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Die Ermittlungen laufen: Die Spurensicherung hat gelbe Marker rund um den Tatort an der Filiale der Deutschen Bank am Marktplatz aufgestellt.

Kriminalität

Unbekannte sprengen Geldautomaten – Mehrere Hunderttausend Euro Schaden

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Am frühen Mittwochmorgen haben Unbekannte einen Geldautomaten in einer Bankfiliale am Rüsselsheimer Marktplatz gesprengt und konnten anschließend fliehen. Der Schaden wird auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt. Die Hausbewohner mussten kurzzeitig evakuiert werden.

Rüsselsheim -Ein Bild der Zerstörung bietet sich am frühen Mittwochmorgen den Passanten, die den Marktplatz queren: Herausgedrückte und zerborstene Fenster, unzählige Glassplitter am Boden, gelbe Tatort-Markierungen auf dem Asphalt und weiträumig gespanntes rot-weißes Flatterband vor der Filiale der Deutschen Bank.

Die Eingangstür ist aus den Angeln gerissen, die Dichtungen liegen verstreut herum und geben Hinweise darauf, mit welcher Wucht die Explosion stattgefunden haben muss. Die Spurensicherung ist früh morgens am Tatort, die Polizei befragt Zeugen. Was ganz genau passiert ist, ist noch unklar.

Fest steht nur: Am Mittwochmorgen haben um 3.07 Uhr bislang unbekannte Täter einen Geldausgabeautomaten in der Filiale gesprengt. Nach ersten Erkenntnissen gelangten die Täter an mehrere Geldbehälter. Über die Höhe der Beute ist derzeit nichts bekannt. Nach Zeugenangaben flüchteten die Täter vermutlich mit einem dunklen Audi in Fahrtrichtung Rugbyring. Eine sofort eingeleitete Fahndung, bei der auch etwa eine Stunde lang ein Polizeihubschrauber eingesetzt war, verlief bislang ohne Erfolg.

Temporäre Evakuierung

Ein Sprecher der Spurensicherung schätzt den entstandenen Schaden auf mehrere 100 000 Euro. Dazu, wie genau die Kriminellen vorgegangen sind, kann er sich nicht äußern, die Ermittler stehen noch ganz am Anfang. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, berichtet eine Sprecherin der Polizei. In den beiden Stockwerken über der Bank sind Sozialwohngruppen untergebracht, die kurzfristig evakuiert wurden. Insgesamt seien elf Personen aus den Wohneinheiten hinausbegleitet worden, die temporär auch mit der Hilfe einer Sozialarbeiterin der Stadt schnell untergebracht werden konnten, so die Sprecherin weiter.

Die Evakuierung war nötig, weil in Sprengungsfällen geprüft werden muss, ob sich noch Restbestände von den Sprengsätzen in den Räumlichkeiten befinden. Der Marktplatz war vorübergehend komplett abgesperrt, der Verkehr musste umgeleitet werden. Ein Statiker prüfte weiterhin die Einsturzgefahr des Gebäudes. Gegen sechs Uhr morgens konnten alle Bewohner wieder zurück in ihre Unterkünfte.

Auch Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) verschaffte sich bereits kurz nach dem Vorfall einen Überblick am Marktplatz. "Eine schreckliche Tat - zumal auch Menschenleben in Gefahr gewesen sind", sagt Bausch. Für ihn sei aber auch deutlich geworden, wie gut das Netzwerk der Hilfskräfte der Stadt funktioniere. "Das THW war schnell an Ort und Stelle, auch die Feuerwehr und natürlich die Polizei", berichtet der Oberbürgermeister. "Das hat gezeigt, dass wir mit solchen Situationen gut umgehen."

Schon der zweite Fall

Der erste Fall in Rüsselsheim ist das nicht: Bereits im Juli 2019 versuchten Unbekannte, einen Geldautomaten in der schräg gegenüber am Marktplatz liegenden Commerzbank zu sprengen. Damals wurde der Automat nur beschädigt, Geld im SB-Bereich abheben war erst nach drei Wochen wieder möglich.

Eine Anwohnerin erzählt, dass sie im Moment der Detonation sofort wusste, was passiert war: "Das war genau wie damals: der gleiche Explosionsknall. Ich bin direkt auf den Balkon gerannt, habe Männerstimmen gehört und das Auto wegfahren sehen", berichtet sie. Zeugen können sich an die Rüsselsheimer Polizeidienststelle unter (0 61 42) 69 60 wenden.

Glassplitter, eingedrückte Scheiben: Die Zerstörung ist groß am Marktplatz.

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