Voller Tatendrang: Franziska Weiser setzt sich als junge Unternehmerin für zukunftsgerechte Mobilität ein. FOTO: STELLA LORENZ
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Voller Tatendrang: Franziska Weiser setzt sich als junge Unternehmerin für zukunftsgerechte Mobilität ein. FOTO: STELLA LORENZ

Verkehrswende

Rüsselsheim: Einsatz für nachhaltige Mobilität

Unnötige Wege vermeiden, Verkehr effizienter und umweltfreundlicher machen, Gemeinschaft stärken: Franziska Weiser entwickelt Lösungen für eine bessere Zukunft.

Rüsselsheim-Mobil zu sein - was bedeutet das eigentlich heutzutage? Für Franziska Weiser ist ganz klar: Mobilität kann und muss mehr sein, als sich nur ins eigene Auto zu setzen, um von A nach B zu kommen. "Mir ist das extrem wichtig, Mobilität mit gesellschaftlichem Wandel zu verbinden", sagt die 27-jährige Ingenieurin. Nach Studium und Berufserfahrung hat sie im Mai vergangenen Jahres deshalb ihr eigenes Unternehmen gegründet, das sich für diesen nachhaltigen und sozialen Mobilitätsgedanken einsetzt.

Das Konzept von Carré Mobility basiert auf drei Säulen: Selbst fahren, Mitfahren und Mitbringen, deren Anwendung stark im jeweiligen Viertel verankert ist. Konkret bedeutet das: Einem Quartier werden verschiedene Vehikel - beispielsweise E-Autos, E-Roller, Lastenräder - zur Verfügung gestellt, die sich die Bürger per App ausleihen können. Ebenfalls über die App kann man dann gleich mitentscheiden, ob man Nachbarn eine Mitfahrgelegenheit bieten will oder ihnen vielleicht vom Einkauf etwas mitbringen möchte.

Ein partizipativer Ansatz

Vor allem die Mitbringen-Säule ist für Franziska Weiser momentan am wichtigsten. Die Funktion soll als Testballon zum Beispiel in der Böllensee-Siedlung bald zur Verfügung stehen. "Wir verfolgen einen partizipativen Ansatz", sagt die Rüsselsheimerin. Sie wünscht sich, dass sich so einerseits ein gutes Nachbarschaftsnetzwerk entwickelt und andererseits auch doppelte Verkehrswege gespart werden. Dafür sind sie und ihr Team bereits in Gesprächen mit der Stadt, den Stadtwerken und dem kommunalen Quartierskonsortium, zu dem unter anderem auch die Gewobau zählt. Außerdem wird gemeinsam mit dem Research Lab for Urban Transport der Frankfurt University of Applied Sciences eine Umfrage zur Bedarfsanalyse entwickelt.

Im nächsten Schritt werden die Anwohner informiert - auch die Gewerbetreibenden. Denn gerade kleinere Einzelhändler könnten von der sozialen Mobilitätsplattform profitieren, sagt Weiser. Wie das funktioniert, zeigt die Umsetzung des Projektes "KiezFreund" in Berlin, das von Carré Mobility unterstützt wird.

Dort können Geschäfte nach Kundenwunsch Einkäufe kommissionieren, die dann nur noch vom Mitbringer per Lastenrad abgeholt werden, ohne, dass dieser für den Nachbarn lang suchen muss. Für den Mitbringenden gibt es übrigens einen kleinen finanziellen Ausgleich vom ,Besteller' - digital bezahlbar ebenfalls über die App.

"Wir wollen das Prinzip des Mitbringens in den Vierteln einführen und schauen, wie es läuft", sagt Franziska Weiser. Sie ist überzeugt davon, dass bedarfsgerechte Mobilität der richtige Weg ist. Das Auto zu verteufeln, hält sie für falsch - aber es effizienter, also mit mehreren und eben nur nach Bedarf, zu nutzen sei sinnvoll. Selbst besitzt sie kein Auto mehr. Daraus sei eigentlich die Idee zu Carré Mobility entstanden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Rad komme man zwar gut voran, aber umstandsabhängig auch mal ein Auto zur Verfügung zu haben, ohne es zu besitzen, das gibt es in den Rüsselsheimer Quartieren noch nicht. Weiser will das künftig ändern. Mobilität ist ihr Herzensanliegen: Schon ihr Großvater und beide Eltern waren Opelaner. "Ich fand das also früh spannend, aber wusste auch schnell, dass ich zukunftsorientiert und nachhaltig damit arbeiten wollte", sagt Weiser. Sie studierte dual Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Rhein-Main und beschäftigte sich anschließend auch im Job mit "unkonventioneller Mobilität", wie sie es nennt.

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagte sie mit größter Sicherheit und aus voller Überzeugung. "Ich wollte es einfach versuchen", sagt Weiser. Etwas eigenes zu schaffen und damit im besten Fall eine gesellschaftliche Transformation zu bewirken, ist für sie nach wie vor reizvoll. Dass es auch in ihrer Heimatstadt klappen könnte, ist ihr Ziel. "Rüsselsheim hat Potenzial. Und mit dem Vierklang aus Stadt, Stadtwerke, Gewobau und Carré Mobility kann das funktionieren", sagt sie optimistisch.

Kommentar von Stella Lorenz: Von der Utopie zur Realität

Es klingt nach Utopie, und noch ist es auch eine: Autos werden geteilt, Lastenräder kann jeder fahren, der möchte, Elektromobilität ist kein Privileg und obendrein helfen sich die Nachbarn auch noch beim Erledigungen, um unnötige Wege zu vermeiden. Dafür notwendig ist nachhaltige Mobilität - ein Thema, das uns noch viele Jahre beschäftigen wird. Umso mehr brauchen wir Menschen, die sich vernetzen, aktiv werden und eigene Ideen haben, um die Utopie zur Realität zu machen. Wenn junge Menschen wie Franziska Weiser Einsatz zeigen und zukunftsweisende Lösungen entwickeln, damit weniger Straßen zugeparkt sind, weniger Emissionen und Lärm erzeugt werden und letztlich Gemeinschaft gefördert wird, dann kann der Wandel zur ökosozialen Gesellschaft gelingen.

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