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Das Lachebad bleibt voraussichtlich bis  Ende nächster Woche geschlossen. 

Schwimmer vor verschlossenen Türen

Das Lachebad bleibt wegen „Pfützenkeim“ vorübergehend geschlossen

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Sieben Monate nach der Eröffnung schließt das Schwimmbad An der Lache erstmals ungeplant seine Tore: Der „Pfützenkeim“ Pseudomonas aeruginosa treibt dort sein Unwesen.

Rüsselsheim - „Am Anfang steht der Wasserhahn“ – die Überschrift für die ursprünglich für diesen Samstag angesetzte öffentliche Lachebad-Führung hätte ironischer nicht sein können. Denn dort, an einer Waschbeckenarmatur, sind am Dienstag Keime gefunden worden, die die kurzfristige Schließung des Bades bedingt haben, wie die Stadt mitteilte. Die Führung wurde mittlerweile abgesagt, auch über den Keim ist nun mehr bekannt.

Es handelt sich um den „Pfützenkeim“ (Pseudomonas aeruginosa / PSA), der oft in freien Gewässern oder Pfützen zu finden ist. „Da der Keim in der Umwelt vorkommt, ist insbesondere bei Neuinstallationen von Armaturen eine Verkeimung möglich“, informiert das Kreisgesundheitsamt Groß-Gerau.

Ursache noch unklar

„Derzeit werden mögliche Ursachen von Fachleuten überprüft“, so eine Sprecherin der Stadt Rüsselsheim. Durch unsachgemäßen Anschluss von Gartenschläuchen, die zur Reinigung eingesetzt würden, könne eine Verkeimung auftreten – auch, weil das Schlauchmaterial oftmals schwer zu desinfizieren sei.

Es sei zudem nicht auszuschließen, dass ein Bauwasseranschluss im Freibadbereich ursächlich sein könnte. Ergebnisse lägen noch keine vor, allerdings werde allen Vermutungen nachgegangen.

An drei Probe-Entnahmestellen, unter anderem an Waschbecken und Wasserhahn, sei der Keim gefunden worden, heißt es weiter. Aus gesundheitlichen Gründen und zur gründlichen Desinfektion habe man sich dazu entschlossen, das Bad kurzfristig zu schließen – zum ersten Mal, seit es vor sieben Monaten in Betrieb genommen wurde.

Eine Infektion mit dem Keim kann beim Menschen unter anderem eitrige Entzündungen an offenen Wunden, Harnwegs- oder Mittelohrentzündungen hervorrufen. Bisher liegen der Stadt in diesem Zusammenhang keine Fälle vor; wer Symptome an sich feststelle, solle allerdings einen Arzt aufsuchen.

Die regulären Besucher sowie rund 800 Schüler und 300 bis 400 Vereinsmitglieder, die wöchentlich ins Bad kommen, müssen vorerst auf dem Trockenen bleiben.

„Unser Training fällt aus“, sagt Ilka Jakobs von der DLRG. Schlimm sei das erst einmal nicht, solange es bei der planmäßigen Schließungsdauer bleibt. „Ansonsten gibt es keine Ausweichmöglichkeiten – jedenfalls nicht kurzfristig“, sagt sie.

Problem für Schüler

Auch für den Schwimmunterricht des Immanuel-Kant-Gymnasiums ist die Schließung eine Herausforderung. „Wir können eben nicht schwimmen gehen und müssen sehen, wie wir die Schüler hier unterbekommen“, erzählt Schulleitungsmitglied Mirco Fuchs. Die Sporthallen seien von anderen Klassen blockiert, in dieser Woche versuche man, in den Klassenräumen ein Notprogramm zu erstellen. Für den Fall einer längeren Schließung organisiere man derzeit bereits eine Möglichkeit, zumindest regulären Sportunterricht anbieten zu können.

Die Schwimmer der TG Rüsselsheim sind dagegen nur zum Teil betroffen. Die Kurse in der Helen-Keller-Schule fänden ganz normal statt, informiert Mathias Pietrek. In der Regel seien die anderen TGler fast jeden Tag im Lachebad. Wer könne, mache alternativ nun Krafttraining.

Die Untersuchung der Trinkwasserleitungen ist Routine und jährlich vorgeschrieben. „2019 fand die Erstuntersuchung am 4. Februar statt, die Nachuntersuchung am 28. März“, heißt es von der Stadt.

Zur Inbetriebnahme seien auch Proben genommen worden, die ohne Befund waren. „Wenn Belastungen vorliegen oder Grenzwerte überschritten werden, wird umgehend das Kreisgesundheitsamt informiert und entsprechende Maßnahmen werden eingeleitet“, ist von der Stadt zu erfahren.

Bis voraussichtlich einschließlich kommender Woche wird das Bad also geschlossen bleiben. Das Schwimmbecken selbst ist im Übrigen nicht betroffen: Es wird von einem anderen Wassersystem gespeist.

von Stella Lorenz

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