Die Kolonne macht in der Marktstraße halt: Gegenüber dem Opel-Hauptportal kontrolliert die Polizei an diesem Abend eine Shisha-Bar.  

Einsatz in Rüsselsheim

Durchsuchungen in Shisha-Bars: Polizei findet kiloweise unversteuerten Tabak

Großkontrolle der Polizei in Rüsselsheim: Shisha-Bars und Glücksspiellokale bekommen unangemeldeten Besuch. Die Beamten werden schnell fündig.

Rüsselsheim - Es ist 18.45 Uhr als sich der Tross in Bewegung setzt. Auf dem Hof der Rüsselsheimer Polizeistation besteigen die Beamten ihre Einsatzfahrzeuge, darunter Zivilfahrzeuge und sogar Mannschaftswagen. Kollegen aus Rüsselsheim, der Stadtpolizei, der hessischen Bereitschaftspolizei und vom Zoll sind dabei. Eben haben sie sich noch in einer Lagebesprechung abgestimmt.

An diesem Freitagabend soll es unangemeldete Kontrollen geben. Vor allem Shisha-Bars hat man im Blick, aber auch Lokale mit Spielautomaten. Alle Orte hat man vorher ausgewählt, trotzdem weiß keiner, was und wen man dort antrifft. Die Dämmerung setzt gerade ein. 15 Wagen bilden eine Kolonne. Mit Blaulicht geht es über die Kreuzungen.

*** Als Erstes in Richtung Böllenseeplatz. Ein kleines „Kebab-Pizza-Nudelhaus“ und eine Gaststätte mit Glücksspielautomaten liegen sich gegenüber. Die Polizisten umstellen die Eingänge. Die Ausweise der Gäste und des Personals werden kontrolliert. Keiner darf weder rein noch raus. Die Kollegen werden schnell in der Spielbar, nicht größer als zwei Wohnzimmer, fündig.

Einige Spielautomaten haben keinen TÜV mehr. Sofort werden diese stillgelegt. Es droht eine Geldbuße. Aus dem Kebab-Haus kommt der Besitzer und beschwert sich über die Aktion. „Die Leute hätten Angst, noch in seinen Imbiss zu kommen, wenn sie das hier sehen“, sagt er. Hier in der Nachbarschaft werde Kokain gehandelt. Hinter verschlossenen Türen und heruntergelassenen Rollläden. Darum sollte sich die Polizei mal kümmern, sagt er.

*** Weiter geht es ins Berliner Viertel. Eine Shisha-Bar wird kontrolliert. Das Lokal ist voll, Männer sitzen an Tischen, neben ihnen stehen die Pfeifen, auf denen die Kohle glimmt. Wolken aus weißem Rauch werden ausgeblasen, es ist kaum noch was zu sehen. Der süßliche Duft dringt in alle Ecken. Es wird erstmal durchgelüftet. Der Besitzer ist gerade nicht da, heißt es. Als er später wiederkommt, sind die Beamten so weit, dass sie das Lokal schließen. Die Auflage: Vor Montag darf nicht mehr geöffnet werden. Die Beamten der Stadtpolizei fanden CO2-Melder, die abgeschaltet waren. Außerdem rund 15 Kilo unversteuerten Tabak. Dieser wurde portioniert und in einem winzigen Hinterzimmer der Bar mit Aroma-Zusatzstoffen gestreckt. Der Tabak wird in zwei Säcken gesammelt und vom Zoll mitgenommen. Palettenweise werden auch Getränkedosen ohne Pfand, die nur für den Exportmarkt produziert wurden, hinausgetragen. Das ist ein Verstoß gegen die Verpackungsordnung.

Die Dosen werden später entsorgt. Alles in allem wird es für den Besitzer wohl teuer: Auch hier drohen empfindlich hohe Bußgelder. Es gebe sogar Fälle, in denen Strafen in Höhe von bis zu 30 000 Euro für einen Barbesitzer angefallen seien, so die Beamten der Stadtpolizei. In den nächsten Tagen wird es Nachkontrollen geben, teilen sie noch mit, bevor die Lichter in der Bar ausgehen.

*** Es ist kurz vor 20 Uhr, als die Kolonne nicht weit entfernt an einer Spielhalle Halt macht, dort, wo die Berliner Straße auf den Rugbyring trifft. Ein Gast, der im Freien sitzt, beschwert sich bei den Beamten. Offenbar auch auf Türkisch. Ein Polizist versteht, was er sagt, Der Mann muss mitkommen und wird um die Ecke gesondert kontrolliert. Zwei Glücksspielautomaten haben keinen TÜV, außerdem wird ein illegal betriebenes Sportwetten-Terminal versiegelt. Diese dürfen nur in offiziellen Sportwetten-Lokalen aufgestellt sein.

*** Weiter geht es in die Marktstraße. Gegenüber vom Opel-Hauptportal liegt eine Shisha-Bar, in der „gehobeneres Publikum“ verkehrt. Auch dort wird der Besitzer nicht um ein Bußgeld herumkommen. Der Zoll ist lange beschäftigt, den ebenfalls unversteuerten Tabak genau zu wiegen. Am Ende sind es 50 Kilo, die konfisziert werden. Die Ordnungshüter beanstanden auch einen Ofen, der zum Anheizen der Shisha-Pfeifen benutzt wird. Er stand in der Küche. Der Abzug oben drüber war schon glühend heiß geworden. Der Ofen muss nach draußen gebracht werden.

*** Es ist kurz vor 22 Uhr, als die Kontrolleure nach zwei verschlossen angetroffenen Lokalen in der Waldstraße/Ecke Taunusstraße ankommen. Ab 18 steht an der Tür, weil in der Kneipe geraucht wird. Trotzdem finden die Beamten drinnen einen 17-Jährigen. Der Besitzer der Kneipe bekommt dafür eine Anzeige.

Wasserflaschen ohne Pfand hat er außerdem hinter der Theke stehen, die nun abtransportiert werden. „Ist halt so“, sagt der Besitzer und zuckt mit den Schultern. Intensiver kontrolliert wird ein Albaner, der sich womöglich in Deutschland nicht mehr aufhalten darf. Nach rund vier Stunden ist der Einsatz beendet. Es soll nicht der letzte gewesen sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare