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Kant-Schule

Raus aus der Schule, rein in die Truppe? Anwerbung erntet Kritik

Am Montag bietet die Immanuel-Kant-Schule zusammen mit dem Rotary-Club eine Berufsmesse an. Dabei wird auch die Bundeswehr anwesend sein. Das stößt auf heftige Kritik, auch der Landrat hat dazu eine eindeutige Meinung.

Wie soll es nach dem Abi weitergehen? Soll es eine Ausbildung sein oder doch ein Studium? Und welcher Beruf steht überhaupt zur Debatte? Antworten auf diese und mehr Fragen gibt es bei der Immanuel-Kant-Schule (IKS) am kommenden Montag. Zusammen mit dem Rotary-Club Rüsselsheim-Mainspitze bekommen IKS-Schüler, die im kommenden Jahr Abitur machen, verschiedene Berufsbilder vorgestellt.

Wie in den vergangenen Jahren stehen als Gesprächspartner Vertreter von Opel, Merck, verschiedenen Banken, aber auch Optiker oder Tierärzte, Rechtsanwälte und Polizisten zur Verfügung. Eingeladen ist aber auch die Bundeswehr unter dem Motto „Schüler Fragen – Profis antworten“.

Das stößt besonders beim Rüsselsheimer „Arbeitskreis Kriegsgegner_innen“ auf erhebliche Kritik: Die Gruppe spricht in einer Pressemitteilung von einer „schulinternen Propagandaveranstaltung der Bundeswehr“ und von einer „skrupellosen Rekrutierung von minderjährigen Soldaten“ und hat bereits eine Kundgebung angekündigt.

Schulleiter wehrt sich

Den Vorwurf weist Schulleiter Rainer Guss von sich: „Von einer Propagandaveranstaltung für die Bundeswehr kann keine Rede sein.“ Guss macht darauf aufmerksam, dass die Bundeswehr als Arbeitgeber gesehen werde und dass der Vertreter nur einer von 26 Gesprächspartnern für die Schüler sein wird. Es werde auch kein Infomobil kommen, wie dies bei der Ausbildungsmesse an der Werner-Heisenberg-Schule in den vergangenen Jahren der Fall war, was stets Bundeswehrgegner und -kritiker mit Protesten auf den Plan gerufen hat.

Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) weist auf Echo-Nachfrage darauf hin, dass es sich um eine Angelegenheit der inneren Schulverwaltung handele und somit nicht im Einflussbereich des Schulträgers liege. Er gehe jedoch davon aus, dass sich die Veranstaltung nicht an Minderjährige richte.

Aus der Einladung des Rotary-Clubs geht jedoch eindeutig hervor, dass sich die Veranstaltung an Schüler „ab der 10. Klasse aus Gymnasien sowie den Abschlussklassen aus Haupt- und Realschulen“ richtet.

Ich habe eine sehr kritische Einstellung dazu“, kommentiert Landrat Thomas Will (SPD) die Aktion. „Die Schulen entscheiden im Rahmen der gesamten pädagogischen Ausrichtung und in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt über solche Besuche der Bundeswehr. Wenn Schulen sich mit dem Thema Bundeswehr auseinandersetzen möchten, gehört es aber genauso dazu, die kritischen Stimmen zu hören“, teilt er mit.

Dieser Kritik will sich die IKS stellen. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilt Schulleiter Guss weiter mit, dass er den Arbeitskreis zu einer nachträglichen Podiumsdiskussion mit den Schülern zu diesem Thema eingeladen habe. Eine Zusage beziehungsweise eine Antwort seitens der „Kriegsgegner“ stehe allerdings noch aus.

Nachwuchs gesucht

Das Problem der Bundeswehr ist seit langem bekannt: Sie hat zu wenig Soldaten und die Truppe ist überaltert. Nachwuchs wird dringend gebraucht. Viele Millionen Euro steckte das Bundesverteidigungsministerium deshalb in PR-Kampagnen und wirbt auch verstärkt in Sozialen Netzwerken. Offenbar mit ersten Erfolgen. Die Bundeswehr hat noch nie so viele Minderjährige ausgebildet. Die Anzahl hat sich seit 2011 fast verdreifacht.

Die Anwerbung von minderjährigem Personal sehen aber viele kritisch – allen voran die Linkspartei, aber auch die SPD. Raus aus dem Elternhaus – rein in die Truppe: Mehr als 2000 Soldatinnen und Soldaten sollen derzeit bei der Bundeswehr arbeiten, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren.

Für die Rekrutierung mit 17 Jahren ist die Einverständniserklärung der Eltern notwendig. Wer jünger als 17 Jahre ist, kann allerdings auch ein Praktikum bei der Bundeswehr machen. Minderjährige dürfen zwar ab 17 zur Bundeswehr, aber noch keinen Dienst mit der Waffe leisten, etwa im Wachdienst. Auch in Auslandseinsätze dürfen sie erst bei Volljährigkeit geschickt werden. Trotzdem machen sie auch Schießübungen, zur Ausbildung an der Waffe.

von Ralph Keim

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