Elfriede Schleidt aus Königstädten und Hund Reilly trauern um ihren Begleiter Murphy. Ein Stoffhäschen hält die Totenwache. Der Hund ist in Rüsselsheim bei Frankfurt vergiftet worden.
+
Elfriede Schleidt aus Rüsselsheim und Hund Reilly trauern um ihren Begleiter Murphy. Ein Stoffhäschen hält die Totenwache.

Trauer in Rüsselsheim

Hund „Murphy“ stirbt durch Gift: Besitzerin warnt eindringlich vor Hundehasser

Beim Gassigehen muss Hund „Murphy“ einen vergifteten Köder gefressen haben. Die betroffene Familie warnt andere Halter vor einem möglichen Hundehasser in Rüsselsheim.

Königstädten – Das Hündchen liegt auf einer ausgebreiteten Decke, die Augen schauen ins Leere. Ein Stoffhäschen hält die Totenwache. Früher war der Raum ein Schweinestall. Gegrunzt wird hier jedoch schon einige Jahre nicht mehr.

Elfriede Schleidt bahrt ihren Murphy hier auf. Brav liegt er hier, wird nie wieder kläffend über den Hof des früheren landwirtschaftlichen Anwesens von Elfriede und Hans Schleidt aus Königstädten flitzen.

Rüsselsheim bei Frankfurt: Tierarzt kann nichts mehr für Hund „Murphy“ tun

Der zwölf Jahre alte Shetland Sheepdog wurde vergiftet. Am Montagabend wird er im Tierklinikzentrum Walluf nach Stunden des Leidens eingeschläfert. "Der Arzt konnte nichts mehr machen", sagt sein Frauchen tieftraurig.

Murphy lässt nicht nur Elfriede und Walter Schleidt sowie ihre erwachsene Tochter Saskia zurück, sondern auch seinen drei Jahre jüngeren Halbbruder Reilly. Die beiden Shelties haben den gleichen Vater. Reilly bellt weiterhin, will den Hof vor Eindringlingen beschützen und muss nun ohne seinen Gefährten durch das Leben gehen.

Hund frisst etwas beim Spaziergang in Rüsselsheim und wird krank

Am Sonntagabend geht Elfriede Schleidt mit ihren beiden Lieblingen noch einmal ums Eck. Die Hintergasse, die Froschgasse, die Obergasse, sie liegen nahe am Hof. Hier trifft die 70-Jährige andere Hundefreunde mit ihren Vierbeinern. Und hier passiert es irgendwo. Murphy frisst etwas, das er besser hätte verschmähen sollen.

Um 19.30 Uhr ist Elfriede Schleidt wieder zurück in der warmen Stube. Zweieinhalb Stunden später wird Murphy unruhig, in der Nacht fängt er an zu zittern. Am frühen Morgen fahren Elfriede und Hans Schleidt mit ihrem Hund zu ihrem Tierarzt nach Wallau.

Eine Untersuchung ergibt sehr schlechte Blutwerte. Murphy wird geröntgt, auch ein Ultraschall soll Aufschluss über seinen bedauernswerten Zustand geben. Im Magen-Darm-Trakt befindet sich Flüssigkeit, der Sheltie erhält Infusionen.

Verdächtige Gegenstände in Erbrochenem von Hund in Frankfurt

Die Schleidts verbringen den ganzen Tag bei ihrem Hund in der Klinik. Am Abend erbricht sich ihr Murphy. Eine Kordel zum Zusammenbinden von Würsten und ein Streifen Alufolie befinden sich im Erbrochenen. Jetzt speit Murphy auch noch Blut aus.

"Die Ärzte konnten nichts mehr machen. Sie schläferten ihn ein, damit er keine Schmerzen mehr ertragen musste", berichtet Elfriede Schleidt, Reilly im Arm haltend. Um 19 Uhr, also genau 24 Stunden nachdem Murphy zu seinem letzten Gassi aufbricht.

Tierarzt ist sicher: Hund in Rüsselsheim ist vergiftet worden

Der Tierarzt sei sich sicher, dass der Hund vergiftet wurde. Die Symptome ließen nicht auf eine Erkrankung der Organe schließen. Der Zustand habe sich zudem sehr schnell verschlechtert. Die Vermutung liege nahe, dass vergiftete Nahrungsmittel mit der Alufolie verpackt worden seien, die mit der Kordel zusammenhalten wurden. Sie könnten das Gift feststellen lassen, was aber sehr kostspielig sei, sagt der 72-jährige Hans Schleidt.

"Wer macht so etwas?", fragt sich seine Frau erschüttert. Vielleicht jemand, der sich über Hunde ärgert, lautet ihre Antwort. Aus dem Viertel also sicher niemand, denn hier habe fast jeder einen Hund, weiß Hans Schleidt. Den Täter zu finden, sei schier unmöglich, bei der Polizei wollen sie die Vergiftung ihres Hundes aber dennoch anzeigen.

Nicht der erste vergiftete Hund in Rüsselsheim: Besitzerin will Hundebesitzer warnen

Vor einem halben Jahr sei im Blauen See ebenfalls ein Hund vergiftet worden, wissen die Eheleute. Die Hundebesitzer werden seither gebeten, ihre vierbeinigen Freunde an der Leine zu führen. Elfriede Schleidt wendet sich bewusst an die Presse, um die Hundehalter zu warnen. Sie sollen aufpassen, dass ihr Hund nichts von der Straße frisst.

Auch wenn sie tief betroffen ist, wirkt sie gefasst. "Wir haben noch eine Aufgabe", sagt sie und blickt auf Reilly. Der kam übrigens in die Familie, weil Murphy Fressprobleme hatte und sensibel war. Er sollte seinen Halbbruder aufmuntern.

Die Schleidts hielten auf ihrem Hof Nutztiere. Zu den Hunden entstand eine persönliche Bindung. Sie durften ins Haus, hatten im Schlafzimmer ihr Bettchen. Wird es einen neuen Begleiter für Reilly geben? Elfriede Schleidt will zunächst abwarten, wie er den Verlust verkraftet. Den ersten Tag habe er mit Trauer verbracht und viel geschlafen. Wenn er sich nicht fange, werde sie überlegen, ob er einen neuen Freund erhält. (Rüdiger Koslowski)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare