+
Der „Business Park“ Blauer See: In Nachbarschaft zu Hyundai ist noch viel Platz verfügbar.

Stadtentwicklung

Magistrat legt zum ersten Mal einen Immobilienmarktbericht für Rüsselsheim vor

  • schließen

Standortmarketing auf 42 Seiten: Erstmals hat der Magistrat einen Immobilienmarktbericht verfasst. Darin sind aus Sicht der Stadt jede Menge gute Argumente, um sich als Neubürger, Unternehmen oder Investor für Rüsselsheim zu entscheiden.

Rüsselsheim - Rüsselsheim wächst – „wir sind vorbereitet“, sagt der Oberbürgermeister. Anderswo wird über Dinge wie Enteignung als letztes Mittel auf dem chronisch knappen Wohnungsmarkt nachgedacht. „Wir reden nicht nur, wir tun was“, so Udo Bausch (parteilos) gestern bei der Vorstellung des ersten Immobilienmarktberichts für die Stadt Rüsselsheim.

Bausch glaubt, dass der Boom auf dem Immobilienmarkt weiter anhalten wird. Nach den Metropolen würden jetzt aber die Randlagen der großen Städte vermehrt in den Blick geraten. Das sei eine Chance für Rüsselsheim. Denn die Zeichen stünden gut: Derzeit verzeichne die Stadt am Main ein deutliches Wachstum und verfüge über erhebliche Flächenreserven für Wohnen und Gewerbe, die mehr als konkurrenzfähig im Rhein-Main-Gebiet seien.

Bis zu 70 000 Einwohner

Tatsächlich stieg die Bevölkerung durch Zuwanderung und Geburtenüberschuss im Jahr 2017 auf 64 922 Einwohner. Bevölkerungsprognosen, darunter die der Bertelsmann-Stiftung, zeigen eine Entwicklung auf rund 67 000 Einwohner bis 2030 auf. Bausch geht sogar eher von 70 000 aus. Der Wohnungsbau, etwa durch die stadteigene Gesellschaft Gewobau, die derzeit viele Projekte verfolgt und in den kommenden Jahren weitere 135 Millionen Euro investieren will, kann jedoch nicht den ganzen Bedarf an Wohnungen abdecken.

Die 42 Seiten starke, farbige DIN-A4-Broschüre, die der Magistrat jetzt veröffentlicht hat und kommendes Jahr aktualisieren will, richtet sich deshalb vor allem an Investoren, um den Standort mit allen relevanten Faktoren näherzubringen. Gedruckt wurde sie in einer Auflage von 1500 Stück und soll als Werbemittel etwa auf der Internationalen Fachmesse für Immobilien Expo Real in München verteilt werden, aber auch mit der Post in den nächsten Wochen an Unternehmen oder Projektentwickler versendet werden. Bausch verweist darauf, dass die Preise für Grundstücke und Wohneigentum in Rüsselsheim deutlich niedriger sind als in Frankfurt. Damit will er jenseits der guten Verkehrsinfrastruktur punkten.

Gewerbe „ausbaufähig“

Wie groß das Interesse jetzt schon sei, zeigten die vielen Anfragen von Bauträgern, die sich etwa um das Quartier am Ostpark oder die Eselswiese mit 61 Hektar zu entwickelnder Fläche bemühen. 33 hätten sich allein für diese beiden Projekte gemeldet, sagte Bausch. Gleichzeitig hält der Oberbürgermeister die Gewerbegebiete in Rüsselsheim für „ausbaufähig“. Vor allem der Hasengrund und der „Business Park“ Blauer See werden genannt. Dort befindet man sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum südkoreanischen Autobauer Hyundai Motor Europe und dem Entwicklungszentrum Hyundai Wia, für das laut Udo Bausch wohl bald ein zweiter Bauabschnitt beginne. Für den Gewerbestandort sprächen auch die günstigen Mieten auf dem Büromarkt. Diese würden im Schnitt bei 6 Euro pro Quadratmeter für einfache Flächen und bei 10,50 Euro pro Quadratmeter für mittlere Flächen liegen. Weitere Gewerbeflächen kann sich Bausch aber auch in der Innenstadt vorstellen.

Apropos Mieten

propos günstige Mieten. Diese würden auch in einem weiteren Segment für den Standort sprechen: Rüsselsheim habe auch ein hohes Potenzial als Einzelhandelsstandort, heißt es in dem Bericht.

Die Mietpreise für Einzelhandelsflächen in 1-b-Lagen und Nebenlagen würden nach Expertenschätzungen zwischen 6,50 Euro und 11 Euro pro Quadratmeter, in den 1-a-Lagen in der Innenstadt bei mindestens 9 Euro liegen. Oberbürgermeister Udo Bausch sieht aber auch noch viel Platz für den Ausbau an Hotels in der Stadt. Die steigende Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten spreche dafür.

„Das Schlüsselareal für die Stadtentwicklung der nächsten Jahre“ sei aber die „Motorworld-Manufaktur“, die die Activ-Immobilien GmbH im Opel-Altwerk bekanntlich mit knapp 65 000 Quadratmeter Grundstücksfläche und einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 100 000 Quadratmetern plane.

Nicht zuletzt bleiben die weichen Faktoren in dem Bericht nicht unerwähnt: Märkte und Feste, Theater, Opelvillen und Industriemuseum, Verna-Park oder Industriekultur, Schulen und Klinikum – all das spreche auch für den Standort.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare