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Andreas Hackler (links) und Markus Scherbaum stehen samt edler Tropfen in der Hand an ihrem Insektenhotel, in dem sich auch bedrohte Arten angesiedelt haben.

Apfelmanufaktur

Hobby-Winzer stellen edle Tropfen her und kümmern sich um die Natur

Dass zwei Rüsselsheimer die Idee hatten, ihren eigenen Apfelwein zu produzieren, ist jetzt neun Jahre her. Mittlerweile hat sich ein ganzheitliches Projekt entwickelt, das auch der Natur zugute kommt.

Die Bäume auf der Streuobstwiese stehen in voller Blüte. Das darunter liegende Gras ist saftig grün. Löwenzahn und Gänseblümchen lugen aus dem Gras hervor. Zufrieden blicken Markus Scherbaum und Thomas Hackler von der HS Apfelmanufaktur auf die Wiese mit Obstbäumen, die sich unweit der Gemarkung von Trebur befindet. „Wir sind, glaube ich, aus dem Gröbsten raus. Ich denke, jetzt bekommen wir keinen Frost mehr“, meint Scherbaum. Denn Frost wäre jetzt ganz schlecht. „Das ist 2017 passiert. Dabei wurden alle Blüten vernichtet“, erinnert sich Scherbaum.

Die beiden Rüsselsheimer sorgen sich sehr um die Bäume auf ihren Streuobstwiesen. Das etwa 5000 Quadratmeter große Areal in der Nähe von Trebur ist nicht die einzige Wiese, die die beiden, wohlgemerkt in ihrer Freizeit, betreiben. Insgesamt vier Wiesen rund um Rüsselsheim haben die beiden Männer gepachtet oder gekauft und dann mit Bäumen bepflanzt.

Begonnen haben sie damit 2010. „Wir hatten die Idee, unseren eigenen Apfelwein herzustellen“, berichtet Hackler. Zunächst kaufte sein Partner Scherbaum, der als Physikingenieur arbeitet, Äpfel, die die beiden dann pressten und kelterten.

Schnell sei jedoch der Wunsch aufgekommen, eine eigene Wiese mit eigenem Obst zu besitzen. „Wir wussten auch relativ bald, dass wir die Wiesen nachhaltig, ohne Pestizide und im Hinblick auf die Erhaltung der Ökosystems betreiben wollen“, sagt Hackler. So sei klar gewesen, dass sie traditionelle Streuobstwiesen betreiben und von dort das Obst für ihren Wein gewinnen wollen.

Lizenz erworben

Scherbaum zeigt auf ein Gebilde inmitten der Streuobstwiese. „Das ist ein Insektenhotel. Damit locken wir die Wildbienen an, die für die Bestäubung der Blüten so wichtig sind“, erklärt er. Tatsächlich summen unzählige Bienen um das hölzerne Gebilde herum. „Hier haben sich auch andere Insekten eingenistet, die auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen“, so der Rüsselsheimer weiter.

Scherbaum hat in seiner Freizeit eine Lizenz als zertifizierter Landschaftsobstbauer erworben. „Uns war es wichtig, dass wir wissen, wie man die Obstbäume richtig pflegt“, betont er.

Mit den Jahren sei der Ertrag an Obst und Wein stetig angestiegen. „Wir besitzen nun etwa 100 Bäume und stellen neben rund 1500 Flaschen Apfelwein, der 100 Prozent ,bio’ ist, auch Obstbrände, Apfelsaft, Balsamicoessig und Quittenwein her. Unser ganz besonderes Produkt ist ein Apfel-Dessertwein mit Sherrynote, den wir in einem gebrauchten Whiskyfass reifen lassen“, berichtet Hackler mit Stolz in der Stimme.

Verkauf auf Märkten

Sie verkauften ihre Erzeugnisse vor allem auf Märkten, wie dem Sommer- und dem Wintermarkt in der Rüsselsheimer Festung und im Vernapark.

Außerdem hätten zwei Supermärkte in Königstädten und Nauheim ihren Apfelwein im Angebot. „Wir verkaufen unsere Produkte aber auch von zu Hause. Fast alle Erzeugnisse gibt es zudem auch bei Blumen Wiegand.“

Obwohl sie sich mittlerweile einen Kundenstamm aufgebaut hätten, sei es für sie kein Thema, ihre Hauptberufe – Andreas Hackler ist Elektrotechniker – aufzugeben. „Das ist ein Hobby, zwar sehr zeitintensiv, weil wir wirklich alles selbst und in Handarbeit machen, von der Baum- über die Wiesenpflege, bis zur Ernte und dem Herstellen der Weine, aber es soll ein Hobby bleiben.“

Das hält die beiden Männer jedoch nicht davon ab, weitere Geschäftspläne zu schmieden. So denken sie etwa daran, demnächst einen Onlineshop aufzubauen.

VON DANIELA HAMANN

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