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Wie komfortabel ist Rüsselsheim für Radfahrer? Das kann aktuell beim Fahrradklima-Test des ADFC beurteilt werden.

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Rüsselsheim: „Eine coole Stadt zum Radfahren“

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Wie fahrradfreundlich ist die Stadt? Das will der Fahrradklima-Test des ADFC überprüfen. Die Meinungen der Bürger gehen stark auseinander.

Das klingt gut: Rüsselsheim hessenweit auf Platz eins im Fahrradklima-Test. Schade nur, dass beim genaueren Hinschauen auffällt, dass Rüsselsheim nur im Vergleich zu den sechs anderen Kommunen seiner Stadtgrößenklasse (50 000 bis 100 000 Einwohner) gut dasteht.

„Das Ergebnis sollte nicht überbewertet werden“, findet Mario Schuller, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Kreis Groß-Gerau. Im Grunde zeige die Benotung des hiesigen Fahrradklimas von 3,5, dass die anderen Kommunen nur noch schlechter waren.

Nicht mal „zufriedenstellend“ – die Wortbewertung der Note 3,5 – ist für Gerhard Dörr vom RV Opel 1888 allerdings der Zustand der Radwege in der Stadt. „Manche dürfte man nicht einmal so nennen“, sagt er. Oft fehle die Markierung, außerdem seien sie nicht immer breit genug. „Da ist nichts hervorragend“, bemängelt er.

Allein den Abschnitt auf der Haßlocher Straße, der seit kurzem auf der Autofahrbahn Radmarkierungen hat, findet er positiv. „Der ist breit genug und deutlich zu sehen“, so Dörr. Gerade für E-Bike-Fahrer seien breite Radwege abseits des Bürgersteigs wichtig.

Als wenig rücksichtsvoll schätzt er die Autofahrer ein. „Da muss man höllisch aufpassen auf dem Rad“, meint er. Ein Helm sei Pflicht, defensives Fahren ebenso. Faktisch im Recht zu sein, zähle hier nicht.

Ralf Murken, Zweiradmechanikermeister, sieht die Situation entspannt, weiß aber um die Tücken des Radler-Alltags in der Stadt. „Fahrradfahren in Rüsselsheim ist Hindernisfahren“, sagt er schmunzelnd. Man müsse am besten immer mit dem Schlimmsten rechnen, dann komme man schon gut durch. Die neuen Radwege auf der Fahrbahn findet er gut, immerhin müsse man nun nicht mehr den aus ihrer Ausfahrt ausparkenden Autos ausweichen. Aber er findet auch: „Wenn man Fahrrad fahren will, dann fährt man.“

Dem kann Sebastian Robl zustimmen. Der Rüsselsheimer ist in der gesamten Region viel mit dem Rad unterwegs. In der Stadt wünscht er sich mehr Rücksicht und Sorgsamkeit. Vor allem stören ihn die vielen geparkten Autos, die die Radwege behindern. Er kann sich ein radikales Konzept vorstellen: „Die Innenstadt sollte am besten autofrei sein“, sagt er. Das sei mit größeren Parkplätzen außerhalb realisierbar und die Öffentlichen würden ebenfalls davon profitieren. Durch Leihräder könnte das Ganze unterstützt werden, findet er.

Dass die Radfahrer selbst mehr tun können, findet er auch. Er plädiert für verantwortungsvolles Radfahren. „Man muss Rücksicht nehmen und auch mal langsam fahren“, meint Robl. Problematisch findet er Fußgänger, die sorglos und gedankenverloren auf den Radwegen unterwegs sind. „Viele Schüler haben Kopfhörer auf, die kriegen gar nichts mit“, sagt er.

Ein positives Bild von Rüsselsheim als Radfahrer-Stadt zeichnet dagegen Celina Moreno. Sie kann vor allem die Kritik an parkenden Autos nachvollziehen – „Vor allem in kleinen Straßen muss man aufpassen, dass man nicht übersehen wird“ –, aber insgesamt seien die vorhandenen Radwege gut gekennzeichnet. Für Familien mit Kindern gebe es ruhigere Ausweichstraßen, für Schnellfahrer direkte Routen.

Als störend empfindet sie die „Radsportler, die hier oft unterwegs sind. Für andere ist es echt anstrengend, so rasant überholt zu werden“, sagt sie. „Die Stadt ist kein Ort zum Trainieren.“ Gut gefallen der Studentin aus Bauschheim die Anbindungen in die Rüsselsheimer Stadtteile über Feld- und Waldwege. „Die sind richtig fahrradfreundlich. Es fehlt nur noch eine Beleuchtung“, meint Moreno.

Ihr Fazit: „Rüsselsheim ist eine coole Stadt, wenn’s ums Radfahren geht.“

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