Wald unter Stress

So reagiert die Natur auf die globale Erwärmung und den Klimawandel

Dürre, Hitze, kaum Regen. Dieser Sommer hatte es in sich. Auch im Oktober übertreffen die Temperaturen nach wie vor die Normwerte. Wie die Natur damit umgeht und wo im Wald die Zeichen der globalen Erwärmung zu finden sind, hat Dieter Gewalt bei einer Führung am Mönchbruch erklärt.

Dieter Gewalt zeigt auf einen ausgetrockneten Bachlauf, der sich gleich hinter dem Mönchhofschlösschen befindet. „Hier sprudelt normalerweise das Wasser. Jetzt sehen Sie nichts mehr davon.“ Dieter Gewalt ist Pilzsachverständiger und unternimmt in dieser Jahreszeit normalerweise Führungen zum Thema Speisepilze in heimischen Wäldern. Doch Pilze gebe es in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit viel weniger als sonst, informiert der Sachverständige. Am Samstagvormittag unternimmt Gewalt mit etwa 20 Interessierten eine Waldexkursion und zeigt, wie die Natur auf die globale Erwärmung und den Klimawandel reagiert. Das Thema Pilze bleibt dabei trotzdem nicht außen vor. Denn auch sie deuteten auf Zeichen der Dürre und des Stresses in der Natur hin, so Gewalt.

„Sehen sie dort die Pilze am Baumstamm“, fragt Dieter Gewalt in die Runde. Die Teilnehmer der Führung beugen sich über das Geländer, um besser in den trockenen Bachlauf blicken zu können. „Dies sind Hallimasche. Das ist ein Baumparasit, der den Stamm zerstört. Sie können dort unten im Bachlauf nur wachsen, weil sich dort noch etwas Feuchtigkeit befindet. Zudem gibt es mittlerweile in der Früh den Morgennebel, der Nässe auf den Waldboden bringt“, informiert Gewalt weiter. An einem Strauch angekommen, stellt Dieter Gewalt den Führungsteilnehmern die Pfaffenhütchen, kleine roten Beeren in Form eines Huts vor. Zu Fuße des Strauchs deutet er auf eine weitere Gruppierung kleiner Pilze. „Auch hier hat sich die Nässe gesammelt, weshalb die Pilze wachsen können“, stellt der Exkursionsleiter fest und zeigt auf ein helles, strohiges Gebiet, das nur wenige Meter von den Pilzen entfernt ist.

Hier ist nur ausgetrocknetes Gras zu sehen. „So sieht es auch auf vielen Wiesen und Feldern aus. Die Maisernte ist aus diesem Grund eingebrochen. Durch die Dürre ist der Boden bis zu einer Tiefe von 35 Zentimetern ausgetrocknet. Trotzdem gibt es immer noch Politiker, die behaupten, es gebe keine globale Erwärmung“, sagt der Experte mit Sarkasmus in der Stimme.

Die Exkursionsgruppe wandert weiter in den Wald hinein. Dieter Gewalt bleibt vor einem Laubbaum stehen. Er zeigt auf die Blätter. „Sie erkennen sofort, ob Blätter vertrocknet sind, oder sie sich nur der Jahreszeit entsprechend verfärben, um sich auf den Winter vorzubereiten“, erklärt er und zeigt auf eine Gruppe gräulich, bräunliche Blätter. „Diese Blätter sind aufgrund des fehlenden Regens vertrocknet“, stellt Dieter Gewalt fest.

Verfärbungen im Herbst seien dagegen rot und gelblich und das Blatt fühle sich weicher und praller an. Der Exkursionsleiter zeigt den Teilnehmern auch einen Baum, der komplett vertrocknet zwischen seinen Artgenossen steht.

„Dieser Geselle hat den Kampf um das bisschen Wasser im Boden gegen die Nachbarn verloren“, meint der Experte. Grundsätzlich sei zudem deutlich zu sehen, dass die Bäume Stress hätten. „Es gab seit dem Winter keinen Landregen mehr. Er habe in der Wetterstatistik für Dietzenbach gesehen, dass es im April lediglich an einem Tag 36 Milliliter Regen, im Mai an drei Tagen 10 bis 20 Milliliter und im September 29 Milliliter Regen an zwei Tagen gegeben habe. So sei 2018 zu einem sogenannten Mastjahr geworden.

Dieter Gewalt erklärt, was das bedeutet: „Wegen des fehlenden Wassers bilden die Pflanzen viele Früchte und damit so viele Nachkommen wie möglich. Sie versuchen ihre Art zu erhalten.“ Zwar geben es derartige Jahre in der Wetterhistorie immer mal wieder. Doch die zunehmende Häufigkeit sei ein deutliches Zeichen für den Klimawandel. „Daran gibt es keinen Zweifel mehr“, stellt Gewalt fest.

Das Kontrastereignis – Fluten – nehme außerdem zu und damit Erdrutsche und andere Katastrophen. „Denken Sie nur an Süd-Deutschland mit seinen Überschwemmungen in diesem Jahr. Es sei mehr als nur fünf vor zwölf, mahnt Dieter Gewalt. Doch leider stünden wirtschaftliche und politische Interessen dem Wohle von Natur und Umwelt nach wie vor im Wege.

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