Kunst

Robert Schittko zeigt neben neuen Werken auch Fotocollagen

Robert Schittko stellt in der Schleuse der Opelvillen aus. Die Fotografien und Objekte des Studenten der Hochschule für Gestaltung Offenbach entzünden sich an der Ästhetik der Form, verleihen der Skulptur Lebendigkeit und zeichnen Körper skulptural nach.

Die zarte Biegung des Rückens, die muskulöse Schulterpartie und die feinfühlige Linie entlang des Rückgrats ergeben ein Bild der skulpturalen Sinnlichkeit. „Paul“ nennt der Künstler Robert Schittko die Studiofotografie, auf der er dem formvollendeten Körper ein weiches, blütenähnliches Keramikelement beigegeben hat. Fixiert durch ein zartes und zugleich zwingendes Band thront das Objekt auf der Schulter und stellt in artifizieller Berührung zwischen Ding und Körper die Krönung dar.

Synthese der Sinnlichkeit

Diese fesselnde Fotografie ist Teil einer Präsentation von Keramikskulpturen und Fotografien sowie Holzarbeiten, die seit Sonntag in der Schleuse zu sehen sind. Robert Schittko, 1987 geboren und Student der Hochschule für Gestaltung Offenbach, gelingt mit seinen Arrangements, die die Grenze zwischen Haptischem und Bildlichem auflösen, ein fast körperhaftes Zusammenspiel, bei dem die Skulptur zu atmen scheint und der menschliche Körper skulpturalen Charakter annimmt. Die fotografischen Inszenierungen haben lustvolle Wirkung, erinnern an die klassische Skulptur der Antike, deren Strenge jedoch durch Hinzunahme fantasievoller Keramiken überraschend erotisch akzentuiert wird. „Extended Play“ – „Erweitertes Spiel“ nennt Schittko die Serie. Die Fotoarbeit „Vase“ etwa, die direkt neben der ästhetischen Nacktheit von „Paul“ installiert ist, stellt die Keramik ins Zentrum, die vom Mensch umschmeichelt wird: Das sanft geformte Objekt der Vase wird seines Zweckes entfremdet. Es wird umgedreht, so dass die Finger einer filigranen geschmückten Hand in die Höhlung eintauchen.

Fesseln als Stilmittel

Schittko inszeniert eine sinnliche Ergründung. Mit Bändern, die Verbindung schaffen, spielt Robert Schittko in seinen fotografischen Arrangements gern – er fesselt durch stilvolle Fesselung, der ein Hauch Erotik innewohnt. Fotografische Bondage eines Künstlers.

Teils zeigt Schittko seine Keramikobjekte, die mit der Intention, sie für Fotografien zu verwenden, geformt wurden, auch alleine. Da baumelt eine Keramik in Organform, vergoldet durch zierliche Linien gleich den Saiten eines Instruments, sowie von Grifflöchern durchsetzt, die an die Palette des Malers denken lassen, am Haken. Zweckfreie Schönheit, entstanden aus einem Klumpen beliebig formbarer Materie.

Neben den neueren Arbeiten zeigt Schittko zudem Ausschnitte aus der 2016 in Berlin ausgestellten Serie „Ich hab vergessen, wie das ist.“ Bilder aus privaten Fotoalben werden mit geschichteten und gehäuften Fragmenten von Körperbildern collagiert und geben auf bedruckten und gefrästen Holzarbeiten ein Konglomerat aus Erinnerungsfetzen. Schittko paart Erinnerung mit der Freiheit der assoziativen Durchmengung. Die Verknüpfung von intimen Eindrücken, Erfundenem und Erinnertem zeitigt eigenwillige, jungfräulich hybride Formen.

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