Grüne und Linke besichtigen mit Forstamtsleiter Klaus Velbecker (rechts) das Areal der Opel-Rennbahn. Foto: Sura
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Grüne und Linke besichtigen mit Forstamtsleiter Klaus Velbecker (rechts) das Areal der Opel-Rennbahn.

Natur

Rodungen rund um die Opel-Rennbahn

  • vonDr. Susanne Rapp
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Abgestorbene und kranke Bäume müssen vor einer Wiederaufforstung entfernt werden

Rüsselsheim -Von Hessen Forst werden derzeit im Innenbereich der ehemaligen Opel-Rennbahn massive Rodungen vorgenommen. Um sich über das Vorgehen zu informieren und Fragen zu stellen, trafen sich Mitglieder der Grünen und der Linken/Liste Solidarität am Dienstag an Ort und Stelle mit Klaus Velbecker, dem Leiter des Forstamtes Groß-Gerau.

Dieser berichtete, dass in den Jahren 2018 bis 2020 durch die Trockenheit massive Schäden am Baumbewuchs entstanden sind. Kiefern und Bergahorn, die besonders häufig auf dem Gelände vorkommen, seien von einem Pilz befallen und abgestorben oder im Absterben begriffen. Eine Überprüfung habe ergeben, dass 2018 zwischen Mai und November nur 37 Prozent des normalen Niederschlags zu verzeichnen gewesen waren. Hinzu kam die Hitze.

Alles ungünstige Faktoren, da die genannten Baumarten vom Niederschlagswasser leben. Nach drei Trockenjahren am Stück könnten nur noch die vitalsten Bäume überleben. Das Resultat, so Velbecker: "95 Prozent der Bäume rund um die Rennbahn sind abgestorben."

Ein Grund, weshalb die Rodungsarbeiten auf bislang sieben Hektar momentan stattfinden, sei die Verkehrssicherheit, vor allem entlang der Wege direkt um die Rennstrecke. Auch fänden im Innenbereich der Rennbahn regelmäßig Wartungsarbeiten an dort existierenden Brunnengalerien statt, die gefahrlos erreicht werden müssten.

Frage des Zeitpunkts

Die Waldeigentümerin plane eine Wiederbewaldung mit Baumarten wie Stieleiche, Winterlinde, Esskastanie und auch Kiefer, die als einheimische Baumart auch ihre Daseinsberechtigung habe, erklärte Velbecker. Dies werde innerhalb der nächsten sechs Jahre geschehen. "Das Areal ist Wald im Sinne des Bundes- und hessischen Waldgesetzes und wird Wald bleiben. Auf Teilflächen ist die Übernahme von bereits vorhandener natürlicher Verjüngung angedacht, die Restflächen werden wieder aufgeforstet", heißt es in einer Presseerklärung der Mainzer Stadtwerke AG, die Eigentümerin der gesamten Fläche ist.

Doch bevor es zu einer Wiederaufforstung kommen kann, muss das gerodete Holz, das Kalamitätsholz, zunächst von der Fläche verschwinden. Kalamitätsholz bezeichnet Schadholz, das durch Sturmschäden, Trockenheit oder Schädlingsbefall entstanden ist.

Brit Scherer (Grüne) stellte die Frage, warum die massiven Forstarbeiten in einem Vogelschutzgebiet und vor allem mitten in der Brut- und Setzzeit stattfänden. Velbecker berichtete, dass die zu bearbeitenden Flächen vorher auf Horst- und Höhlenbäume abgesucht wurden. Horste würden von Greifvögeln, Elstern oder auch Eichelhähern zur Brut genutzt. Wäre etwas dieser Art gefunden worden, hätte man die Stelle großzügig umgangen. Doch sei nichts gefunden worden.

Dass die Durchführung der Forstarbeiten zum jetzigen Zeitpunkt stattfänden, hänge mit dem überlasteten Holzmarkt infolge des hohen Anfalls von Kalamitätsholz zusammen. Es habe lange gedauert, bis sich im April eine Fachfirma fand, die bereit war, das Kalamitätsholz der Waldabteilung 8 der Mainzer Stadtwerke vollständig zu nutzen und zu verwerten. 1000 Kubikmeter seien schon abgeholt. Das Holz werde zu Schnitzelholz verarbeitet und müsse hierfür baldmöglichst verkauft werden. Somit gebe es auch wirtschaftliche Gründe, weshalb die Rodungen gerade jetzt stattfinden.

Ein weiteres Problem

Velbecker berichtete über ein weiteres Problem, das sich negativ auf die Wiederaufforstung auswirken könne. Die Engerlinge der Maikäfer, die alle vier Jahre schlüpfen, könnten im nächsten Jahr ein Problem werden. Noch ernährten sie sich von Graswurzeln. Im kommenden Jahr machten sie sich aber an die Wurzeln der jungen Bäume, was sich böse auf die Wiederaufforstung auswirken könne. Ein weiterer Grund für den Faktor Zeit. Susanne Rapp

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