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Mit roher Gewalt haben die Diebe ein durch einen Baum geschütztes Fenster eingeschlagen und sind eingebrochen. Foto: Gemeinde

Kriminalität

"Unserer Gemeinde die Seele herausgerissen"

  • vonDr. Daniela Hamann
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Einbrecher stehlen Tabernakel, Kollekte und Hostien aus der St.-Christopherus-Kirche. Der spektakuläre Raub lässt die Gemeinde fassungslos zurück.

Rüsselsheim -Zwischen vergangenem Sonntag und Donnerstag muss es irgendwann passiert sein: Diebe haben eines der bunten Fenster des Kirchenbaus der St.-Christophorus-Gemeinde, das versteckt hinter einem Nadelbaum liegt, eingeschlagen und sind in das katholische Gotteshaus eingebrochen. Dort haben sie das Geld der Äthiopien-Kollekte - mehrere Hundert Euro - entwendet. Doch damit nicht genug. Michael Eich, Pfarrer der Kirchengemeinde Heilige Familie, zu der St.-Christophorus gehört, berichtet: "Ich bin am Donnerstag in den Gottesdienstsaal der Kirche gegangen. Mein Blick fällt immer zuerst auf das Tabernakel. Doch es war an diesem Tag nicht mehr an seinem Platz." Die Diebe haben auch das rechteckige, vergoldete Behältnis gestohlen, das zudem einen ebenfalls vergoldeten Hostienteller und Hostien enthielt. Letzteres hat den Pfarrer am meisten geschockt.

"Die Diebe haben in ihrer Unwissenheit wahrscheinlich gar nicht gewusst, was sie der Gemeinde damit antun. Denn die Hostien sind für uns der aus Brot während der Kommunion gewandelte Leib von Jesus, der so immer in unserer Kirche präsent ist. Mit dem Diebstahl hat man unserer Gemeinde die Seele herausgerissen." Spirituell sei das ein noch schlimmeres Verbrechen, als der materielle Diebstahl selbst.

Dabei hat das Tabernakel auch eine besondere Geschichte. Es wurde in den 1960er Jahren von Lucia König, Ordensschwester des Benediktinerinnen-Klosters Abtei Eibingen bei Rüdesheim, entworfen und geschmiedet - gemeinsam mit dem Kreuz mit der vergoldeten Jesusfigur, das über dem Altar hängt. Das Tabernakel ist 70 Zentimeter breit, aus Messing, mit vergoldeten Platten verkleidet und etwa 60 Kilogramm schwer. Die Diebe hatten also einiges zu tragen. Auf den Platten ist bandförmig der Schmuck weißer Bergkristalle und transparent-grüner Emaille-Platten in Goldfassung angebracht.

Durch Spenden finanziert

Einige Teile des Schmucks sind beim Transport durch die Diebe abgefallen. Michael Eich hat sie beim Rundgang durch die Kirche gefunden und sichergestellt. Etwa die Hälfte der Finanzierung des Kirchenbaus und damit auch der Einrichtung, inklusive des Tabernakels, war seinerzeit durch Spenden der Gemeindemitglieder getragen worden.

Die Polizei beziffert den materiellen Wert der gestohlenen Gegenstände, inklusive Kollekte auf etwa 15 000 Euro. Doch Pfarrer Eich ist sich nicht sicher, ob die Summe damit hoch genug bewertet wurde. Auch das beschädigte und speziell angefertigte Kirchenfenster müsse ersetzt werden. Aktuell hat der Hausmeister der Kirche ein Provisorium an dem eingeschlagenen Fenster angebracht.

Zur Kirchengemeinde gehören neben der St.-Christophorus-Kirche noch zwei weitere Gotteshäuser in der Innenstadt und in Bauschheim. "Wir müssen uns hier dringend etwas überlegen, um die Einbruchsicherheit der Kirchen zu gewährleisten. Meinen Recherchen nach nehmen die Einbrüche in Kirchen und der Diebstahl von Tabernakeln zu", sagt Eich.

In den kommenden Gottesdiensten werde er nun ein Tabernakel aus Holz benutzen, das die Gemeinde eigentlich bei Gottesdiensten im Freien verwendet. Am Sonntag werde er auch den Leib Christi wieder durch das Wandeln des Brots in die Kirche zurückholen. Doch Narben auf der Seele der Gemeinde bleiben unwiederbringlich zurück.

Die Polizei in Rüsselsheim hat die Ermittlungen übernommen und bittet Zeugen mit sachdienlichen Hinweisen um Kontaktaufnahme unter (0 61 42) 69 60. Von Daniela Hamann

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