Wer an essen gehen in Haßloch denkt, der denkt an das "Klaane Hasslicher". Kaum wegzudenken ist das Traditionswirtshaus mit Biergarten in der Rüsselsheimer Straße. Das Motto "Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus" ist hier nicht nur so dahingesagt.
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Wer an essen gehen in Haßloch denkt, der denkt an das „Klaane Hasslicher“. Kaum wegzudenken ist das Traditionswirtshaus mit Biergarten in der Rüsselsheimer Straße. Das Motto „Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus“ ist hier nicht nur so dahingesagt.

Gastronomie

Traditionslokal „Klaane Hasslicher“ in Rüsselsheim muss schließen : „Ich könnte heulen“

  • vonAlexander Seipp
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Ein Haus mit mehr als 100 Jahren Geschichte: Einst sollen hier Buletten für Bauarbeiter gebraten worden sein. Doch das "Klaane Hasslicher" muss im Januar die Türen schließen. Für Wirtin Jolanta Vilhelm ist eine Welt zusammengebrochen.

Haßloch - Wer an essen gehen in Haßloch denkt, der denkt an das „Klaane Hasslicher“. Kaum wegzudenken ist das Traditionswirtshaus mit Biergarten in der Rüsselsheimer Straße. Das Motto „Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus“ ist hier nicht nur so dahingesagt.

Doch bald wird eine Ära zu Ende gehen: Im Januar muss die Traditionsgaststätte schließen. Für Jolanta Vilhelm bricht damit eine Welt zusammen. Die Wirtin des "Hasslicher" arbeitet seit 20 Jahren im Haus, zunächst in der Küche, vor fünf Jahren übernahm sie dann das Restaurant.

Das Ende eines Traditionslokals - Viele Erinnerungen

„Da sind viele Erinnerungen mit verbunden“, sagt sie. Sie kenne das Geschäft so gut, dass sie wohl auch mit verbundenen Augen hier arbeiten könnte. In jeder Ecke stecken Erinnerungen - und fast alle sind schön. Kaum eine Gaststätte hat so eine lange Geschichte wie der „Hasslicher“. Als das Haus vor mehr als 100 Jahren gebaut worden sei, war drumherum nur Feld, berichtet die Wirtin. Um die Bauarbeiter im Neubaugebiet zu versorgen, sei eine Bude für Frikadellen gebaut worden. Und seitdem sei der „Klaane Haßlicher“ aus Haßloch nicht mehr wegzudenken gewesen.

Vor 20 Jahren kam dann Vilhelm dazu. Die Gaststätte ist ihr Leben, den Großteil des Tages verbringt sie hier, sie ist die gute Seele des Hauses, kennt die meisten Stammgäste per Du und weiß genau, was ihnen schmeckt. „Ich weiß genau, wem die Zähne fehlen und was deren Lieblingsgerichte sind“, sagt sie in Erinnerungen schwelgend. Sie könne den Kunden von der Nase ablesen, auf was sie gerade Hunger haben. Der „Hasslicher“, das ist wie Familie.

Traditionslokal muss Neubauten weichen: Keine Chance das Grundstück zu halten

Diese Tradition wird im Januar ihr Ende finden. Das Haus wird abgerissen, an der Stelle sollen Neubauten entstehen. „Ich wollte das Grundstück kaufen, aber keine Chance“, sagt Vilhelm. Nach einem Eigentümerwechsel im Dezember habe sie dann im Mai Bescheid bekommen, dass das Haus abgerissen wird und sie sich etwas Neues suchen muss. Damals sei für sie eine Welt zusammengebrochen.

„Ich konnte es zunächst gar nicht glauben“, sagt sie. „Ich habe das nie für das Geld gemacht.“ Wie sehr sie dies alles berührt, ist noch an ihrer Stimme zu hören.

Tradition in Rüsselsheim: Essen wie bei Oma

Tagein, tagaus habe sie am Herd gestanden, für „ihre Haßlocher“ gekocht. Bei ihr gab es nichts Fertiges, hier wurde noch mit guten Zutaten und Liebe gekocht wie bei der Oma. In Zeiten, in denen immer alles schneller wird, war der „Hasslicher“ eine Oase der Ruhe und Besinnung.

Und das hat man auch geschmeckt. „Teilweise stand ich samstags bis fünf Uhr nachts am Ofen und hab den Braten für den nächsten Tag vorbereitet“, erinnert sie sich an bessere Zeiten zurück. Beschwert habe sie sich nie, auch wenn es mal stressig geworden wäre. „Das gehört schließlich auch dazu“, sagt die Wirtin kämpferisch.

„Mir hat es immer gereicht, das Lächeln auf den Gesichtern meiner Gäste zu sehen, wenn es ihnen gut geschmeckt hat“, sagt Vilhelm. Viele schöne Erinnerungen verbinde sie mit der Gaststätte, so viele, dass sie darüber ein Buch schreiben könnte. „Vielleicht mache ich das auch, wenn ich irgendwann in Ruhestand gehe“, sagt sie schmunzelnd.

Traditionslokal in Rüsselsheim muss schließen: „Ich besitze ein Kämpferherz“

Nun wird der „Klaane Hasslicher“ Wohnungen weichen. Dass sie doch noch irgendwie alles retten könnte, das hat Vilhelm mittlerweile aufgegeben. „Wenn ich daran denke, könnte ich heulen“, sagt sie traurig.

Doch sie hat einen Durchhaltewillen. „Ich lasse mir die Liebe zum Kochen und meinen Gästen nicht verderben“, sagt sie. „Die Welt ist böse, aber das Leben geht weiter“, meint die Wirtin. Sie besitze ein Kämpferherz und gebe nicht einfach auf. „Ich werde mir etwas Neues suchen und dort neu anfangen“, sagt sie. Am Liebsten wäre ihr anderswo in Rüsselsheim, aber auch in Nauheim habe sie sich bereits umgeschaut. „Denn was hilft es, den Kopf in den Sand zu stecken? Ich gehe meinen Weg weiter!“

Doch eines ist sicher: Wenn der „Klaane Hasslicher“ im Januar zum letzten Mal die Türen schließt, dann wird eine Ära zu Ende gehen. (Von Alexander Seipp)

Auch in Frankfurt muss ein Traditionslokal wegen dem Abriss des Gebäudes schließen. Nach 81 Jahren droht dem Lokal „Mutter Ernst“ damit das Aus.

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