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Abreißen oder nicht? Wegen der Zukunft des roten Hauses der Grundschule Königstädten gehen die Meinungen auseinander. fOTO: sUSANNE rAPP

Grundschule

Rotes Haus ist ein sensibles Thema

  • vonDr. Susanne Rapp
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Mehrere Varianten für den Ausbau der Grundschule in Königstädten liegen auf dem Tisch. Auch über das rote Haus wurde jetzt im Ortsbeirat diskutiert.

Königstädten -Einen Großteil der jüngsten Ortsbeiratssitzung in Königstädten nahm das Thema der Weiterentwicklung der Grundschule in Anspruch. Baudezernent Nils Kraft (SPD) informierte die Anwesenden über vier Varianten baulicher Veränderungen, die eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Grundschule Königstädten ausgearbeitet hat.

Soll die benachbarte Kita Auerbacher Straße in die Planung einbezogen werden, und diese ausgelagert und in ein Nachbarschafts- und Familienzentrum, ähnlich dem, das in der B-Siedlung entsteht, integriert werden? Oder ist es besser, die Sporthalle auszulagern? Und was geschieht mit den Parkplätzen und dem Schulhof?

Als besonders sensibel stellte sich die Frage danach, was mit dem roten Haus geschehen soll, dar. Kraft erklärte, dass es sich bei den Varianten A bis D nur um grobe Machbarkeitsstudien handelt. Sicher sei jedoch, dass Königstädten größer geworden sei und dass Rüsselsheim eine junge Stadt mit hohen Schülerzahlen ist. Einstimmig angenommen wurde der Vorschlag des Ortsvorstehers Karl-Heinz Schneckenberger (Linke), die aktuelle Sitzung für Diskussionen zu verwenden, und erst bei der nächsten Sitzung über die Varianten abzustimmen.

Sieben bis acht Jahre Bauzeit

Kraft informierte darüber, dass Kosten von rund 41 Millionen für jede der vier Varianten angesetzt seien und die Baudauer sieben bis acht Jahre dauere. In der Diskussion äußerten die jeweiligen Vertreter der meisten Fraktionen bereits eine Meinung. Birgit Steinborn (Grüne) sagte, ein Nachbarschaftszentrum auf dem Nordteil des Friedhofs wäre ein hoher Gewinn für Königstädten.

Steinborn sprach sich für den Erhalt des roten Hauses aus, da dieses die Verbindung zum alten Ortskern erhalte. Enttäuscht zeigte sie sich darüber, dass nur sehr wenige Königstädter zur Sitzung gekommen waren, wo es doch um ein so wichtiges Thema gehe.

Ortsvorsteher Schneckenberger sprach sich für eine Variante aus, bei der weder die Kita noch das rote Haus abgerissen werden müssen. Das rote Haus sei "ein wichtiges Denkmal für Solidarität". Denn alle Königstädter, auch die Schüler hätten beim Wiederaufbau nach dem Krieg mitgeholfen. Die derzeitige Kita sei voll funktionsfähig. Warum diese also abreißen und viel Geld für einen Neubau ausgeben, stellte er die Frage.

Johann-Heinrich Schleidt (CDU) sprach im Namen seiner Fraktion. Diese bevorzugt eine Variante, bei der rotes Haus und Kita abgerissen werden. Er begründete die Entscheidung damit, dass es im roten Haus wegen der acht Stufen keine Barrierefreiheit gebe und eine energetische Aufrüstung notwendig sei. Wenn eine Veränderung der Grundschule anstehe, dann solle dies auf dem aktuellsten Stand geschehen. Daher sei eine moderne Variante anzustreben.

Kristin Becker, die Schulleiterin der Grundschule, schilderte noch einmal die derzeitige Situation. Notwendig seien Barrierefreiheit, ein großer Ganztagsraum, eine große Bücherei und ebenso ein viel größerer Verwaltungstrakt. "Was wir brauchen, ist auf dem Grundstück nicht realisierbar."

Daher strebe sie mit Variante A und B eine Auslagerung an. Das rote Haus sehe sie als Schulleiterin eher emotionslos und ihr sei nicht klar, welcher Schulteil in das rote Haus hineinpassen könne. Auf keinen Fall die Schüler, die als Klassen zusammen sein müssen. Sie überlasse es jedoch den Königstädtern, darüber zu entscheiden, wie wichtig ihnen das Gebäude sei.

Anwohner wollen mitreden

Frank Tollkühn (SPD) sieht die Ausgliederung der Kita in ein Familienzentrum als gute Chance. Für ihn sei es wichtig, möglichst alles an einem Standort zu belassen. Auch dürfe man nicht vergessen, für die Schule einen großen Pausenhof einzuplanen. Christian Vogt (Grüne) fragte nach dem historischen Wert des roten Hauses. Es steht nicht unter Denkmalschutz.

Auch Königstädter Bürger meldeten sich zu Wort: Erik Rumpeltesz fehlten die Mitsprache der Bevölkerung und der Anwohner rund um die Grundschule. In keiner der Varianten würden die Parksituation und das Verkehrsaufkommen berücksichtigt. Die Situation sei jetzt schon schwierig. Besonders morgens. Kraft sagte dazu: "Das, was wir jetzt haben, ist der Beginn." Im weiteren Planungsprozess würden auch Themen wie Parkplätze und Ähnliches berücksichtigt.

Ralph Römbach (FDP) machte den Vorschlag, ein neues Gebäude anstelle des roten Hauses zu errichten. Falls die Entscheidung so ausfiele, müsse es optisch so gestaltet werden, dass es in den Ortskern passe.

Auch Isolde Petigk, die ehemalige Ortsvorsteherin, äußerte sich zum Thema rotes Haus. Energetisch betrachtet sei das Gebäude "eine Katastrophe". Sie sprach die Stufen an, die für Rollstuhlfahrer unüberwindbar seien, die Alufenster aus den 70er-Jahren, die nicht anständig isolieren, die Jungentoilette und vieles mehr. Funktionell betrachtet sei das Gebäude für eine neue Schule nicht geeignet. Sie schlug vor, ein neues Gebäude ästhetisch und optisch an sein Umfeld anzupassen. Von Susanne Rapp

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