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Erntehelfer für Spargel fehlen - aber andere springen ein

Rettende Idee

Erntehelfer für Spargel fehlen - Deshalb: Köche auf dem Acker

Eigentlich sollten wieder Erntehelfer aus Rumänien nach Rüsselsheim kommen. Aber wegen der Coronakrise sind die Grenzen dicht. Jetzt gibt es eine ungewöhnliche Lösung.

  • In Rüsselsheim fehlen Erntehelfer
  • Sonst kommen Saisonkräfte aus Südosteuropa zur Spargelernte
  • Dieses Jahr kommt in Rüsselsheim Hilfe von unerwarteter Seite

Rüsselsheim - Es liegen anstrengende Tage hinter Herbert Jung aus Bauschheim. Denn der Landwirt hat ein Problem. Eigentlich müssten mittlerweile zehn Erntehelfer aus Rumänien auf seinem Bauernhof eingetroffen sein, weil die Erntesaison bald beginnt. Die Betonung liegt auf eigentlich.

Täglich neue Entwicklungen belasten den Bauern aus Rüsselsheim

"Wir gehen derzeit davon aus, dass wir in diesem Jahr keinen einzigen Erntehelfer aus Rumänien bekommen werden", sagt Jung. Der Grund dafür ist, wie für zahlreiche andere Einschränkungen auch, das Coronavirus.

"Die Grenzen sind zu, und viele der Erntearbeiter haben Angst, sich überhaupt auf den Weg zu machen", sagt Jung. Viele der Helfer kommen jedes Jahr zu ihm auf dem Hof, daher ist der Verlust besonders bitter. "Ich kann es ihnen aber nicht verdenken, schließlich bin ich auch sehr unsicher, jeden Tag gibt es ja neue Entwicklungen."

Das Gemüse in Rüsselsheim muss bald geerntet werden

Dabei gibt es keine Zeit für Jung zu verlieren: Jetzt geht es mit dem Spargel los, bald folgen Brokkoli, Radieschen und Blumenkohl. Doch wer soll das alles ernten, wenn weit und breit keine Erntehelfer zu finden sind? "Für uns als Hof war das schon eine existenzielle Frage: Was machen wir, wenn wir am Ende gar keine Erntehelfer haben?" Am Ende könnte das Gemüse auf den Feldern bleiben. Denn alles alleine zu ernten, das sei allein schon von der großen Menge der Lebensmittel keine Option.

Rüsselsheim: Hilfe für die Ernte kommt von unerwarteter Seite

Doch dann ergab sich eine mögliche Lösung. "Einige Restaurants und Gaststätten sind auf mich zugekommen und haben gefragt: Wäre es möglich, dass unsere Köche und unser Küchenpersonal bei dir aushelfen könnten?", berichtet Jung.

Zunächst sei er überrascht gewesen, wie er heute zugibt. "Ich hatte da ehrlich gesagt gar nicht daran gedacht. Aber als ich eine Nacht drüber geschlafen hatte, wurde mir klar: Natürlich, das liegt ja auf der Hand!" Für beide Parteien ist dieser Vorschlag eine Win-Win-Situation. Jung bekommt seine Erntehelfer, und das Küchenpersonal kann sich, während die Gastronomie geschlossen ist, etwas dazuverdienen. 

In Rüsselsheim gibt es für jeden die richtige Arbeit

"Ich finde diese Idee sehr gut, daher habe ich direkt zugesagt", sagt Jung. Mittlerweile haben sich sogar deutlich mehr als zehn potenzielle Erntehelfer gemeldet, nicht nur aus der Gastronomie, sondern auch andere Bürger, die jetzt in Kurzarbeit oder im unbezahlten Urlaub sind. "Natürlich ist das nicht optimal", sagt Jung.

Einen ganzen Tag lang sechs bis sieben Stunden auf dem Feld zu stehen und Spargel zu stechen, ist ein ziemlicher Knochenjob. "Wenn jemand im Büro arbeitet und dann plötzlich diese harte Arbeit machen soll, der ist da sicherlich überfordert."

Dennoch ist er über jeden Helfer froh. "Wir werden die passende Beschäftigung für jeden finden", sagt Jung. "Wir brauchen ja nicht nur Leute, die ernten, sondern auch für die Pflege, zum Setzen und zum Gießen - also Aufgaben mit weniger körperlichen Betätigungen."

Bauer Jung aus Rüsselsheim hofft auf die Politik

Er ist da flexibel, denn nur so, ist er überzeugt, wird die diesjährige Ernte überhaupt zu schultern sein. "Gerade von Leuten, die in Kurzarbeit sind, kann man ja nicht erwarten, fünf oder sechs Tage die Woche auf dem Feld zu stehen. Auch wenn jemand nur zwei oder drei Tage die Woche kann, würde er uns sinnvoll unter die Arme greifen."

Herbert Jung, Landwirt

Nun hofft er, dass alles schnell geregelt wird, damit die Ernte schnell beginnen kann. Da jedoch gibt es einen Haken. "Ich hoffe, dass die Politik da auch die Ausnahmesituation erkennt und die Hürden für die Beschäftigungsverhältnisse herunterfährt", sagt Jung.

Bürokratie der kurzen Wege kann in Rüsselsheim helfen

Natürlich werde man alle neuen Erntehelfer versichern, aber wenn man jedes Mal alles in puncto Krankenversicherung und Rente abklären müsse, dann säße man nächstes Jahr noch ohne Erntehelfer da. Er ist jedoch optimistisch. "Ich glaube, die Politik hat den Ernst der Lage erkannt und wird uns da nicht von der Seite reingrätschen."

Deutschland brauche jetzt eine Bürokratie der kurzen Wege, damit so schnell es geht neue Erntehelfer ihre Arbeit beginnen können. Sicher, er sei in einer speziellen Situation.

Rüsselsheimer Bauer Jung ist zuversichtlich

"Wir haben nur zehn Erntehelfer eingeplant, ich weiß nicht wie es Großbetriebe machen, die jedes Jahr 500 Rumänen holen. Für die wird es sehr schwer, Ersatz zu finden."

Dennoch, seine Stimmung ist derzeit gut. "Ich glaube wir können das alles gemeinsam meistern. Dass wir jetzt doch Hilfe bekommen, zeigt doch, dass es noch immer einen Zusammenhalt in der Gesellschaft gibt." Er ist überzeugt: "Gemeinsam schaffen wir das!"

Von Alexander Seipp

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