Immer wieder werden Internet-Nutzer in Shops gelockt, die es gar nicht gibt.	Foto: Daniela Hamann
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Immer wieder werden Internet-Nutzer in Shops gelockt, die es gar nicht gibt.

Kriminalität

„Fake“-Shops: Wenn der Online-Einkauf zum Alptraum wird

  • vonDr. Daniela Hamann
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Angebote, die es gar nicht gibt: Die Polizei Südhessen warnt vor sogenannten „Fake“-Shops. Auch in Rüsselsheim gab es im vergangenen Jahr einige Fälle.

Rüsselsheim - Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein. Doch das digitale Shopping-Vergnügen kann schnell zum Alptraum werden. Denn neben den seriösen Anbietern versuchen auch immer mehr Kriminelle, mit sogenannten "Fake"-Shops an die Euros der Einkaufenden zu gelangen. Oft zahlen die Kunden gutgläubig den Preis, erhalten dann jedoch nie die bestellte Ware.

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Polizeipräsidium Südhessen 25 Fälle im Kreis Groß-Gerau. Davon entfielen fünf Fälle auf Rüsselsheim. Strafanzeigen zu Betrugsfällen im Internet werden im Kreis Groß-Gerau vom Kriminalkommissariat 23 in Rüsselsheim (K23) bearbeitet. Nur zwei der Fälle konnten 2019 geklärt werden.

Rüsselsheim: Polizei warnt vor „Fake“-Shops - Mehr Fälle seit Corona-Pandemie

Bernd Hochstädter, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Südhessen, sagt zur Statistik: "Die Zahlen sind mit etwas Vorsicht zu genießen. Nicht wenige Fälle, die bei uns angezeigt werden, haben ihren Tatort ganz woanders und fallen somit aus unserer Statistik heraus. Der eigentliche Tatort kann also beispielsweise in Norddeutschland oder gar im Ausland liegen, weil dort der Tatverdächtige wohnt und aktiv wurde, unabhängig davon, ob der Geschädigte aus dem Kreis Groß-Gerau kommt." Seit dem Beginn der Corona-Pandemie hätten die Aktivitäten der Cyberkriminellen unter dem Deckmantel "Corona-Krise" zugenommen, bestätigt Hochstädter. "Die Betrüger sind aktuell richtig aktiv und nutzen die Unsicherheit der Bürger aus."

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Opfer nach der Anzeige sein Geld wieder zurückerhält oder gar die bestellte Ware tatsächlich zugeschickt bekommt? Auch darauf kann Bernd Hochstädter keine ermutigende Antwort geben: "Die Wahrscheinlichkeit, wieder an sein Geld zu kommen, ist sehr gering. Das hängt damit zusammen, dass die Täter in der Regel von außerhalb Deutschlands agieren und auch die Bankverbindungen dorthin führen. Für weitere Ermittlungen erforderliche Rechtshilfeersuchen sind nur bei Straftaten mit erheblichem öffentlichem Interesse - wie zum Beispiel bei schweren Straftaten - begründbar." Eine Strafanzeige bedeute leider nicht, dass man an sein Geld kommt. Die Ermittler versuchten lediglich, den Täter zu überführen und ihn seiner Strafe zuzuführen. Um an das verlorene Geld zu kommen, müsse man auch noch den Privatklageweg einschlagen. Dazu sei es sinnvoll, sich einen rechtlichen Beistand zu suchen.

Rüsselsheim: Vorsicht bei Online-Shops - Kein Impressum, falsche Gütesiegel

Kriminalhauptkommissar Michael Rühl ist Fachberater für die Prävention von Cybercrime beim Polizeipräsidiums Südhessen. Er hat sein Büro in Rüsselsheim. Er erklärt, woran man einen Fake-Shop erkennt: "Oft finden sich kein Impressum, keine Angaben zur Gerichtsbarkeit im Streitfall oder deutsche Handelsregisternummer sowie keine Auflistung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) auf der Webseite. Ein weiteres Kennzeichen ist die fehlende telefonische Erreichbarkeit. Oft ist die Webdomain/Website unprofessionell gestaltet oder es gibt keine professionelle Übersetzung. Einige Fake-Händler verwenden gefälschte Gütesiegel. Im Vergleich zu den Preisvergleichsportale sind die angebotenen Waren in den meisten Fällen erheblich günstiger."

Weitere Charakteristiken eines Fake-Shops seien auch deutschsprachige Webseiten mit einem ausländischen Impressum. Michael Rühl gibt einen nützlichen Tipp: "Durch Google-, Bing- oder Yahoo- Suchanfragen können vorab Erfahrungen über die jeweiligen Shops abgerufen werden. Im Zweifelsfall können Internetnutzer auch vor einem Kauf Rücksprache mit unserer Fachberatung halten. Zudem gibt es in jedem Polizeipräsidium in Hessen einen Fachberater für die Prävention von Cybercrime." Eine weitere Ansprechstelle sei zudem die Verbraucherzentrale in Rüsselsheim.

Um sich generell vor Betrug oder Hacking-Angriffen im Netz zu schützen, gibt Kriminalhauptkommissar Michael Rühl folgende Hinweise:

Verwenden Sie einen aktuellen Webbrowser

Halten Sie Ihre Software aktuell

Nutzen Sie Virenschutz und Firewall

Legen Sie unterschiedliche Benutzerkonten an

Nutzen Sie unterschiedliche Passwörter und ändern Sie sie bei Bedarf

Seien Sie vorsichtig bei E-Mails und deren Anhängen/Hyperlinks

Laden Sie Daten nur aus vertrauenswürdigen Quellen herunter

Seien Sie zurückhaltend mit der Weitergabe persönlicher Daten/kein Versenden von Pass- oder Personalausweis-Kopien

Schützen Sie Ihre Daten durch Verschlüsselung

Fertigen Sie regelmäßig Sicherheitskopien an

(Von Daniela Hamann)

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