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Gut einsehbar: der neue Gemeindesaal der Luthergemeinde. foto: alexander seipp

Kirche

"Das passt zur Gemeinde"

  • vonAlexander Seipp
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Endlich ist es vollbracht: Die Luthergemeinde freut sich über ihre neue, alte Kirche. Das Gebäude ist alles andere als gewöhnlich.

Rüsselsheim -Offen - wenn man die neue Lutherkirche in einem Wort beschreiben müsste, dann würde dieses Wort wohl am ehesten zutreffen. Das alte Gebäude am Gabelsberger Platz , es erstrahlt in frischem Glanz. Innen und außen hat sich viel getan, wie Architekt Gido Hülsmann berichtet. "Wenn man eine Kirche umbaut, dann muss man immer die Verhältnisse der Gemeinde vor Ort berücksichtigen", erklärt er sein neues Konzept. Soll heißen: Weniger Stühle, mehr Raum für anderes.

Gelöst wurde dies in dem denkmalgeschützten Gebäude auf eine besondere Art: Der große Innenraum der Kirche bekam eine Zwischendecke. Aus einem Stockwerk wurden also zwei. "Unten werden die Räume für die Gemeinde untergebracht sein, während oben der Saal für die Gottesdienste zu finden ist", so Pfarrer Sebastian Gerisch.

"Das passt zur Gemeinde"

Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. 2013 begannen die ersten Planungen für die 1957 erbaute Kirche. "Wir hatten damals einen kleinen Wettbewerb gemacht, aber als ich diese Pläne sah, da war mir klar: Das ist es", erinnert sich Gemeindeverbandsarchitektin Maureen Neumann-Opitz. Alles sei so offen, das sei einfach ein "Eyecatcher" - und passe zur Gemeinde. Doch die 3,1 Millionen Euro Baukosten konnte die Gemeinde natürlich nicht alleine stemmen. "Angrenzende Flächen wurden verkauft, darauf befinden sich jetzt ein Kindergarten, ein Studentenwohnheim und ein Wohnhaus."

Das Warten auf die fertige Lutherkirche dauerte an. "Das war ein langer Prozess und einige Zeit lang hatten wir ja gar keine eigenen Gemeinderäume", erinnert sich Gemeindevorstand Madeleine Reckmann.

Langfristig wird das für die Gemeinde aber kein Nachteil sein. Im Gegenteil: "Die Gemeinden werden kleiner, die Kooperation zwischen den verschiedenen Gemeinden hier in Rüsselsheim wird also immer wichtiger werden", ist Reckmann überzeugt.

Die neue Kirche ist ein Aufbruchssignal. "In der Kirche spiegelt sich wieder, wie stark sich in den vergangenen Jahren die Realitäten geändert haben", sagt Architekt Hülsmann, der seit 23 Jahren Kirchen plant.

Eine komplett neue Ebene einzuziehen, wie in der Lutherkirche, dies sei aber auch für ihn ein erstes Mal. "Eine der architektonischen Grundlagen ist der Satz, dass die Form immer der Funktion folgen muss", sagt er. Und dafür sei die Kirche ein tolles Beispiel.

Eine Bar am Eingang

Denn dort, wo früher mal Gläubige saßen, liegen nun große, offene Räume, die von der Gemeinde für eine Vielzahl von Aktivitäten genutzt werden können. Im Eingangsbereich der Gemeinde gibt es sogar eine Bar, die für einen gemeinsamen Umtrunk genutzt werden kann. In einem Anbau in Richtung Gabelsberger Platz sind das Gemeindebüro, Räume für die Pfarrer und ein kleiner Gemeindesaal untergebracht.

Weniger fertig sieht es im ersten Stock aus. Hier wird noch gearbeitet. Um die große Orgel befindet sich noch ein Gerüst, erst im Februar soll diese eingeweiht werden. Weiter hinten ist man da schon weiter. Helles Licht scheint von Fenstern an der Decke auf ein Kreuz, welches das natürliche Licht im Raum verteilt. "So ähnlich gab es dies schon in der alten Kirche, wir wollten das gerne erhalten", sagt Hülsmann.

In Form eines Kreuzes sind Sitzflächen um das Taufbecken angeordnet, auf einer Seite befindet sich der Altar mit dem Pult. Eine Kanzel gibt es nicht. "Wir wollen auf einer Ebene mit den Gläubigen sprechen, nicht von oben herab", sagt Pfarrer Gerisch. Eine Kanzel passe da einfach nicht dazu. Außerdem gehe er bei Predigten gerne auf die Menschen zu. Natürlich nur, wenn die Gesundheitsvorschriften dies zulassen.

Gottesdienste dürfen in der neuen Kirche ab sofort stattfinden, auch wenn das Gesamtprojekt wohl erst Anfang nächsten Jahres fertig wird. Schon viel ist in Planung, so viel verrät Pfarrer Gerisch. "Ich wünsche mir, dass die Leute am Ende sagen: Wahnsinn, das kann Kirche auch?" Vor allem aber soll die Kirche allen offenstehen. "Jeder soll hier reinkommen und mitmachen können. Bei uns ist jeder willkommen." Von Alexander Seipp

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