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Forstarbeiter Christian Sänger mit Kaltblut-Pferd Neulinger

Mensch und Pferd

Der mit dem Kaltblut tanzt: Wie ein Pferd den Wald aufräumt

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Der vergangene Sommer hat Spuren hinterlassen: Viele Kiefern am Waldschwimmbad haben die Hitze nicht überstanden und mussten gefällt werden. Mit dem Rückepferd wird das Holz zum Abtransport vorbereitet.

Rüsselsheim - Sie wird kommen, die Zeit, in der Maschinen selbstgesteuert den Menschen die Arbeit weiter abnehmen. Ob in der Industrie, im Alltag oder im Verkehr. Ganz wird man auf die herkömmliche Kraft der Natur aber nicht verzichten können. 

Wie sich in dieser Woche ein rheinisch-deutsches Kaltblut namens Neulinger durch das Unterholz am Waldschwimmbad schlug, um die ausgedörrten Überreste des Supersommers aus dem vergangenen Jahr abzuräumen, war kein letzter aufbäumender Rest an Willenskraft aus einer alten Welt, sondern der schlagende Beweis dafür, dass der Mensch auch in Zukunft nicht ohne die genialische Stärke und das Geschick eines Pferdes auskommen kann – dem seit Jahrtausenden treuen Gehilfen auf Ackerboden, Pflugland und Anbaugrund unserer Zivilisation.

Baumstämme um die 300 Kilogramm

Stundenlang hätte man zuschauen können, staunend, wie präzise die Abläufe, wie kraftvoll die Bewegungen, wie geräuschlos das Tagwerk verrichtet wurde, wo sonst kein anderes Hilfsgerät hinkommt. Baumstamm für Baumstamm, jeder an die 300 bis 400 Kilogramm schwer, wird aus dem unzugänglichen Dickicht vor an die Straße gezogen, damit man das in der Gluthitze ausgedörrte Kiefernholz dann mit vier Rädern abtransportiere.

Kaltblut "Neulinger" und Forstarbeiter Christian Sänger bei der Arbeit.

Mensch und Tier verstehen sich blind. Nur ein Zungenschnalzen, ein paar Kommandos, ansonsten braucht es nicht viel, um den Koloss auf vier Beinen in Bewegung zu setzen. Christian Sänger vom gleichnamigen Forstbetrieb in Waldsolms hat die Zügel in der Hand. Mit Ketten werden die Baumstämme angeleint, damit sie gezogen werden können. „Er ist eine coole Socke“, sagt Sänger über sein Tier, das er wie bei einem Tanz über den Waldboden choreographiert.

Rüsselsheimer Helfer verursacht keine Bodenschäden

Günstig beim Rücken mit dem Pferd ist unter anderem, dass sie auch in unwegsamem Gelände keine Gassen benötigen, sondern das Rückegut auch durch das stehende Holz ziehen können. Erheblicher Vorteil ist auch, dass sie im Gegensatz zu schweren Forstmaschinen praktisch keine Bodenschäden verursachen. Nur ab und an knackst ein Ast unter der Last der schweren Hufen. Die Arbeit im Auftrag von Förster Oliver Burghardt wird so schnell nicht ausgehen, prophezeit Rückearbeiter Christian Sänger. 

Viele Kiefern, die noch stehen, würden schon verdächtig gelb aussehen. Kein gutes Zeichen. Vermutlich würden sie auch bald gefällt werden müssen, mein Sänger. Dann wird er wiederkommen.

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