Lufthansa-Töchter

Raunheim: Büros ohne festen Arbeitsplatz

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Seit Ende vergangenen Jahres arbeiten 1000 Mitarbeiter zweier Lufthansa-Töchter in einer neuen Zentrale in Raunheim. Klassische Büros gibt es dort nicht mehr.

Die ältere Dame mag es nicht so recht glauben. Selbst der Chef hat kein eigenes Büro mehr? „Als ich meinem Sohn ein Bild von meinem neuen Arbeitsplatz geschickt habe, hat er tatsächlich gefragt, ob ich degradiert wurde“, erzählt Geschäftsführer Olivier Krüger bei der Führung durch die neue Firmenzentrale des IT-Dienstleisters Lufthansa Systems in Raunheim. Die Befürchtung des Sohnes ist unbegründet. Allerdings muss Krüger sich jetzt jeden Morgen einen Arbeitsplatz suchen – wie alle anderen 800 Mitarbeiter, die in dem Gebäudekomplex am Messeplatz untergebracht sind. Das sind 100 mehr als am vorherigen Sitz im Gewerbegebiet Prime Parc. Dazu kommen am neuen Standort 200 Angestellte von Lufthansa Industry Solutions. 18 000 Quadratmeter verteilt auf fünf Geschosse fasst das Gebäude. Spatenstich war im Juni 2016, gebaut wurde bis Herbst vergangenen Jahres.

Dass man in der Stadt blieb und nicht, wie zwischenzeitlich angedacht, nach Offenbach zog, lag auch an den Bemühungen der Raunheimer Stadtverwaltung. Für die ist Krüger voll des Lobes: „Sie haben Dinge möglich gemacht, da können wir uns etwas abgucken.“ Darüber hinaus war die Option Raunheim preislich für das Unternehmen am günstigsten.

Das Konzept für die Arbeitsplätze in der neuen Zentrale, die mit gleich drei Tagen der offenen Tür offiziell eröffnet wurde, orientiert sich am sogenannten „Desk Sharing“. Dabei gibt es in einem Büro weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter. Denn es wird davon ausgegangen, dass nicht immer alle Kollegen anwesend sind. Die Plätze sind nicht mehr fest zugewiesen. Das soll es den Mitarbeitern ermöglichen, ihre Tätigkeit flexibel auszuüben. Nicht zuletzt spart diese Form der Büroorganisation aber auch

Kosten.

Nachteil ist der Verlust der Privatsphäre. Persönliche Gegenstände müssen in einem Spind eingeschlossen werden. „Wir mussten da schon Überzeugungsarbeit leisten“, räumt Rolf Clever ein, Director Controlling bei Lufthansa Systems, der die Besucher beim Rundgang durch die Zentrale begleitet. Die Sache mit den Spinden scheint für manche Mitarbeiter nach wie vor gewöhnungsbedürftig. Mindestens einer pro Woche muss Clever zufolge per Generalschlüssel geöffnet werden, weil ein Kollege die Zahlenkombination zum Öffnen vergessen hat. Die Arbeitsplätze sind in hellen Farben gehalten, selbst die Tastaturen der Computer gibt es meist in Weiß. Die Wände wirken noch kahl. Welche Bilder dort einmal hängen sollen? „Darüber haben die Mitarbeiter in einer Umfrage abgestimmt, deren Ergebnisse noch ausstehen“, sagt Clever.

Deckenbeleuchtung findet sich lediglich auf den Fluren. Ansonsten sorgen Tischlampen für Licht an den Schreibpulten. Diese sind höhenverstellbar, zum Teil wird sogar im Stehen gearbeitet. Auch die Bildschirme der Computer lassen sich in alle erdenkliche Richtungen schwenken, wenn mal eben etwas präsentiert werden soll. Klassische Telefone sucht man vergeblich. Für Gespräche nutzen die Mitarbeiter Headsets und die Software „Skype“.

Den Mangel an Privatsphäre ausgleichen könnte die „Homezone“ mit Sitzgelegenheiten. Die moderne Küche ist, bis auf eine neongrüne Wand, in weiß gehalten. Wer sich nicht selbst versorgt, kann die Kantine im benachbarten Backsteinbau nutzen, der einst die Lederfabrik Resart-Ihm beherbergte. Betrieben wird sie von einer weiteren Lufthansa-Tochter: LZ Catering.

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