Gemeindezentrum

„Reißt die Hütte ab“: Luthergemeinde feiert Abrissparty

Das Gemeindezentrum der Luthergemeinde wird demnächst abgerissen. Bevor die Profis kommen, wollten die Gemeindemitglieder selbst noch etwas tun.

„Reißt die Hütte ab“, singt Kantor Martin Schlotz auf die Melodie des Middle of the Road Klassikers „Chirpy Chirpy Cheep Cheep“, und die Gemeinde echot begeistert „Reißt die Hütte ab“. Kurz darauf setzten sich alle zusammen in Bewegung, singend und klatschend wird der Weg von der Kirche zum Gemeindezentrum zurückgelegt.

Jetzt, im Anschluss an den gut besuchten Gottesdienst, steht eine ganz besondere Veranstaltung auf der Tagesordnung: die Abrissparty. Große Veränderungen bei der Luthergemeinde in der Gutenbergstraße werfen ihre Schatten voraus.

Das bisherige Gemeindezentrum soll abgerissen und an seiner Stelle der neue Kindergarten gebaut werden. „Das Gemeindezentrum wird dann in das bestehende Kirchengebäude integriert“, erklärt Pfarrerin Hanne Köhler, während die Bratwürste auf dem Grill verlockend duften.

Ein fröhliches Fest soll die Neuerungen einläuten. Auch Musik und eine Spray-Aktion sind im Angebot. „Wir wollen voller Zuversicht nach vorne schauen und nicht zu viel Melancholie zulassen“, sagt ihr Kollege Pfarrer Sebastian Gerisch. Er trug bei der kleinen Prozession einen riesigen Vorschlaghammer über der Schulter und steuerte damit zielstrebig einen Kellerraum im Abrissgebäude an.

Hier legt er Helm und Schutzbrille an und los geht’s: Ohrenbetäubend hallt der erste Schlag an die Mauer durch’s Gebäude. „Diese Wand ist nicht tragend – hoffe ich“, hatte er zuvor augenzwinkernd mitgeteilt. Der Putz beginnt zu bröckeln, Staub erfüllt den Raum. „Jeder darf sich hier austoben“, lädt der Geistliche nach mehreren kraftvollen Schlägen die Umstehenden ein, es ihm nachzutun. „Das sind Aggressionen pur“, wirbt er für die seltene Gelegenheit zur konstruktiven Destruktion.

Und er hat Erfolg: Der Hammer wandert von Hand zu Hand, und nach gut 15 Minuten ist der erste Durchguck zum Nebenraum geschafft.

„Wir begeben uns jetzt auf eine Wanderschaft“, berichtet Gerisch, mittlerweile wieder im Freien, wo die Gemeindemitglieder bei kühlen Getränken und Wurst vom Grill beisammenstehen. Ab November sei auch die Kirche wegen der Umbaumaßnahmen geschlossen, dann würden die Gottesdienste im Wechsel in anderen evangelischen Gemeinden der Stadt abgehalten.

„Wir entwickeln gerade einen Fahrplan, der ist noch nicht ganz fertig“, sagt der Pfarrer und verspricht: „Wir werden versuchen, als Luthergemeinde erkennbar zu sein“. Er freue sich auf die Gelegenheit, als verschiedene Gemeinden zusammenzuwachsen, beteuert er, denn so eine Gelegenheit habe man sonst nicht. Zwei Jahre werde es nach Aussage des Architekten dauern, „bis wir zurück in unser Wohnzimmer kommen“.

Im Keller ist mittlerweile die Frau des Pfarrers, Mirjam Jekel, am Hammer. „Es ist viel schwerer, als man denkt, aber ich kann es nur empfehlen“, lautet ihr Fazit. Zum alten Gebäude habe sie nur wenige Erinnerungen, schließlich sei sie neu hier. Die Neubaupläne finde sie total spannend, sagt Jekel, es gebe schon sehr „coole Bilder von dem neuen Gebäude“. Veränderungen machten natürlich auch ein wenig nervös, aber es sei im positiven Sinne aufregend: „Neuaufbrüche sind immer spannend.“

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