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In nächster Zeit werden wieder mehr Motorrad-Fahrer auf den Straßen erwartet.

Verkehr

Polizei weist auf Sicherheitsrisiken für Motorradfahrer hin – Todesfälle im vergangenen Jahr verdoppelt

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Mit dem wärmeren Wetter werden in den nächsten Wochen mehr Motorradfahrer auf den Straßen unterwegs sein. Die Polizei hat jetzt auf Gefahren verwiesen, die es dabei zu vermeiden gilt.

Rüsselsheim - Der hintere Reifen rollt auf dem Asphalt, der vordere schwebt in der Luft: So ein „Wheelie“ auf dem Motorrad soll vielleicht beeindruckend aussehen, ist aber vor allem extrem gefährlich. Wie er auf einer Pressekonferenz zum Thema Motorrad-Unfallprävention im Landratsamt erzählte, ist Südhessens Polizeipräsident Bernhard Lammel vor einiger Zeit selbst Zeuge des riskanten Manövers geworden. Der Fahrer sei auf der Landstraße von Bauschheim in Richtung Bischofsheim unterwegs gewesen. Seine Frau, mit der er damals unterwegs gewesen war, habe gefragt: „Was passiert, wenn der die Kontrolle verliert?“

Tatsächlich sind kreisweit im vergangenen Jahr vier Motorradfahrer bei Unfällen gestorben, doppelt so viele wie 2017. Zwischen Trebur und Geinsheim verunglückte ein Mann tödlich, der sich sein Motorrad erst kurz zuvor bei einem Händler ausgeliehen hatte, als er ohne Fremdeinwirkung die Kontrolle über die Maschine verlor. Zwischen Trebur und Wallerstädten beziehungsweise Klein-Gerau und Worfelden starben Motorradfahrer, die mit Autos kollidiert waren. Gleich zwei Todesopfer forderte ein Unfall auf der B 40 bei Kelsterbach, bei dem nicht nur der Fahrer ums Leben kam, sondern auch ein Fußgänger, der die Straße betreten hatte. Unfälle mit Schwerverletzten ereigneten sich unter anderem vor dem Opel-Werkstor und bei Bauschheim.

Kritische Zeit

Zu den Hauptunfallursachen bei Motorradfahrern zählten nicht angepasste Geschwindigkeit, geringer Sicherheitsabstand und riskantes Überholen. Jetzt, wenn es wieder wärmer wird und die Saison für viele Motorradfahrer so richtig beginnt, ist eine besonders kritische Zeit. Lammel erinnert auch daran, dass auf vielen Feldern bald geerntet werde. Von Traktoren und Co. gehe zusätzlich Gefahr aus. Kritisch sei hier etwa die Landstraße bei Bauschheim und der Bereich um das Astheimer Kreuz.

Die gestiegenen Unfallzahlen sind laut Polizeipräsidium der Grund, warum man die Biker in diesem Jahr schon frühzeitig auf Gefahren und Risiken hinweisen wolle. Wer zu den 60 Prozent der rund 15 000 im Kreis registrierten Motorrad-Eigentümer gehört, die ihre Maschine nach der Winterpause bei den Zulassungstellen in Rüsselsheim und Groß-Gerau wieder anmelden, bekommt jetzt Infomaterial zum sicheren Fahren. Neben einigen Zetteln gibt es auch ein Armband, auf dem in gelb auf blauem Grund das Motto der Polizei-Präventionskampagne zu lesen ist: „Du hast es in der Hand.“ Damit spielt die Polizei auf den Gasdrehgriff an, mit dem beim Motorrad per Hand beschleunigt wird.

Lärm-Messgerät kommt

Doch haben die Motorradfahrer nicht nur die Geschwindigkeit, mit dem sie unterwegs sind, selbst in der Hand, sondern auch die Lautstärke, die ihre Maschinen verursachen. Denn wer mit Tempo 100 im zweiten Gang fährt, erzeugt einen kaum zu ertragenden Lärm. Deshalb schafft das Polizeipräsidium zurzeit ein Messgerät an, das am Straßenrand auf zu lautes Fahren hinweist. Laut Polizeipräsidium gehört es zur Eigenverantwortung der Motorradfahrer, Anwohner nicht über Gebühr durch vermeidbaren Lärm zu belästigen.

Landrat Thomas Will (SPD) steht hinter den Appellen der Polizei. „Jeder verunglückte Motorradfahrer ist einer zu viel“, sagte er. Deshalb sei es so wichtig, die Fahrerinnen und Fahrer auf mögliche Gefahren und sicheres Verhalten eindrücklich hinzuweisen.

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