+
Die Hintergründe sind noch nicht klar: Die Polizei ermittelt derzeit noch, wie es zu der Schießerei in der Innenstadt kommen konnte.

Kriminalität

Tatverdächtiger bestreitet Beteiligung an Schießerei - OB Bausch kündigt weitere Polizeimaßnahmen an

Schüsse in der Rüsselsheimer Innenstadt geben den Fahndern Rätsel auf. Ein Verdächtiger bestreitet, geschossen zu haben. Die Tatwaffe fehlt, und auch das Motiv ist nicht geklärt. Unterdessen schlagen Gewerbeverein und Ausländerbeirat Alarm.

Rüsselsheim - Nach den Schüssen in der Rüsselsheimer Innenstadt am frühen Samstagmorgen gibt es vorläufig keine neuen Erkenntnisse über die Hintergründe des Gewaltausbruchs. Das teilte der zuständige Darmstädter Oberstaatsanwalt Robert Hartmann gestern mit.

Der festgenommene Tatverdächtige, ein 28-jähriger, kurdisch-stämmiger Mann mit deutschem Pass, sitzt weiterhin in Untersuchungshaft, bestreitet jedoch eine Beteiligung an dem Geschehen. Ansonsten will er sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht weiter äußern und hat einen Anwalt hinzugezogen.

Streit zwischen kurdisch- und türkisch-stämmiger Familie

Weitere Zeugenvernehmungen sollen Aufschluss über die Ursache des Streits geben, der offenbar zwischen zwei Familien mit türkischem und kurdischem Hintergrund ausgebrochen und dann eskaliert war. Mehrere Schüsse wurden in der Nacht zum Samstag abgefeuert, nachdem es zu einer Auseinandersetzung erst in der Bahnhofstraße, dann am Europaplatz gegeben hatte. Nach Eintreffen der Polizei war eine Gruppe von Personen in Richtung Waldstraße geflüchtet. Zunächst wurden 14 Personen festgenommen, 13 davon dann aber wieder freigelassen.

Vermutlich werde es noch ein paar Wochen dauern, bis geklärt sei, wie es zu den Schüssen kommen konnte, so Oberstaatsanwalt Hartmann. Auch soll ermittelt werden, ob noch andere Täter in Frage kommen, welche die Schüsse abgefeuert haben könnten, und welche Waffen dazu benutzt wurden. Die Tatwaffe, mit der offenbar ein 33-jähriger Türke leicht verletzt wurde, ist bislang nicht aufgetaucht. Projektile schlugen in zwei Autos und ein Fenster ein. Weitere Zeugen werden noch gesucht.

Vereine reagieren mit Bestürzung

Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) hat mit großer Betroffenheit und Bestürzung die Nachricht von der Schießerei aufgenommen, wie er gestern mitteilte. Er stehe in engem Kontakt mit Polizeipräsident Bernhard Lammel. Weitere Gespräche sind für morgen angekündigt. Bausch dankte den Einsatzkräften, die schnell an Ort und Stelle waren. In den kommenden Tagen und Wochen soll gemeinsam das weitere Vorgehen besprochen werden. Bausch bittet um Verständnis, dass alle geplanten Maßnahmen noch nicht bekannt gemacht werden könnten.

"Ich habe großes Verständnis dafür, wenn aus der Bürgerschaft der Ruf nach mehr Polizei lauter wird", fügte der OB hinzu. Leider seien bundesweit immer wieder solche Gewalttaten zu verzeichnen, mit denen die Polizei, aber auch die Menschen an Ort und Stelle umgehen müssten.

Unterdessen hat die Polizei ihre Präsenz in der Stadt deutlich erhöht. Streifen patrouillieren vor allem um die Tatorte am Bahnhof und in der Waldstraße. Unterstützt werden sie bei den Sicherheitsmaßnahmen von der Bereitschaftspolizei, Spezialkräften und der Stadtpolizei.

Schießerei in Rüsselsheim: Fatales Signal

Schockiert über die nächtliche Auseinandersetzung auf Rüsselsheims Straßen zeigte sich gestern der örtliche Gewerbeverein. Zugleich gab es Kritik: "Da wendet unsere Stadtverwaltung eine große Kraftanstrengung auf, um ihre stadteigenen Polizeikräfte ständig zu verstärken, und setzt sogar Privatunternehmen ein, um auch dem letzten Falschparker ein Knöllchen zu verpassen, aber nachts überlässt sie unsere Stadt Familienclans, die mit ihrer mittelalterlichen Denkweise das Recht in die eigene Hand nehmen und damit den Bürgern Furcht einflößen und dem Image der Stadt erheblichen Schaden zufügen", heißt es in einer Mitteilung. Und weiter: Dass Rüsselsheim mit derartigen Negativ-Schlagzeilen immer wieder von sich reden mache, könne nicht länger hingenommen werden.

Hier seien Oberbürgermeister und der Magistrat gefordert entsprechend entgegen zu wirken und nicht nur Jagd auf Park- und Temposünder zu machen. Der Rechtsstaat sei gefordert, seine Handlungsfähigkeit zu beweisen, "damit wir unsere bunte und multikulturelle Stadt, auf die wir so lange so stolz waren und mit der wir einen so phantastischen Hessentag gefeiert haben, nicht an einen unzivilisierten Straßenmob verlieren".

Der Vorstand des Vereins Treffpunkt Innenstadt Rüsselsheim am Main schloss sich gestern der Stellungnahme des Gewerbevereins an.

Die CDU-Fraktion in der Opelstadt forderte gestern den Magistrat dazu auf, den Betrieb einer 24 Stunden pro Tag besetzten "Innenstadtwache" durch Stadt- und Landespolizei zu prüfen.

Auch der Ausländerbeirat reagierte mit Entsetzen auf die Vorkommnisse am Samstag. Jede Form von Gewalt sei nicht tolerierbar. "Erschreckende Dimensionen an Beleidigungen, ,Propaganda' und Rassismus" hätten allerdings nach der Schießerei am Wochenende zugenommen. Es sei besorgniserregend, wenn Ausländer im Internet zunehmend Abwertungen und Beleidigungen ausgesetzt sind. Viele Beispiele kursieren aktuell im Netz und vergiften das Klima in der Stadt.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Schießerei in Rüsselsheim: Jetzt reagiert der Oberbürgermeister

Hinter den Schüssen in der Rüsselsheimer Innenstadt steckt wohl der Zwist zweier Großfamilien. Der festgenommene Mann bestreitet die Tat. Die Polizei sucht währenddessen mit Hochdruck nach den Schusswaffen und erhöht die Sicherheit in der Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare