wird“. Die CDU plädiere für einen Mix aus Ein- und Zweifamilienhäusern sowie in Richtung Adam-Opel-Straße einen Riegel aus mehrgeschossigen Häusern – dies entspricht den bisherigen Planungen.

In einer Mitteilung zum Thema spricht Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) davon, dass der Antrag des Vierer-Bündnisses für ihn nur mit „parteitaktischen Gründen“ erklärbar sei. Aktuell lägen der Verwaltung fast 400 Anträge für einen städtischen Bauplatz in Rüsselsheim vor, davon knapp 90 für das Quartier am Ostpark.

Laut Burghardt könnte der Antrag der vier Fraktionen die Entwicklung des Areals zeitlich verzögern sowie die Refinanzierung der neu gebauten Sportplätze des SC Opel und FV Hellas im alten Opel-Bad erschweren. Diesbezüglich führt er den Vorschlag des Vierer-Bündnisses an, eine Fläche für eine Kita im Quartier vorzuhalten. „Jeder Quadratmeter, der nicht als Baufläche zur Verfügung steht, fehlt in der Endabrechnung des Projekts“, warnt er.

SPD, Grüne, WsR und Linke / Liste Solidarität begründen ihren Antrag mit dem hohen Wohndruck, der auf Rüsselsheim laste. Diesem wollen sie Rechnung tragen, in dem sie Einfamilienhäuser ausschließen und zudem zwischen 25 und 30 Prozent der möglichen Wohnflächen für den sozialen Wohnungsbau vorsehen. „Vor dem Hintergrund der Knappheit von bezahlbaren und geförderten Wohnungen und der wahrscheinlich wachsenden Zahl derer, die diese benötigen, muss auch dieses Quartier darauf reagieren.“ Das Grundstück vertrage „eine relativ hohe Dichte“, Rüsselsheim brauche Wohnraum.

„Persönlich kann ich den Ärger, der in dem Schreiben zum Ausdruck kommt, natürlich nachvollziehen. Aber das Areal ist wichtig für die Stadtentwicklung, und es gibt noch keinen Bebauungsplan. Wir sind da in einer sehr frühen Phase“, sagt Frank Tollkühn, der stellvertretende SPD-Fraktionschef. Den Sozialdemokraten sei es wichtig, frühzeitig auf die Entwicklung einzuwirken und ihre Vorstellungen in die Planungen einzubringen. göc

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare