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Der Blumenstand von Guido Becker ist seit 20 Jahren ein farbenprächtiger Bestandteil des Marktes. Foto: Rapp

Handel

"Die Leute kaufen bewusster ein"

Nach langer Durststrecke hat sich der Wochenmarkt in Königstädten wieder zu einem beliebten Ort entwickelt. Die Kunden schätzen das Einkaufen im Freien. Ein Rundgang.

Königstädten -Beim Wochenmarkt in Königstädten war an diesem Mittwoch viel los. Ein Grund dafür mag das deutlich verbesserte und vielseitigere Angebot an Marktständen sein. Der wohl jüngste hinzugekommene Standbetreiber ist Gennaro Locantore, der mit seinem Angebot an Obst und Pilzen seit rund einem Monat beim Wochenmarkt dabei ist. Auf der Suche nach einem Platz für seinen Stand nahm er Kontakt mit dem Marktmeister auf und ist seither in Königstädten präsent.

Wichtig ist ihm, sein Obst direkt vom Erzeuger zu beziehen. "Ich unterstütze die regionalen Anbieter", sagt Locantore und freut sich über das große Interesse an seiner Ware. Ihm sei aufgefallen, dass viele Kunden es bevorzugten, auf einem Markt unter freiem Himmel einzukaufen, statt in den Supermarkt zu gehen. Da müsse man den Einkaufswagen anfassen und es sei schwieriger, den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten.

Guido Becker ist seit 20 Jahren beim Königstädter Markt vertreten und erklärt, das Kaufverhalten dort sei ein wenig anders als beim Wochenmarkt in Mainz.

Die Leute kauften bewusster ein. In Mainz seien die Stände anders platziert worden, um zu verhindern, dass zu viele Kunden sich an einem Punkt ansammeln, und alles ein wenig zu entzerren in Coronazeiten. Sein neuer Standort in Mainz führe dazu, dass einige Stammkunden ihn nicht mehr fänden. Da höre er oft: "Ach hier sind Sie. Wir dachten schon, Sie hätten aufgehört."

In Königstädten ist er leicht zu finden und auch der Einzige, der Blumen und Gestecke anbietet. Hinzu kommt, dass Stammkunden seine Beratung sehr schätzen. Erika Breuhan sagt, es sei erfreulich, dass alles wieder besser geworden sei. Es habe Zeiten gegeben, in denen das Marktangebot sehr reduziert gewesen sei. Bis auf den Blumenstand. "Da ergötze ich mich immer dran."

Auch Edmund Lang, der sich gerade in die Schlange des Metzgerstandes Walz eingereiht hat, meint, der Markt habe sich gut gemacht. "Vorher war manchmal gar nichts. Ich finde das Angebot jetzt gut. Ein Fischladen fehlt noch."

Die Beschicker unterstützen

Auch Jutta Pöller gefällt das gute Angebot, das nach ihrer Meinung durchaus noch erweitert werden könne. Ihr fehlt ebenfalls ein Fischstand, von dem sie glaubt, dass dieser sehr gut angenommen werden würde. Magda Busche hat sich vorgenommen, nun jede Woche auf dem Markt einzukaufen und die Beschicker zu unterstützen. "Wenn man nicht hingeht und unterstützt, darf man auch nicht nörgeln."

Alle 14 Tage kommt Regina Lux aus Uelversheim mit ihrem Stand "Kolibri - Geschenke/kleines Kulinarium" nach Königstädten. Dies aber schon seit zehn Jahren. Sie erinnert sich noch gut an paradiesische Verhältnisse auf dem Königstädter Markt, als es noch mehr als nur einen Obst- und Gemüsebauern gab. Viele haben auch altersbedingt aufgehört, weil es keinen Nachfolger gab, der die harte Arbeit weitermache, sagt sie.

Immer mal wieder gab es Nachrücker. Doch von denen hätten viele nach vier Wochen aufgegeben mit der Begründung, in Königstädten gebe es nichts zu verdienen. "Aber das funktioniert so nicht auf den Märkten." An ihrem kleinen Stand gibt es auch verschiedene Teesorten, Essig und Nudeln. "Für mich ist es immer eine Herausforderung, was ich einpacke", sagt Lux. Gut gehen aber immer ihre Nudeln, die sie direkt vom Erzeuger bezieht. Für die Vorweihnachtszeit bietet sie Winzerglühwein und verschiedene Liköre an.

Wohl am längsten dabei ist Familie Bersch mit Obst- und Gemüse. Zu dritt verkaufen die Bauschheimer ihre Ware, wobei nie ein freundliches Wort oder ein Sprüchlein fehlen darf. Die Schlange am Stand ist lang, die Ware aus eigenem Anbau. Seit rund 37 Jahren gibt es den Stand in Königstädten, berichtet Angelika Bersch. Die Schwiegereltern hätten damals angefangen, vor 20 Jahren hätte dann ihr Mann und sie übernommen.

Nach langer Durststrecke hat sich der Wochenmarkt wieder zu einem gern besuchten Ort entwickelt, an dem die Königstädter nicht nur einkaufen, sondern auch für ein kleines Schwätzchen verweilen. Trotz Mund-Nasen-Schutz und 1,50 Metern Abstand. Von Susanne Rapp

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