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Grund sind Streitigkeiten

Eklat: Vorstand des Stadtverbands der kulturellen Vereine wirft hin

Die Bombe platzt erst ganz zum Schluss. Auf der Jahreshauptversammlung des Stadtverbands der kulturellen Vereine tritt der Vorstand geschlossen zurück. Grund ist offenbar der Streit mit dem Verband der Interkulturellen Vereine. Die Anwesenden sind völlig überrumpelt.

Rüsselsheim - Im Nachhinein kann man die akribische Aufzählung der Chronologie – der letztlich gescheiterten Verschmelzungspläne des Stadtverbands der kulturellen Vereine (SKV) mit dem Verband der Interkulturellen Vereine (ViV) – durch die Vereinsvorsitzende schon als einen Hinweis auf den überraschenden Rücktritt des Vorstands am gestrigen Sonntag deuten. Gewusst hatte das aber keiner, außer den Betroffenen selbst. Seit vier Jahren arbeiten die beiden Rüsselsheimer Kulturverbände daran, sich zu einem Verband zusammenzuschließen. 

Die Verhandlungen seien lange gut und einvernehmlich verlaufen, das zumindest ist den Ausführungen Sabine Schaplowskis zu entnehmen. Dann standen die außerordentlichen Mitgliederversammlungen beider Vereine am 18. November vergangenen Jahres an, auf denen die Mitglieder über die Verschmelzung abstimmen sollten. Zuerst lehnte – völlig überraschend – eine knappe Mehrheit der Delegierten des SKV die Verschmelzung ab. Grund dafür war ein kurzfristig eingereichter Änderungsantrag von fünf Gesangsvereinen gewesen, dem nicht stattgegeben worden war, weshalb die Vertreter der Chöre nicht zustimmten. Bei der im Anschluss terminierten Sitzung des ViV kam es darauf hin erst gar nicht zu einer Abstimmung.

Drei bis vier Mitglieder des Vorstands sollen einen Migrationshintergrund haben

Seither werde vonseiten der Mitglieder des ViV plötzlich eine Quote für den Vorstand des neu zu gründenden Vereines gefordert. „Der ViV will, dass immer drei bis vier Mitglieder des Vorstands einen Migrationshintergrund haben“, sagt Schaplowski und ergänzt, dass diese Forderung bei ihr ein Gefühl von gescheiterter Integration erzeugt habe.

Auch Athina Thedoridou vom Vorstand des ViV ist enttäuscht. „Ich stehe nicht hinter der Quote“, verrät sie der Versammlung. Im Vorstand des ViV gebe es aber die Angst, dass der kleinere Partner bei der Verschmelzung an Einfluss verlieren könne. Aufgrund dieser Vorgeschichte hatte der Vorstand für die Sitzung einen Beschlussantrag an die Delegierten vorbereitet.

Vorstand tritt geschlossen zurück – Große Betroffenheit

Nach einigen Änderungsvorschlägen entbindet die Versammlung den Vorstand einstimmig von weiteren Aktivitäten im Kontext einer Verschmelzung mit dem ViV. Auf Wunsch der Versammlung wird der Zusatz angefügt, dass die Verschmelzung weiterhin angestrebt werden soll. Alle scheinen sich einig zu sein, dass der Ball nun beim ViV liegt.


Als dann der Tagesordnungspunkt Neuwahl ansteht, kommt es zum Eklat. Ein Vorstandsmitglied nach dem anderen verkündet, nicht mehr zur Wahl zur Verfügung zu stehen. Die Betroffenheit ist groß. Da dies im Vorfeld nicht kommuniziert worden war, sind nun auf die Schnelle auch keine neuen Kandidaten bereit, sich zur Wahl zu stellen. Lediglich das Amt des zweiten Kassenprüfers kann mit dem Bauschheimer Wolfgang Jung neu besetzt werden.

Neuwahlen des Vorstands im Mai

Der Vorstand ist noch bis zum 26. März im Amt. Neuwahlen soll es auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 5. Mai geben. Wie der Schwebezustand abgewickelt werde, müsse mit dem Registergericht geklärt werden. „Ich bin total perplex“, sagt ein sichtlich überraschter Teilnehmer. Die Stimmung sei sehr merkwürdig gewesen, der Vorstand habe die Versammlung total überrumpelt. „So ein Abgang ist doch eine Zumutung“, empört er sich. Man könne ja sein Amt niederlegen, aber es sei doch verantwortungslos, im Vorfeld nicht für einen ordentlichen Übergang zu sorgen. Die Aussage der einzelnen Vorstandsmitglieder, dass der gemeinsame Rücktritt nicht geplant gewesen sei, glaube er nicht.

In kleinen Grüppchen wird im Anschluss noch weiter diskutiert. „So geht man nicht mit seinen Leuten um“, sagt eine Teilnehmerin empört. Die Vorsitzende Schaplowski erklärt, dass die gescheiterte Abstimmung im November für sie ein großer Vertrauensbruch gewesen sei. Dennoch habe sie vorgehabt, noch zwei Jahre weiterzumachen. Die Querelen um die Quote hätten das Fass dann aber zum Überlaufen gebracht. Das alles habe sie frustriert.

VON MARAIKE STICH

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