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Kohlenstoffdioxidneutrales Fahren: Hans-Peter Scheerer (links) und Jürgen Eick sind mit dem Kabinenfahrzeug unterwegs. An der Sonnenuhr hatte sich der Verein Energiewende beteiligt.

Umwelt

Verein Energiewende feiert sein 30-jähriges Bestehen - ein Rückblick

Kleiner Verein, großes Engagement: Diese Zeitung blickt mit dem aktuellen Vorsitzenden Hans Dieter Scherer-Gerbig, dem früheren Vorsitzenden Hans-Peter Scheerer und dem ehemaligen Kassierer Jürgen Eick auf die Geschichte des Vereins Energiewende zurück.

Rüsselsheim - Hans-Peter Scheerer und Jürgen Eick kommen mit ihrem Kabinenfahrzeug zur Sonnenuhr an der Horlache. Scheerer ist Gründungsmitglied und früherer Vorsitzender des Vereins Energiewende, Eick war lange Zeit Vorsitzender und viele Jahre auch Kassierer. Scheerer ist bestrebt, innerhalb der Stadt mit dem Kabinenfahrzeug zu fahren. "Das ist bequem, man sitzt wie auf einem Stuhl", beschreibt er sein umweltbewusstes Fortbewegungsmittel.

Der Verein Energiewende hatte sich Mitte der 1990er Jahre an dem Projekt "Sonnenuhr" der Friedrich-Ebert-Schule beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein erst ein paar Jahre auf dem Buckel. In diesem Jahr besteht er nunmehr seit drei Jahrzehnten.

"Es gab nach dem Atomunfall in Tschernobyl eine große Bewegung, Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen", erinnert sich Scheerer. Das war im Jahr 1986. Auch in Rüsselsheim trafen sich Gleichgesinnte, zwölf an der Zahl, zunächst in lockerer Runde, bis sie 1989 den Verein Energiewende gründeten, mit Scheerer als Vorsitzenden. Heute sind es 30 Mitstreiter. "Wir sind kein großer Verein", sagt er.

Neubau des Rathauses

Eines der ersten Projekte, das der Verein mit angestoßen hatte, war das Energiekonzept Rüsselsheim Mitte - die Liegenschaften Schwimmbad, Theater, Max-Planck-Schule, Fachhochschule Rhein-Main und das GPR-Klinikum an ein Nahwärmenetz anzubinden. Daraus sei allerdings nichts geworden, so Scheerer. Inzwischen sei jedoch zumindest das Hallenbad mit der Holzhackschnitzelanlage der Hochschule verbunden. "Das hat 25 Jahre gedauert", stellt er fest.

Der Verein Energiewende auf der Rüsselsheimer Umweltmesse 1995: Dieter Endeward, Hans Dieter Scherer-Gerbig, Hans-Peter Scheerer, Manfred Gebhard und Jürgen Eick (von links). 

Die Wärmedämmung und eine energiesparende Bauweise beim Neubau des Rathauses im Jahr 1992 gingen auf die Initiative des Vereins zurück. Den Kauf des Stromnetzes und der Straßenbeleuchtung durch die Stadtwerke Rüsselsheim im Jahr 2005 habe ebenfalls der Verein angestoßen.

Es habe indessen auch Rückschläge gegeben, räumt Jürgen Eick ein. Für das Neubaugebiet Blauer See II seien auf Vorschlag des Vereins eigentlich Niedrigenergiehäuser geplant gewesen. Die Stadt habe jedoch aus Angst, die Häuser nicht verkaufen zu können, den Bebauungsplan geändert.

Gehör bei der Politik

Der aktuelle Vorsitzende Hans Dieter Scherer-Gerbig macht gleichwohl auf einen Erfolg des Vereins aufmerksam: "Wir haben es erreicht, bei der Politik Gehör zu finden". Früher sei der Verein nicht wirklich wahrgenommen worden. Im vergangenen Jahr habe er dagegen im Umweltausschuss die Gelegenheit erhalten, Möglichkeiten für ein Energiekonzept für das Neubaugebiet am Ostpark vorzustellen.

"Energie- und Umweltthemen sind aus der Nische heraus zum Mainstream geworden", konstatiert Scherer-Gerbig. Früher seien ihresgleichen als Spinner bezeichnet worden, inzwischen habe sich die Politik die Themen angeeignet.

Das vorwiegende Interesse des Vereins sei deshalb auch gar nicht die Mitgliedergewinnung, sondern mit Energiethemen die Politik zu bewegen. Eick ergänzt in diesem Zusammenhang, dass für den Verein Energiewende vorwiegend die Kommunalpolitik im Fokus stehe. Deshalb sei es nicht einfach, das große Potenzial von jungen Studenten der Fachhochschule Rhein-Main abzurufen. Denn viele der dort Studierenden wohnten nicht in Rüsselsheim.

Aktuell bemüht sich der Verein Energiewende, den Radverkehr zu fördern und den Autoverkehr zurückzudrängen, so Scheerer, Beispielsweise gelte es, das geplante Neubaugebiet Eselswiese an den Radverkehr anzubinden.

Zudem müssten die Schulen in Rüsselsheim besser für den Radverkehr an das Zentrum von Königstädten angebunden werden. Mit einer Radtour will der Verein dies im Juni verdeutlichen. Außerdem unterstützt er eine Abgabe auf Kohlendioxid.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Vereins Energiewende ist für Herbst eine Radtour zum Windenergiepark nach Mainz mit einem anschließenden Grillfest geplant.

von Rüdiger Koslowski

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