Der Manta war neu, schick, sportlich und entsprach dem Zeitgeist. Attraktive, familientaugliche Coupés liegen Anfang der 1970er voll im Trend. So richtig alt wird er nie. Auch heute besticht er noch durch sein Aussehen

Automobile

Rock'n'Roll aus Rüsselsheim

Ein Coupé mit Teufelsrochen als Emblem feierte im September 1970 Premiere. Die Geburt einer Legende. Das Echo feiert mit.

Wann haben Sie zuletzt einen Opel Manta auf der Straße gesehen?

Die Frage ist kein Witz, wie sie Anfang der 1990er Jahre zuhauf über ihn gemacht wurden. Immerhin gibt es nur wenige Autos, die es zum Filmhelden geschafft haben.

Bernd Eichinger setzte ihm 1991 mit Manta Manta sogar ein Filmdenkmal und für Hauptdarsteller Til Schweiger war es der große Durchbruch. Heute ist der einstige Verkaufsschlager im Opel Programm selten geworden. Fast alle sind verheizt worden oder fielen dem Tuningwahn zum Opfer. So lässt ihn die aktuelle Preisentwicklung für gut erhaltene Modelle mittlerweile zum Edelfisch werden.

Seine Erfolgsgeschichte begann im September 1970, als Opel passend zum Namen den neuen Manta in maritimer Umgebung am Timmendorfer Strand an der Ostsee präsentierte. Im Fahrzeugangebot des Familienautobauers Opel war der Manta Neuland. Sportlich, chic, lässig, damit lag man perfekt im Trend des damaligen Zeitgeistes. Dies spiegelten auch die Verkaufszahlen wider. Schon im ersten vollen Verkaufsjahr 1971 setzt Opel 56 200 Manta A allein in Deutschland ab.

Wie der Manta zu seinem Namen kam

Mit Kadett, Commodore und Kapitän hat der Rüsselsheimer Autobauer schon immer Namen aus der See- und Wasserwelt benutzt. Ende der 60er Jahre waren aber Tiernamen in der Autowelt en Vogue. In den USA setzten der Ford Mustang und die Corvette Stingray die Benchmark für populäre Kraftnamen aus der Tierwelt. Man hat sich dann zwar recht schnell für den Namen Manta entschieden, aber es fehlte noch ein cooles Logo. Also bestieg der damalige Opel Chefdesigner George Gallion in geheimer Mission an einem Samstagmorgen im Jahr 1969 ein Flugzeug in Richtung Paris.

Auf der Agenda stand ein Treffen mit dem Team des französischen Meeresforscher Jacques Cousteau. Nach stundenlanger Sichtung seines Bildmaterials fiel Gallion eine Einstellung auf, in der ein gigantischer Teufelsrochen von unten gegen den Himmel gefilmt war.

Bingo. Das war es. Zehn Tage vor der internen Präsentation wurde das heute bekannte Logo an die Kotflügel geschraubt. Der Manta hat sein Logo und seine Identität gefunden.

Im Wettstreit mit dem Ford Capri schiebt Opel zahlreiche Modellversionen des Manta nach. Ab 1972 gab es eine neue Einstiegsversion mit einem zarten 1,2 Liter Motor und 60 PS. Am anderen Ende der Preisliste stand nun der Manta Berlinetta.

Luxus-Version mit Sportlenkrad

Eine Art Luxus-Version mit Sportlenkrad, Halogen-Scheinwerfer, elektrischer Scheibenwaschanlage und dem modischen Vinyldach. Mit dem Berlinetta und der serienmäßigen beheizbaren Heckscheibe konnte man damals Eindruck bei der Traumfrau machen. Insbesondere wenn im heute auch wieder populären Autokino die Scheiben mal anliefen.

Ab 1974 kam richtig Rock'n Roll aus Rüsselsheim. Das Topmodell Manta GT/E rollte mit einem 1,9 Liter Einspritzmotor, Bosch L-Jetronic und 105 PS auf den schwarzen Asphalt des Disco-Parkplatzes.

Lounges und Strandbars in der Stadt gab es damals noch nicht. Also rein in die Cowboystiefel, Schnäuzer gekämmt, Lederjacke an und die Pilotenbrille auf die Nase, jetzt ist die Stadt zu klein für andere. Legendär ist natürlich die schwarze Motorhaube beim GT/E, die sich ab 2021 auch beim neuen Opel Mokka wiederfinden wird.

Parallel drückte sich die Fröhlichkeit der 70er Jahre in farbenfrohen Sondermodellen mit illustren Namen wie Sommer-Bazar und Swinger aus. Der rabenschwarze Black Magic stellt im April 1975 das letzte Manta A Sondermodell dar und ist heute eine gesuchte Rarität.

Schon fünf Jahre nach dem erfolgreichen Erstlingswerk, debütiert mit dem Manta B auf der IAA im September die zweite Baureihe. Auch diese basiert technisch wie der Vorgänger auf der eher biederen Mittelklasse-Limousine Ascona. Für Opel und die Käufer ein doppelter Gewinn. Bewährte Großserientechnik unterm sportlich eigenständig designten Blechkleid, bedeutet auch geringe Kosten und einfache Wartung. Das Angebot wurde stetig erweitert, sportive Ausstattungskürzel wie SR, GT, GT/J und GSI tauchen in den Preislisten auf.

Der Manta 400 - eine magische Zahl

Dazu erhält der klassische Manta B mit Kofferraumdeckel, auf dem gerne ein Spoiler thront, ab 1978 eine zweite Karosserieversion. Das Combi-Coupé Manta CC mit Fließheck nimmt den Trend zu Fahrzeugen mit großer Heckklappe Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre auf.

Natürlich lebt ein sportliches Auto auch vom Image der Sporterfolge auf Rennstrecken. Blöd nur, dass man im eigenen Haus mit dem 1979 präsentierten Opel Ascona 400 bereits einen Siegerwagen in der Garage hat. Walter Röhrl, der mit Beifahrer Jochen Berger bereits 1974 auf einem Opel Ascona A Rallye-Europameister wurde, fuhr nun auch im heckgetriebenen Ascona B 400 die gesamte Konkurrenz in Schotter und Matsch. Gekrönt 1982 mit seinem zweiten Weltmeistertitel gegen die Allradkonkurrenz aus Ingolstadt.

Der Wechsel in den sportlicheren Manta sollte nahtlos klappen. So schiebt Opel schnell zum Genfer Auto-Salon 1981 den Manta B 400 nach. Die Bezeichnung leitete sich aus der für die Homologation für Renntourenwagen der Gruppe 4 notwendige Anzahl von 400 gebauten Exemplaren ab. Jedoch kam mit den 80er Jahren auch der rasante Anstieg von Elektronik und Technik im Auto und dem Manta 400 blieben die ganz großen Sporterfolge leider verwehrt. Nur 1984 trumpfte er nochmals auf. Mit einem Manta 400 gewannen Guy Colsoul und Alain Lopes die Rallye Paris-Dakar der nicht-allradgetriebenen Fahrzeuge und wurden Vierter im Gesamtklassement.

Das lange Ende der Baureihe

Obwohl technisch mittlerweile leicht veraltet, bleibt der Manta B noch bis September 1988 im Programm. Damit hält der Opel Manta in der über 120-jährigen Geschichte der Rüsselsheimer Marke einen einsamen Rekord. Kein anderes Modell war über 13 Jahre praktisch unverändert am Markt.

Die letzten erhältlichen Versionen sind das Topmodell GSI und der beim schwäbischen Opel-Haustuner Irmscher leicht modifizierte GSI Exclusiv. Die insgesamt über eine Million verkauften Manta sind wahrlich kein Witz. Und sein letztes Kürzel GSI lebt 2020 im neuen Opel Insignia GSI weiter. Von Bernd Schweickardt

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