+
Raus aus der Kiste, rein in die Tüte: Für einen hygienischeren Ablauf können sich die Tafel-Kunden nun aus vorgepackten Kisten bedienen. Foto: Stella Lorenz

Kein übermäßiger Andrang bei der Rüsselsheimer Tafel

Rüsselsheim: Die erste Tafel-Ausgabe läuft geordnet ab

  • schließen

Mit reduzierter Helferzahl, aber dafür mit vielen frischen Lebensmitteln hat die Tafel am Dienstagmittag ihre erste Ausgabe nach sechs Wochen gemeistert. Leiter Ralf Zimmermann zeigte sich zufrieden mit der Fülle an Obst und Gemüse; lediglich etwas mehr Haltbares und Milchprodukte hätten es sein können. Die Sorge vor einem enorm hohen Andrang blieb unbegründet

Rüsselsheim-13.30 Uhr. Im Erdgeschoss der Hans-Sachs-Straße 86d herrscht reges Treiben. Acht Erwachsene eilen hin und her, alle natürlich mit Maske. Per Zuruf geben sie sich nur kurze Anweisungen. Nervosität liegt in der Luft. In einer halben Stunde öffnet die Tafel nach sechs Wochen Pause ihre Türen, niemand weiß genau, was die Helfer erwartet.

Zur Sicherheit soll schnell noch durchgegangen werden, wie der Besuch der Bedürftigen ablaufen könnte. "Ich bin der Kunde", sagt eine Tafel-Ehrenamtliche. "Ich komme zuerst hier an, dann gehe ich hier hin, und nehme mir etwas", führt sie die Simulation fort. "Ja, so machen wir's", stimmt ihr Kollege zu.

Ausreichend Obst und Gemüse

Unter den Ehrenamtlichen ist auch Ralf Zimmermann, Leiter der Rüsselsheimer Einrichtung. Auch er ist angespannt, aber zumindest sind genug Lebensmittel da. "Das ist sehr gut. Ich bin positiv überrascht", sagt er erleichtert. Wie lange die Situation so bleibt, wagt er nicht zu sagen. Obst und Gemüse gibt es reichlich, Haltbares und Milchprodukte könnten indes mehr vorhanden sein. Dennoch: "Das hier sind ungefähr 120 Prozent vom Durchschnittswert. Wir hatten schon schlechtere Ausbeuten", so Zimmermann. Es sind weniger Helfer als sonst da - zum Schutz der Freiwilligen. Bei so vielen Lebensmitteln sei das aber fast problematisch gewesen. "Heute morgen waren drei Frauen da, die freiwillig geholfen haben. Das fand ich toll", sagt die Ehrenamtliche Barbara Hünerfeld. "Die haben wir auch gebraucht."

Gemeinsam mit den anderen Helfern hat sie Kisten im voraus gepackt. Jeder Bedürftige bekommt an den Stationen - zum Beispiel beim Obst, bei den Backwaren, bei den Milchprodukten - eine Kiste vorgesetzt und darf sich herausnehmen, was er oder sie möchte. Normalerweise gibt es keine Vorauswahl, aber die Situation erfordere eben diese Maßnahmen.

Um den Ablauf möglichst schnell zu gestalten, wird der Beitrag von zwei Euro pro Abholung in den ersten Monaten nicht kassiert. Dennoch erhalten nur Bedürftige mit Tafel-Ausweis Zutritt. Derzeit werden so oder so keine neuen Tafel-Anmeldungen angenommen, aber das sei nur eine Frage von Wochen. Dann werde es kritisch. Jobcenter-Anweisungen wie "Gehen Sie zur Tafel, da bekommen Sie Essen" seien irreführend, seufzt Zimmermann. Er will die Leute ungern abwimmeln, aber die Tafel habe keinen Versorgungsauftrag.

Freiwillige haben sich gemeldet

Die ersten Ausgaben sollen jetzt jedenfalls genutzt werden, um für die kommenden Wochen zu lernen und zu optimieren. Der Auftakt am 5. Mai verläuft dann ruhiger als gedacht. Um 14 Uhr stehen vier Menschen im ordentlichen Abstand in der Schlange, Absperrband markiert auf dem Parkplatz vor der Tafel die Wege. Ralf Zimmermanns Sohn Tim hat noch säuberlich Ein- und Ausgangspfeile auf den Boden gemalt. Auch er hilft mit. Überhaupt haben sich ein paar junge Freiwillige gemeldet, erzählt Ralf Zimmermann. "Es könnten noch ein paar mehr sein", sagt er schmunzelnd.

Um 14.15 Uhr sind die ersten Kunden bereits fertig und die Erleichterung steht den Tafel-Helfern ins maskierte Gesicht geschrieben. Auch der Nachmittag ist entspannt. "Es läuft ruhig, aber stetig", so Zimmermann. Stella Lorenz

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare