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Endlich wieder schneiden, färben und föhnen: Friseurin Meron Wegerhoff kann sich wieder den Kunden widmen. Foto: Alexander Seipp

Rüsselsheimer Friseure

Rüsselsheim: Friseursalons dürfen wieder öffnen

Nach sechs Wochen Schließung wegen Corona öffnen die Friseursalon wieder ihre Türen. Doch vieles hat sich verändert.

Bauschheim-Als Brigitte Drees aus dem Laden kommt, ist ihr die Freunde anzusehen, und das trotz Gesichtsmaske. "Das letzte Mal war ich Ende Februar hier, da war das noch eine andere Welt", sagt die Kundin. Deshalb ist die Freude groß.

Drees hat einen der begehrtesten Plätze dieser Tage für sich beansprucht: auf einem Friseursessel. Sechs Wochen mussten die Salons geschlossen bleiben und Kamm, Schere und Färbemittel warteten auf den Tag der Öffnung. Am Montag war es dann endlich so weit.

"Uns fällt natürlich allen ein riesiger Stein vom Herzen", sagt Friseurmeisterin Sonja Süssmann, die den Friseursalon in der Bauschheimer Brunnenstraße betreibt. Zwar sei die Freude sehr groß, dennoch sei die Situation ungewohnt. Und das liegt nicht nur an den unübersehbaren Gesichtsmasken und Handschuhen, die alle Mitarbeiterinnen tragen. Vieles hat sich im Laden verändert: Zwischen zwei Kunden muss immer ein Sitz leer bleiben und der eigentlich so einladende Wartebereich - zwei bequeme Ledersessel, in denen die Kunden sonst die Wartezeit mit Cappuccino und Zeitung überbrücken - darf nicht mehr benutzt werden.

Bis Ende Mai fast ausgebucht

"Herzlichkeit war für uns immer etwas ganz Wichtiges, der Großteil unserer Kundschaft kommt seit vielen Jahren zu uns, man ist per du, und zur Begrüßung gibt es bei einigen sogar eine Umarmung", sagt Süssmann etwas traurig, denn all dies kann jetzt nicht mehr stattfinden. Die angenehme Wohnzimmeratmosphäre, die seit dem Umbau vor ein paar Jahren im Friseursalon herrschte, ist vorerst zunichte gemacht.

Dennoch: Die Alternative wäre gewesen, gar nicht aufzumachen. "Das kam für uns gar nicht in Frage", sagt sie. Denn selbst in Zeiten der Schließung wurde Kontakt zu den Kunden gehalten. So kommt es auch, dass der Salon bis Ende Mai fast ausgebucht ist. "Alle wollen kommen, sei es für einen Haarschnitt oder fürs Färben." Dass alle im Laden dabei eine Maske tragen müssen, ist dem Großteil egal. ";Mir macht das nichts aus", sagt Drees.

Trotzdem sei es komisch, die Haare geschnitten zu bekommen und im Spiegel den Mundschutz zu sehen. "Es hat ja etwas Anonymes", sagt die Kundin. "Deswegen finde ich den, gerade beim Friseur, so blöd: Der persönliche Kontakt ist da ja sehr wichtig. Aber was soll man machen."

Auch für die Friseurinnen war das eine große Umstellung. "Viele Abläufe passieren ja fast automatisch, wegen der neuen Regeln muss sich das erst alles wieder einspielen", sagt Süssmann. "Wir wollen den Kunden ja trotzdem den gewohnten Service bieten. Daher läuft derzeit noch alles etwas langsamer ab, aber mit der Zeit wird das alles wieder schneller gehen."

Und mehr Zeit müssen viele Kunden dann auch einplanen. "Wir müssen jedem Kunden die Haare waschen, Trockenschnitte sind derzeit nicht erlaubt", weiß Süssmann. "Für uns ist das natürlich ein großer Mehraufwand."

Dies bedeute dann auch, dass weniger Kunden bedient werden können. "Zum Glück ist mein Team da sehr flexibel", sagt sie. Denn die Öffnungszeiten der Friseure wurden gelockert. Dadurch ist es möglich, etwa samstags bis 21.30 Uhr Haare zu schneiden und zu föhnen.

Die Preise seien etwas angehoben worden, um den Mehraufwand auszugleichen. Doch am Ende gehe es vor allem darum, dass die Kunden zufrieden sind. Und da sprechen die fröhlichen Gesichter der Bauschheimer, die den Salon verlassen, für sich. Trotz Maske.

VON alexander seipp

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