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Zu fast 95 Prozent ist sich die App sicher: Das ist der Leinreiter. 

Kultur in Rüsselsheim

Kunstwerke mit der Kamera erkennen: „Art Map“ ist im Mai als App verfügbar

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Im Viertel auf „Skulptour“ gehen, mit der Handykamera jedes Kunstwerk erkennen, neue, wissenschaftliche Infos zu den Rüsselsheimer Denkmälern abrufen: Das alles wird möglich sein mit der neuen „Art Map“-App, die im Mai zum Download freigegeben wird.

Rüsselsheim - Da steht man ratlos vor einem Denkmal und weiß weder, wie es heißt, noch, welche Bedeutung es hat. Wenn es doch nur eine einfache Möglichkeit gäbe, das alles auf die Schnelle – vielleicht sogar mit dem Handy, das ja sowieso immer zur Hand ist – herauszufinden. Das soll sehr bald keine Utopie mehr sein: Im Mai geht die App zur „Art Map“, der bisher nur als Website existenten Kunst-Stadtkarte, online.

Integriert hat Sam Khayari, Initiator des Projektes, ein ganz besonderes Feature: Wer künftig das Programm auf dem Handy startet und mit der Kamera ein Kunstobjekt oder Denkmal im öffentlichen Raum fokussiert, bekommt sofort alle Informationen dazu angezeigt. „Aber erst ab einer Übereinstimmung von 90 Prozent“, sagt Khayari.

Künstliche Intelligenz

Damit die künstliche Intelligenz möglichst wenige Fehler macht, hat der Rüsselsheimer Künstler noch mal jedes einzelne der 72 verzeichneten Objekte in der Stadt rund je 120-mal von allen Seiten und bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen abfotografiert. Der Aufwand hat sich gelohnt: Dass nicht jeder Opel Manta B der Dauerparker ist, kann das Programm erkennen.

Gebündeltes Know-how: Christian Reiling, Sam Khayari und Michael Simon (von links) haben sich für das App-Projekt zusammengetan.

Auch die Zusammenarbeit mit den Studenten der Kulturanthropologie/Volkskunde von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz war erfolgreich: Seit Sommersemester 2018 haben die angehenden Denkmalforscher 29 Kunstwerke untersucht, Informationen dazu gesammelt und Texte verfasst, die nun nach und nach Khayaris bereits vorhandene Texte auf der „Art Map“ ergänzen sollen.

Auch die Quellen der Nachwuchsforscher, deren Texte unter anderem in Kooperation mit dem Stadtarchiv entstanden sind, werden sichtbar sein.

Lohnendes Projekt

„Ich bin sehr dankbar, dass wir das mit den Studierenden erarbeiten durften“, sagt Volkskundler Michael Simon, der die Betreuung des Kurses innehat. „Es ist ein lohnendes Projekt“, sagt er.

Die Rüsselsheimer Kunstwerke seien keine abgeschlossenen Kapitel unserer Gesellschaft. „Sie sind zwar in der Gegenwart leider oft kaum noch präsent, können aber ein Bewusstsein für die historische Entwicklung einer Stadt schaffen“, so der Professor.

Auch Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) äußert sich glücklich über das Gemeinschaftsprojekt: Die Frage von Identitätsbildung in der Stadt sei elementar und die „Art Map“-App leiste einen essenziellen Beitrag dazu. Sie sei, ergänzt Christian Reiling von der städtischen Kulturförderung, eine „spannende und zeitgemäße Art der Kulturvermittlung.“

Für Khayari ist die Realisierung der App eine Herzensangelegenheit. „Es ist spannend, dass aus einer kleinen Idee während einer Kreativpause so eine tolle Zusammenarbeit geworden ist“, sagt er. Dadurch sei ein Weg gefunden worden, die „Art Map“ dynamisch und organisch zu gestalten.

Durch ein Viertel

Neu sei in der App außerdem, dass man sich auf eine „Skulptour“ durch ein bestimmtes Viertel einlassen könne. Wählt man im Menü einen Stadtteil aus, werden einem die dortigen Kunstwerke direkt angezeigt. Durch Tippen auf den entsprechenden Reiter wird dann entweder der Text von Sam Khayari oder von den Studenten angezeigt.

Mit der „Art Map“ wird in Zukunft noch mehr passieren, weiß Khayari: Im kommenden Wintersemester werden weitere Kunstwerke von Hochschülern erfasst und sukzessive mehr Informationen veröffentlicht. Sobald die App auf den jeweiligen Android- oder iOS-Plattformen zur Verfügung steht, sollen die Nutzungsdaten ausgewertet werden, um einen Überblick zu bekommen. Im Durchschnitt hätten etwa 500 bis 600 Personen die Website pro Monat genutzt. 5000 Downloads für die App sind Khayaris Wunschziel für den Anfang.

Auch über die Einsatzmöglichkeiten hat er sich Gedanken gemacht: Sowohl in der Erwachsenenbildung als auch in der Schule kann er sich die „Art Map“-App vorstellen.

Eine Projektwoche, bei der Schüler mit der App die Stadt erkunden, sei zum Beispiel denkbar. Der erste Schritt in Richtung gesellschaftliches Bewusstsein für die kulturelle Identität der Stadt ist jedenfalls getan.

Die „Art Map“-App wird im Laufe des Monats Mai über den PlayStore und den AppStore zum Download verfügbar sein. Die Internetseite www.artmap.kreativnoma.de ist weiter jederzeit abrufbar.

von Stella Lorenz 

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