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Rolf Hopp sortiert und archiviert alte Luftaufnahmen aus der Vorkriegszeit.

Vergangenheit Nauheims

Rolf Hopp lässt Geschichte wieder aufleben

Wer sich am Sonntag für die sogenannten „Computer-Rundflüge“ von Rolf Hopp im Heimatmuseum interessierte, konnte nebenbei eine „Reise in die Vergangenheit“ unternehmen – mit Luftaufnahmen, Plänen und Karten von anno dazumal.

Mit seinen Computer-Rundflügen stößt Rolf Hopp auf wachsendes Interesse. Er nutzt, wie berichtet, Google-Earth, um sehenswerte Eindrücke aus Nauheim und der Welt auf der Leinwand zu zeigen. In welcher Form früher vergleichbare Bilder vorlagen, demonstrierte der Heimatforscher in einer begleitenden Ausstellung.

Einige Quadratmeter des Museumsbodens sind mit alten Bebauungsplänen bedeckt. Einer zeigt das Wohngebiet „Wolfsberg“, das einst mit Streuobstbeständen und Äckern überzogen war. Anfang der 1980er Jahre rückten die Bagger und Kräne an. Der „B-Plan“, wie Kommunalpolitiker es gerne sprachlich abkürzen, zeigt den Wolfsberg noch in seiner ursprünglichen Form.

Wesentlich älter ist eine zweite Karte, die für die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich war. „Das ist der nordwestliche Teil von Nauheim von 1947“, erklärt Hopp, während er das mehrfach gefaltete Papier ausbreitet. Wenige Minuten später machen Kinder große Schritte, um über die Zeichnungen eines Ortes zu hüpfen, der seinerzeit nur einen Bruchteil seiner heutigen Größe hatte. Ihre Oma zeigt ihnen alte Nähmaschinen, die den Platz dahinter einnehmen.

Nach dem Motto „Ja, so war das früher“ hat Hopp weitere Fotos in Vitrinen ausgelegt. Sie zeigen Luftaufnahmen unserer Region aus den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts und stammen aus einem Kalender, den ein Bankinstitut vor etwa dreieinhalb Jahrzehnten veröffentlichte. Nauheim, Rüsselsheim, Kelsterbach, Raunheim, Gernsheim sind mehr oder weniger leicht zu identifizieren.

Der Main und kleinere Flüsse wie der Schwarzbach sind darauf unveränderliche Erkennungsmerkmale, an denen sich jeder orientieren kann. An den Häusern jedoch weniger. „Da hat sich viel verändert“, sagt ein Betrachter. Das wird an weiteren großformatigen Lichtbildern deutlich, wovon eines offenkundig aus der Zeit vor der Besiedlung des Wohngebietes „Im Teich“ stammt, ein zweites wohl Jahre später entstand. Sie hingen einst im Rathaus.

Gerhard Gottfriedt und Rosel Pitzer schauen ganz genau hin. Es ist für sie fast wie eine Reise in die Vergangenheit, bei der sie versuchen, das eine oder andere Detail wiederzuerkennen. Etwa eine Verbindung vom Teich-Gebiet zu den Königstädter Wiesen, die so heute nicht mehr existiert.

Das Heimatmuseum entpuppt sich als Fundus für alle, die mehr an der Ortsgeschichte interessiert sind als an einem Blick auf die Instrumentenausstellung in einem Nebenraum. Fast unscheinbar wirkt ein Plan mit den alten Flurnamen. Er wurde 1972 von Heimatforscher Georg Diehl nach Überlieferungen auf Aufzeichnungen skizziert und unter anderem in der Ortschronik von 2001 veröffentlicht.

Im Museum liegt das Original. Darauf stehen die alten Gewann-Namen, wie sie einst im Sprachgebrauch noch geläufig waren. Der „Teich“ und das „Hartmannsloch“ im Osten kennen womöglich viele, die „Mühlheck“ war Namensgeber für eine Straße in der Nähe der Schule, auf den „Schinderäckern“ in direkter Nachbarschaft stehen seit gut zweieinhalb Jahrzehnten Häuser.

Mit den beiden Gewannen „Hinter der Kirche“ und „Vor der Kirche“ wissen wohl die Wenigsten noch etwas anzufangen. Sie stehen für zwei Flächen rund um die Jakobskapelle, die einst samt Friedhof dort stand, wo sich in der Bahnhofstraße der Saalbau befindet. „Wer heute dort gräbt, findet noch immer Gebeine“, heißt es im Museum, aber das ist eine andere Geschichte.

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